Blutspende

Blutspenden in Zeiten von Corona

Blut- und Plasmaspenden können Leben retten. Das gilt immer, aber besonders jetzt ist das Spenden wichtiger als je zuvor. Ein Erfahrungsbericht.
Blutplasma
Die Blutbank Leipzig sucht genesene Covid-19 PatientInnen für Plasmatherapien.

Dass Gesundheit wichtig ist, ist den meisten in den vergangenen Monaten nochmal besonders bewusst geworden. Seit Beginn der Corona Pandemie haben wir alle versucht, Rücksicht aufeinander zu nehmen, sind zu Hause geblieben und tragen immer noch einen Mund- und Nasenschutz, wenn wir einkaufen gehen oder Bahn fahren. Aber es gibt noch mehr Wege, um unsere Mitmenschen und damit auch unser Gesundheitssystem zu schützen.

Ein Erfahrungsbericht

Mitte März, also gerade als die Covid-19 Situation akut wurde, haben viele Uniklinken und andere Einrichtungen zur Blut- und Plasmaspende aufgerufen. Denn: die Bestände in den Lagern und Laboren wurden langsam knapp.

Als Corona angefangen hat, da hatten die Leute wahrscheinlich Angst gehabt, überhaupt zu uns zu kommen. Das hat ja was mit Krankenhaus zu tun. Da sind wirklich nur 60 bis 70 Prozent der Leute gekommen und wir konnten kaum noch unsere Patienten versorgen.

Prof. Dr. Reinhard Henschler (Institutsleiter Transfusionsmedizin Leipzig)

Ich bin diesem Aufruf im März auch gefolgt und war seitdem alle zwei Wochen Plasma spenden. Am Anfang hatte ich deswegen auch meine Bedenken, denn gerade jetzt will man nicht mehr Zeit als nötig in einem medizinischen Umfeld verbringen, schließlich lauert die Ansteckungsgefahr überall.  Die Blutbank der Uni Klinik Leipzig hat aber Vorkehrungen getroffen: Um Warteschlagen zu vermeiden, musste ich vorher einen Termin machen, mir wurde gleich am Eingang die Temperatur gemessen, ich musste meine Hände desinfizieren und die Liegen im Spenderaum stehen auch weit genug auseinander.

Eine Plasmaspende dauert je nach körperlichen Vorraussetzungen ca. 30-45 Minuten. Inklusive Medizin-Check vor der Spende habe ich aber eine Stunde eingeplant. Eine Vollblutspende ist dagegen schon nach ca. 15 Minuten erledigt. Das Blut wird dann im Laufe des Tages nach der Spende im Labor in rote Blutkörperchen und Blutplasma geteilt. Der rote Teil wird zum Beispiel bei Unfällen für eine Blutstransfusion benutzt, das Plasma wird vor allem als Medizinprodukt verwendet und wird gerade deswegen besonders gebraucht.

Generell als Medizinprodukt ist die Plasmaspende enorm wichtig, um Medikamente herzustellen. Das Wichtigste sind die so genannten Immunglobuline. Das sind die Antikörper, die Abwehrstoffe, die dann herausgereinigt werden und die lebensrettend sind und wo ein enormer Bedarf und eine Not besteht.

Prof. Dr. Reinhard Henschler 

Auch für die Behandlung von Covid-19 Fällen kann Plasma lebensrettend sein. Das Blutsplasma von genesenen Patient*innen kann für die Therapie von neuen Fällen eingesetzt werden. Die Anwendung des so genannten „Rekonvaleszentenplasma“ ist allerdings noch nicht weitreichend untersucht.

Man hat entdeckt, dass Leute, die Corona durchgemacht haben, mindestens ein Jahr lang selber Antikörper im Plasma haben gegen Corona. Dieses sammeln wir jetzt, um es in klinischen Studien zu testen und um auch einen Passiv-Impfstoff gegen Corona herzustellen.

Prof. Dr. Reinhard Henschler

Es ist also gerade jetzt wichtiger als je zuvor, Blut und Plasma spenden zu gehen. Auch wenn man noch keine Covid-19 Erkrankung durchgemacht hat. Zum Spenden zugelassen wird in 9 von 10 Fällen jede*r, solange man sich fit fühlt, über 18 Jahre alt ist und keine Vorerkrankungen oder ein erhöhtes Risiko für bestimmte Krankheiten hat.

 

 

 

 

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