Leipziger Buchmesse

Bühne frei für die neurechte Querfront

Lesungen, Vorträge, Werbeflyer: Das Compact-Magazin verstand es, die Öffentlichkeit der Buchmesse für sich zu nutzen. Trotz Protestaktionen am Stand des neurechten Blattes, blieb die ideologische Blaupause für Pegida und AfD meist unwidersprochen.
Das Bündnis "Verlage gegen Rechts" organisierte täglich eine kleine Protestaktion.
Das Bündnis "Verlage gegen Rechts" organisierte täglich eine kleine Protestaktion.

Inmitten der Halle 5 auf der Leipziger Buchmesse sticht ein Stand neben den Ausstellungsflächen vieler kleiner Verlage heraus. Er ist in drückendem schwarz-rot gehalten, die düsteren Titelseiten des Magazins sind an den Wänden zu sehen, über ihnen prangert - in roten Lettern: „Mut zur Wahrheit“. Das Compact-Magazin hat seine eigenen Sicherheitsleute mitgebracht. Sieben Männer im Türsteher-Look sichern den Stand und beäugen die Vorbeigehenden kritisch - man rechnet mit Protest.

Nicht ganz zu Unrecht: Es gab ihn. Das Bündnis "Verlage gegen Rechts" machte täglich mit Plakaten und Sprechchören auf den verschwörungstheoretischen und neurechten Hintergrund des Blattes aufmerksam. Das Magazin nutzte die Buchmesse dennoch für sich - beinahe ungestört. mephisto 97.6-Redakteurin Christine Reißing und Moderator Yannick Jürgens mit den Einzelheiten: 

Christine Reißing und Yannick Jürgens im Gespräch.
 
Der Stand des Compact-Magazins in Halle fünf war nicht zu übersehen.

 

Im Vorfeld der Buchmesse wurden Scheiben auf dem Gelände im Norden Leipzigs eingeworfen. Linke Aktivisten bekannten sich zu der Tat und sahen darin einen Ausdruck ihrer Ablehnung des Magazins und dessen Teilnahme an der Messe. Und auch direkt vor dem Stand wurde demonstriert. Die Buchmesse sah den Protest durchaus positiv:

 

 

Also es ist so, dass die Buchmesse ein Ort ist, wo Meinungen ausgetauscht werden und das wird in jeder Hinsicht gemacht. Das da auch mal eine Demo stattfindet, das ist total ok für uns. Auch das ist eine Form der Meinungsäußerung, wir wollen einfach das es friedlich bleibt, und es ist friedlich geblieben.

Julia Lücke, Pressesprecherin der Leipziger Buchmesse

Das Magazin wurde vor fünf Jahren von Jürgen Elsässer gegründet und sieht sich als Sprachrohr für Meinungen, die man nicht sagen dürfe. Auf den Titelseiten des Magazins sieht man Bundeskanzlerin Angela Merkel im Kopftuch oder Überschriften wie „Fremd im eigenen Land“. Der Gründer Jürgen Elsässer tritt bei der fremdenfeindlichen Legida auf und prägte den Begriff der Lügenpresse mit.

Die vermeintlich zensierte Republik

Auf ihren Lesungen blieben Redner wie Peter Feist und Martin Müller-Mertens meist unwidersprochen.
Auf ihren Lesungen blieben Redner wie Peter Feist und Martin Müller-Mertens meist unwidersprochen.

Auf der Buchmesse war Jürgen Elsässer dann wegen eines Krankheitsfalls in der Familie verhindert. Vorträge und Lesungen gab es trotzdem. Peter Feist, Reiseführerautor und "marxistischer" Philosoph aus dem Umfeld des Magazins und Martin Müller-Mertens, Autor und Chef vom Dienst, diskutierten Zensur und Pressefreiheit in Deutschland. Die Lesebühne war gut gefüllt. Als sich die Redner als linke Patrioten vorstellen, lachen Teile des Publikums. Die „Konformitätspresse“ wird begrüßt, und dann geht’s los:

Unser eigenes Produkt ist der Beweis dafür, das Meinungsfreiheit herrscht, aber das die ohne Probleme nicht durchsetzbar ist. Das können sie an dem Anschlag sehen, den es hier auf die Messe gegeben hat.[..] Das wir hier unter Wachschutz arbeiten, das es Forderungen oder zumindest die Frage vom MDR gegeben hat, ob man uns nicht ausladen sollte. Ich würde nie auf die Idee kommen, irgendeiner Zeitung, die hier auf dieser Messe ist, die Ausladung zu empfehlen oder gar zu fordern.

Martin Müller-Mertens, Chef vom Dienst des Compact Magazins

Die beiden passen akribisch auf, sie wirken betont seriös - bloß nicht zu viel sagen. Sie sprechen über Zensur in Deutschland. Diese fände nicht unter Kommandostrukturen statt, sondern als innere "Schere" der Journalisten. Diese schrieben nur nach den Vorgaben ihrer Chefs, im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gäbe es Anweisungen zur Themensetzung. Von ganz oben, versteht sich. Die Medien würden Journalisten mit unliebsamen Meinungen systematisch ausgrenzen. Ein "Putinversteher" würde dann eben nicht mehr in die Talkshow eingeladen.

Das Magazin Compact wurde aber nicht von der Buchmesse ausgeladen. Und Applaus bekamen sie auch.

 

 

Kommentare

Herr Elsässer hat den Begriff »Lügenpresse« keinesfalls »mitgeprägt«, wie Sie schreiben. Er hat ihn allenfalls rezitiert. »Lügenpresse« war bereits im kaiserlichen Deutschland ein eingeführter Markenbegriff, mit dem sich die deutschen Medien gegen die Propagandalügen der späteren Kriegsgegner wehrten. Karlheinz Weißmann hat das in »1914 - Die Erfindung des häßlichen Deutschen« an vielen Stellen unwiderlegbar aufgezeigt. Diese in deutschen Schulgeschichtsbüchern bewusst verschwiegene Tatsache zählt zu einer Vielzahl vorenthaltener, gebeugter und umgedichteter Fakten, die Geschichtsschulbücher heute unter dem Strich in weiten Teilen zu wertlosem Lehrgut machen. Diese Bücher, überwacht vom Apparat linker Ideologen, die heute die Kultusministerien bevölkern, in der Regel Alt-68er, haben die Aufgabe, Heranwachsende zu entnationalisieren, um sie einer Multiminoritätengesellschaft zuzuführen.

Lieber Hörer / Leser,

ohne näher auf ihre Angaben eingehen zu wollen:

 

Anlass, Schwerpunkt und Kontext des Artikels machen wohl deutlich genug, dass die historische Einordnung des Begriffs "Lügenpresse" hier nicht Thema war.

Hintergrund und Verwendung des Ausdrucks wären sicherlich eine Recherche wert. Jedoch empfinden wir die derzeitige Lesart und die politische Interpretierung als entscheidend.

 

Bestens,

Paul Hildebrand, mephisto 97.6-Onlineredaktion.

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Die Kritik am Compact Magazin:

Die Veröffentlichungen von "Compact" gelten als Sprachrohr für die neue Rechte - über Pegida und Verschwörungstheoretiker bis zur AfD. Gründer und Chefredakteur Jürgen Elsässer war auch Redner bei Legida. Das Blatt schüre Hass und Angst, wenn es z.B vor einem drohenden Bürgerkrieg in Deutschland warnt - so die zahlreichen Kritiker aus dem linken Spektrum und anderen Medienhäusern. Außerdem bietet das Magazin Schriftstellern und Autoren wie Akif Pirinçci eine Plattform. Er hat unter anderem bei einer Pegida-Veranstaltung Geflüchtete als Invasoren bezeichnet und krude KZ-Vergleiche aufgestellt. Trotz überdeutlicher politischer Ausrichtung - das aktuelle Titelbild zeigt AfD-Cheffin Frauke Petry mit der Überschrift "Die bessere Kanzlerin" - geniest das Blatt den Status eines Presseerzeugnisses. Nach eigenen Angaben seien der Messe Leipzig deswegen die Hände gebunden gewesen.

Die tägliche Protestaktion am Stand des Compact-Magazins kann unter "#verlagegegenrechts" verfolgt werden:

Die Leipziger Buchmesse 2016 in 140 Zeichen: