Massentourismus im Nationalpark

Boofen wird zum Problem

Immer mehr Menschen nutzen die sonnigen Wochenenden für einen Ausflug in die Sächsische Schweiz. Allerdings leiden darunter meist Tiere und Pflanzen.
Felsformation im Nationalpark
Vielbesuchtes Idyll

Die Sächsiche Schweiz ist ein traditionelles Klettergebiet, schon vor hundert Jahren wurden dort viele Routen geklettert. Weil die Kletter*innen von damals allerdings nicht so mobil waren wie heute und außerdem oft erst am Samstag von der Arbeit loskamen, enstand eine Tradition, die sich bis heute hält: Das Freiübernachten im Nationalpark, in der Sächsischen Schweiz Boofen genannt. Weil es im Nationalpark viele Höhlen und Felsvorsprünge gibt, kann man hier sogar bei Regen draußen übernachten.

Was durch das Klettern entstand, wird heute aber vor allem von Wander*innen und allgemein Touristen in Anspruch genommen. Die Übernachtungsplätze liegen oft an wunderschönen Orten und mit offizieller Erlaubnis kann man in Deutschland nur an wenigen Orten einfach so draußen übernachten. Im Nationalpark gibt es heute 57 offizielle Boofen.

Der Trend nimmt mittlerweile allerdings Dimensionen an, die den Nationalpark-Verantwortlichen Sorge bereiten:

Wir haben im Jahr 2017 21.000 Boofer pro Jahr festgestellt. Das heißt, jede Nacht sind mindestens 100 Leute draußen. Und das ist in keinem Wald in Sachsen zulässig – nur ausgerechnet im Nationalpark.

Hanspeter Mayr, Pressesprecher des Nationalparks

Erst am Dienstag musste die Feuerwehr wieder eine Waldbrand in der Sächsischen Schweiz löschen. Illegale Lagerfeuer und achtlos weggeworfene Zigarettenstummel können so über Jahre gewachsene Vegetation zerstören. Außerdem nimmt der Tourismus Tieren wie Fuchs oder Wanderfalke immer mehr von ihrem Lebensraum, besonders weil Besucher häufig die markierten Wege verlassen.

Man vergisst, dass die Wahrnehmungsfähigkeit der Tiere einfach so viel größer ist, dass ein Wanderfalke einen auf viele Kilometer schon längst entdeckt hat, wenn man selbst noch keine Chance hat den Vogel zu sehen. Dass ein Fuchs einen schon auf viele hundert Meter Entfernung riecht, wenn man denkt man ist noch eigentlich gerade aus dem Dorf rausgegangen, um in die Felsen zu gehen.

Mayr, Pressesprecher

Wie und ob die Tradition weiter existieren kann ist offen. Um der Natur auch weiterhin den Vorzug gegenüber dem Massentourismus geben zu können, diskutieren die Nationalpark-Vernatwortlichen jetzt verschiedene Möglichkeiten.

Also es wäre schade, wenn auch für unser Gebiet der Spruch gelten würde `Der Tourismus zerstört das, was er gerade gefunden hat`, indem Leute dort hinfahren.

Mayr, Pressesprecher

Es bleibt zu hoffen, dass sich eine Lösung findet, die den Tourismus der Natur zwar unterordnet, aber vielleicht auch schafft, beides irgendwie in Einklang zu bringen.

 

 

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Anton Kästner
06.06.2020 - 18:41
  Wissen