Kritik auf Facebook und Twitter

#CadaanStudies

An der wissenschaftlichen Zeitschrift "Somaliland Journal of African Studies" (SJAS) sind keine somalischen Akademiker beteiligt. Die Kritiker geben auf Twitter und Facebook vor allem einem die Schuld: dem Leipziger Ethnologen Dr. Markus Höhne.
Markus Höhne ist Ethnologe an der Universität Leipzig.
In seiner Dissertation beschäftigte sich Markus Höhne unter anderem mit Identitäts- und Staatsbildungsprozessen in Nordsomalia.

Wie öffentlich private Facebook-Nachrichten wirklich sind und welche Konsequenzen das haben kann, das hat Dr. Markus Höhne jetzt am eigenen Leib erlebt. Der Leipziger Ethnologe wurde von dem Herausgeber des Somaliland Journal of African Studies (zu deutsch: Somaliländische Fachzeitschrift für Afrikastudien)  Rodrigo Vaz gefragt, ob er als Berater für die wissenschaftiche Zeitschrift fungieren möchte. Nach einer kurzen Bedenkzeit, in der er, wie er sagt, auch "keine Zeit für eine tiefer gehende Recherche" über das Journal fand, entschied er sich für den Posten als Berater. Immerhin habe er "viel Herzblut" in seine wissenschaftliche Laufbahn gesteckt. Kritisch sah er vor allem den Titel der Zeitschrift, da Somaliland international nicht als Staat anerkannt wird. 

Sozialwissenschaften ganz unten auf der Liste der somalischen Studenten

Das im Februar 2015 zum ersten Mal erschienene Journal möchte nach eigenen Angaben eine Plattform für Wissenschaftler bieten, die sich bei ihrer Forschung mit politischen Zusammenhängen in Somalia, aber auch auf dem gesamten afrikanischen Kontinent befassen. Markus Höhnes Forschung konzentriert sich auf Somaliland und das Horn von Afrika. Doch in den sozialen Netzwerken, insbesondere auf Twitter, hagelte es Kritik für die Abwesenheit somalischer Wissenschaftler im Impressum der Zeitschrift. Mit dem Hashtag #CadaanStudies (cadaan bedeutet "weiß" auf Somali) startete eine Gruppe von Somalis und anderen ethnischen Gruppen eine Kampagne, die sich vor allem gegen Markus Höhne richtete. Grund dafür war ein Satz, den der Ethnologe nach eigenen Angaben in einem privaten Facebook-Chat geschrieben hatte. In seiner Antwort an #CadaanStudies schrieb Höhne: "Ich denke ihr müsst zunächst die Somalis finden, die gewillt sind, acht Stunden pro Tag auf ihrem Hintern zu sitzen und die Monate an einem Artikel schreiben, der ihnen nicht einmal einen angemessenen Ertrag einbringt." Was Höhne damit meinte, war die Tatsache, dass das sozialwissenschaftliche Studium bisher nicht zu den Präferenzen der somalischen Studenten gehört, da es nur einen geringen beruflichen Erfolg in Aussicht stellt und die Bezahlung nur selten für das Auskommen einer ganzen Familie reicht. Die Initiatoren des Twitter-Hashtags nahmen seinen Satz jedoch zum Anlass, um eine weiterführende Debatte über einen neuen Kolonialismus in Afrika durch europäische Wissenschaftler zu befeuern. 

Markus Höhne hat sich bereits für seine Äußerungen entschuldigt. Er hofft nun, dass die Hashtag-Kampagne gegen ihn allmählich abflaut. Und er wünscht sich, dass der Streit über die nicht vorhandene somalische Beteiligung beim SJAS zumindest ein wenig zum Ausbau der Sozialwissenschaften in Somalia beiträgt. 

Redakteurin Birgit Raddatz dem Leipziger Ethnologen Dr. Markus Höhne
Somalia
 

Kommentare

Ich finde es journalistisch gesehen sehr schwach, dass die 'andere' Seite der Kontroverse in diesem Artikel nicht nach deren Meinung und Bewegsgruenden gefragt wurde.
Stattdessen unterstreicht dieser Artikel nur was den Twitter Storm an erster Stelle ausgeloest hat: Ein weisser Akademiker wird ueber die Beweggruende und Motivationen der Somalis befragt ohne den Somalis selber eine Chance zugeben sich selber auszudruecken.

Hier ist ein Link zu einem Brief an Markus Hoehne und Co, den eine Gruppe von Somalis (mich eingeschlossen) unterschrieben haben. Falls Sie sich auch fuer die Meinung derer Leute interessieren ueber die Sie hier schreiben, koennen Sie sich diesen Brief ja gerne mal durchlesen.

Viele Gruesse aus London,
Hannah

Kommentieren

Birgit Raddatz
13.04.2015 - 11:17