CD der Woche - T. Riley "Love Situation"

Bring back that good lovin' feeling

Tarrus Riley ist einer der erfolgreichsten Künstler des modernen Reggae. Mit „Love Situation“ widmet er nun ein ganzes Album einer Zeit, in der das Genre noch in den Kinderschuhen steckte - und landet damit prompt auf Platz 1 der US-Reggae-Charts.

Dass Tarrus Riley Reggae-Musik macht, kommt nicht von ungefähr. In New York geboren, in Jamaika aufgewachsen ist er obendrein Sohn des jamaikanischen Musikers Jimmy Riley. Der Vater landete mit seiner Band „The Sensations“ in den 60er Jahren einige Hits auf der karibischen Insel.  
Wenn man Songs von Tarrus Riley hört, begegnet man nicht nur Reggae.  Der 34-Jährige probiert sich gerne sowohl textlich als auch instrumental aus, vertont seine eigenen Songs rein akustisch oder covert berühmte Popsongs und verleiht ihnen jamaikanisches Flair. Für sein fünftes Album begibt sich Tarrus Riley in das Jamaika der 60er Jahre, die Zeit, als sein Vater seine größten Erfolge feierte: Die Zeit des Rocksteady.

„Come do rock steady!“

Der Rocksteady wurde in einer turbulenten Zeit populär: Gerade einmal fünf Jahre war es her, dass die karibische Insel vom Britischen Königreich unabhängig wurde. Es herrschte gewalt, politische Parteien trugen ihre Machtkämpfe offen auf den Straßen Jamaikas aus.
Gerüchten zufolge entstand der Rocksteady unter anderem, um die von rasanter Ska-Musik erhitzten  Gemüter zu beruhigen. Das bemerkte man vor allem durch den damals neuen, deutlich langsamer gespielten Offbeat-Rhythmus. Doch auch textlich entfernten sich Künstler von den „Rudeboys“  der Straße und der Gewalt in „Shanty Town“. Stattdessen ging es fast nur um das Eine: Liebe. Klassiker wie „You Don’t Love Me (No, No, No)“ von Dawn Penn oder auch Alton Ellis‘ „I’m Still In Love“ (2004 von Sean Paul  gecovert), entstanden in dieser Zeit. Natürlich hat auch der zeitgenössische amerikanische Motown-Sound einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss auf den Rocksteady gehabt. Doch typisch für Musik aus Jamaika ist, dass Musikstile nicht eins-zu-eins übernommen werden - vielmehr wird dem Ganzen noch eine eigene Note verliehen. So schufen die Musiker Jamaikas ihren eigenen Sound, der die Erfolgsgeschichte des Reggae einleitete.

Aus old mach gold

Auch Tarrus Riley schafft es auf „Love Situation“, dem alten Sound eine eigene, moderne Note zu verpassen. Und das, obwohl knapp die Hälfte der Songs aus Versatzstücken alter Rocksteady-Klassiker bestehen. Tarrus Riley hat die alten Melodien mit seiner Band neu eingespielt und eigene Texte hinzugefügt. Eine besonders starke Ähnlichkeit findet sich beispielsweise beim Song „ 1 2 3, I Love You“, dessen Melodie ursprünglich vom Song „ABC Rocksteady“ der Band The Gaylads stammt. Neuer Text und Sound zeigen,  dass mehr als 40 Jahre zwischen diesen beiden Versionen liegen. Tarrus Riley poliert jedoch nicht nur alte Kammellen auf. Er steuert eigene Kompositionen bei und holt sich  auch einige Gäste ins Boot. Das Besondere dabei: Neben aktuellen Reggae/Dancehall-Stars wie Konshens sind auch Veteranen aus  alten Tagen vertreten. Einige der Berühmtesten sind hierbei Big Youth und U-Roy. Die beiden wurden vor allem durch ihren Rocksteady-Sprechgesang berühmt.

Dass scheinbar vergessene Musikrichtungen wieder Erfolge feiern dürfen, ist mittlerweile keine Neuigkeit mehr. So haben Musiker, wie Aloe Blacc, Adele, oder Gregory Porter  Soul und Jazz wieder in den Mainstream katapultiert.  Vergleichbares wird mit Tarrus Rileys „Love Situation“ wohl eher nicht passieren, allein schon aufgrund der Unbekanntheit von Künstler und Genre. Nichtsdestotrotz schafft er etwas Ähnliches auf kleinerer Ebene - und auch wenn das Album dann und wann doch etwas zu schnulzig wird, zeigt es, wie viel Soul in jamaikanischer Musik steckt.

 

Kommentieren

Daniel Krause
13.03.2014 - 10:28
  Kultur

Tarrus Riley: Love Situation

Erscheinungsdatum: 01.03.2014
Zojak