Britische Musikindustrie

Brexit: Fatale Folgen?

Teurere Platten, teurere Konzertkarten - der Brexit hat möglicherweise auch für die britische Musikszene und ihre Liebhaber verheerende Konsequenzen. Vor allem kleine Bands stehen vor der Entscheidung: In Großbritannien bleiben oder raus?
CDs
Werden britische Platten bald teurer?

Der EU-Austritt der Briten wird sich nicht nur auf Politik und Wirtschaft des Vereinigten Königreiches auswirken - auch britische Musiker und Labels müssen sich auf einige unangenehme Veränderungen einstellen. In Zukunft werden vor allem kleine Bands mit steigenden Einfuhrzöllen für CDs und zu hohen Kosten für Tourneen kämpfen müssen – und für sich die Konsequenzen ziehen.

Von Großbritannien in die EU

Der Brexit stellt auch das Label Domino Records vor Probleme. Das internationale Indie-Label hat unter anderem Bands wie Arctic Monkeys und Franz Ferdinand unter Vertrag – und seinen Hauptsitz in London. Anne Haffmans leitet den deutschen Zweig von Domino Records. Sie sieht vor allem Arbeitsplätze in Gefahr. Viele Indie-Labels seien stark international ausgerichtet. Um den Folgen des EU-Austritts Großbritanniens entgegenzuwirken, wäre eine Verlagerung des internationalen Geschäfts in Mitgliedsländer der Europäischen Union denkbar – so würden jedoch Arbeitsplätze im Vereinigten Königreich verloren gehen.

Platten made in Germany

Trotz Ungewissheit über die konkreten Auswirkungen des Brexits ist sicher, dass sich die Labels auf erhöhte Einführzölle vorbereiten müssen. Gerade Indie-Labels verdienen am meisten durch den Verkauf von Schallplatten – die sind aber selten Made in Britain. Zum Beispiel lässt Domino Records seine Vinyle in Mecklenburg Vorpommern pressen. Anne Haffman sieht eine gewisse Ironie im Import von Platten nach Großbritannien:

Das wird eine Lachnummer, wenn die englischen Labels die Platten in der EU pressen lassen, um sie dann für den eigenen Markt wieder aus der EU einzuführen.

Anne Haffman

Die Personenfreizügigkeit ist ein weiterer Streitpunkt der Brexit-Debatte. Musiker sind auf internationale Tourneen angewiesen und profitierten bisher von dem Recht der EU-Bürger, in anderen Mitgliedstaat zu leben, zu arbeiten und zu wohnen. Besonders in der Festival-Saison sind die Konzerte in Europa eine wichtige Einnahmequelle. Britische Musiker müssen in Zukunft wohl Arbeitsvisen beantragen und aufwendige Bürokratie-Prozesse in Kauf nehmen.

Das wird das Tourgeschäft extrem verkomplizieren und dadurch verteuern. Es ist sowieso ein hart umkämpfter Markt. Ich sehe da schwarz für viele unserer kleinen Bands.

Eine ungewisse Zukunft 

Trotz allem ist eine vollkommene Isolation Großbritanniens aus der internationalen Musikindustrie unwahrscheinlich. Das Vereinigte Königreich ist immerhin der zweitgrößte Musikexporteur der Welt. Unter den Folgen werden hauptsächlich kleine Bands leiden: Für Newcomer wird es jetzt schwerer, sich in Europa durchzusetzen. Deshalb zieht es jetzt viele von ihnen nach Berlin – hier steht ihnen der internationale Musikmarkt offen.

Anne Haffman rät, ruhig zu bleiben:

Ich glaube da ist viel, viel Panikmache dabei. Wir können die Auswirkungen  alle nicht einschätzen. Es wird alles vorbereitet, aber noch kein einziges Abkommen wurde getroffen. Wir arbeiten auf jeden Fall weiter, wie wir es bis jetzt immer gemacht haben.

Der Ausgang des Referendums scheint zunächst hauptsächlich emotionale Auswirkungen zu haben. Der Brexit könnte sich also noch als fatal erweisen, jedoch sind das meiste bis jetzt nur Spekulation. Im Moment heißt es noch: "Don’t Believe the Hype".

mephisto 97.6 Redakteurin Jona Zhitia hat mit Anne Haffman von Domino Records über die Folgen des Brexit für die britische Musikindustrie gesprochen:  

Jona Zhitia über die Auswirkungen des Brexit auf die Musikindustrie
 
 

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