Konzertbericht

Boy, Oh Boy

Mit ihrem zweiten Album ‚We were here’ spielte die Band Boy am Sonntag vor einem ausverkauften Leipziger Haus Auensee.
Boy
Valeska und Sonja, alias BOY spielten das bisher größte Konzert ihrer Show im ausverkauften Leipziger Haus Auensee.

Erwartungen

Mit ihrem ersten Album "Mutual Friends" schaffte die Band Boy, bestehend aus Valeska Steiner (Gesang) und Sonja Glass (Bass und Gesang) 2011 den musikalischen Aufstieg, der mit einer goldenen Schallplatte ausgezeichnet wurde. Danach verschwand das Duo erst einmal zwei Jahre komplett aus dem Rampenlicht. Meist ist ist es schwierig an solch ein gelungenes Debüt anzuknüpfen. Aber zumindest der Titel des neuen Albums ‚We were here‘ gibt ja schon eine gewisse Richtung vor. ‚Ich war hier’,welches oft leichtfertig in die Nähe wichtiger Plätze oder aber auf Toiletten-Wände gekritzelt wird, soll ja immer eins bedeuten: ich habe es erlebt und das kann mir keiner mehr nehmen. Auch meine letzte Boy-live-Erfahrung kann mir keiner nehmen. Stand ich doch damals mehrere Stunden beim Hurricane-Festival im Regen vor der Bühne und war nach dem Festival drei Wochen krank. Heute schon mit der Erkältung angereist, kann mir das zumindest nicht mehr passieren. Meine Freundinnen und ich wollen die Klassiker hören, wollen ein wenig tanzen und eine gute Zeit haben, denn vor allem eins verbinde ich mit der eher poppigen Musik der Band: gute Laune.

Erster Eindruck

Als wir das Haus Auensee betreten, wird schnell klar warum das Konzert verlegt wurde. Der ausverkaufte Konzertsaal ist dicht gefüllt. 3600 Tickets wurden verkauft, scheinbar zu 90 Prozent an Mädchen und Frauen. Dass da das Klischee naheliegt, Boy würden nur Mädchenmusik machen, ist also nicht ganz verwunderlich, sei aber mal dahingestellt. Durch jahrelange Festival-Drängel-Erfahrung kämpfen wir uns an den vorderen rechten Rand und stehen am Anfang wie die Sardinen zusammengepresst. Das Erscheinen der Band auf der Bühne wird laut bekreischt und mit der ersten Singleauskopplung des neuen Albums "We Were Here" startet das Konzert mit einem echt tanzbaren Stück. Valeska, die "Stimme" der Band begrüßt das Leipziger Publikum in ihrer charmanten und schüchternen Art, welche von ihrem hübschen Schweizer Dialekt gekrönt wird. Da auch Boy Stellung zu den Vorfällen in Paris beziehen wollen, äußert sich Sonja so: "Wir wollen dem etwas Positives entgegensetzen!" und das macht die Band gut gelaunt und mehr als ausgelassen die nächsten 75 Minuten lang.

Musik

Meinen Erwartungen entsprechend, werden viele alte Hits gespielt. Dabei wechseln sich alte mit neuen Songs ab, was eine gute Mischung zwischen tanzbaren und ruhigen Liedern erzeugt. Bei Liedern wie "Hit my heart", "Waitress" oder "Oh Boy" fängt das eng beinander stehende Publikum dann doch mal an sich zu bewegen. Ruhige Lieder wie "Drive darling" oder "Hotel" laden zum Träumen ein. Besonders gut hat mir die Umsetzung des Songs "Railway" gefallen, da der authentische Klang des Güterzuges sehr gut den Song auf der Bühne untermalt und damit eine besondere Stimmung erzeugt wurde. Bei den Klassikern "Little Numbers" und "Beginning" kommt dann auch die Textsicherheit des gesangfreudigen Publikums zum Ausdruck und es wird aus lauter Kehle mitgeträllert. Die letzte Zugabe "Skin", bei der nur die beiden Musikerinnen auf der Bühne sind, rundet das schöne Konzert, als reine Akkustiknummer ab.

Show

Neben Valeska und Sonja befinden sich noch vier weitere Musiker auf der Bühne. Interessant dabei ist, dass es zwei Schlagzeuger gibt, die einen kräftigeren Sound als auf den sanften Alben erzeugen. Valeska und Sonja reden viel mit dem Publikum. Erinnern sich an ein letztes Konzert vor sehr wenigen Besuchern in Leipzig und sind sichtlich überwältigt, von dem bis dato vollsten Haus ihrer Tour: "Das sieht ganz schön gewaltig aus von hier oben!" und erklären am Ende, dass das Leipziger Konzert das beste Konzert der Tour gewesen sei, was ich ihr für meinen Teil definitiv abkaufe. Ein besonderes Highlight sind die beiden halben Diskokugeln am Rand der Bühne. Sie zaubern immer mal einen Sternenhimmel ins Haus Auensee, was so manchen Konzertbesucher zum Foto-Machen ermutigt.

Was in Erinnerung bleibt

…die gute Laune und der Spaß der Band daran Musik zu machen. Vor allem der zweite Schlagzeuger hat das ganze Konzert über ein breites Grinsen im Gesicht und auch Valeska geht beim vorletzten Lied "Beginning" richtig aus ihrem sonst schüchternen Ich heraus und lässt ausgelassen wie bei einem Heavy Metal Konzert die Haare fliegen. Auch wenn der Rest des Publikums, sei es aus Platznot oder warum auch immer, nicht viele Tanzanstalten macht und auch sonst eher umbegeistert wirkt, kommen meine Freundinnen und ich ganz auf unsere Kosten. Die sympathische Art der beiden "Boy"s und die gespielten Hits aus dem ersten Album erfüllen alle unsere Erwartungen. "Boy" mögen vielleicht Mädchenmusik für Mädchen machen ,aber haben damit eine definitive Bleibeberechtigung:

And the rains get rough, but time can't wash us off We won't ever disappear!

Boy - We Were Here

 

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Isabel Meißner
25.11.2015 - 16:27
  Kultur