mephisto 97.6 präsentiert

Blond im Werk 2

Die Nachwuchsband Blond aus Chemnitz war in Leipzig zu Besuch. Wir haben das Konzert präsentiert und waren natürlich auch selbst mit am Start. Ob Blond eine gute Show machen, das erfahrt ihr hier.
Wenn Nina Kummer ihre Arme hebt, dann flackern überall die Feuerzeuge auf.
Wenn Nina Kummer ihre Arme hebt, dann flackern überall die Feuerzeuge auf.

Wenn bei Blond noch jemand sagt „ey, die kenn ick, dit sind doch die kleenen Schwestern von Kraftklub“… tja, dann hat der*die keine Ahnung, denn: wer einmal bei einem Konzert der beiden Chemnitzerinnen Nina und Lotta und ihres Kindheitsfreundes Johann war, der*die wird das Dreiergespann sicher nie wieder an den „anderen“ Chemnitzer Indie-Ikonen (Indiekonen?) messen.

Aber der Reihe nach…

Wie alles begann

Blond lassen sich an diesem Abend Zeit. Gott, was lassen die sich Zeit… selten hat eine Band das Publikum so geteast, wie an diesem Abend im Werk 2. Aber sie dürfen es sich heute erlauben, denn: jede*r hier will sie, jede*r hier hat Bock, es liegt eine wundervolle Spannung im Konzertsaal. Das Publikum ist jung, viele Schüler*innen, als Studi gehört man hier schon zu den Oldies. Vielleicht ein schräges Gefühl mit Mitte zwanzig, aber: So ganz abgehängt hat uns die Zeit musikalisch scheinbar doch noch nicht.

Endlich geht’s los… mit der Vorband. Naja, eigentlich ist es keine Band, sondern eine DJ: Lokführer Andi, die wir im späteren Verlauf des Abends dann auch noch als Teil des Background-Trios erleben dürfen. Ihr Solo hier auf der Bühne – irgendwann kurz nach acht – ist nicht weniger als die geilste Stimmungsmache, die man sich hier und jetzt vorstellen kann, die man sich überhaupt vorstellen kann. Lokführer Andi legt mit ABBA los, arbeitet sich durch die Eighties und zum Teil auch durch jüngere Popmusik. Dabei bringt sie ein Disco-Flair in den Raum, von dem man in den eigentlichen Neunzehnachtzigern vermutlich nur träumen konnte. Und das Allerschönste daran: Man sieht ihr sichtlich an, dass sie’s spürt. Und auch das Publikum spürt’s. Es wird gedanced und laut mitgesungen, als wäre Lokführer Andi schon der Hauptact.

Wir sagen: Chapeau! Hoffentlich hilft der Toursupport bei Blond ja dieser Nachwuchs-DJ, selbst einen Fuß in die Tür des Showbiz zu bekommen.

Es folgt…

… eine Phase des bereits erwähnten Teasings von Seiten des heutigen Hauptacts. Nach dem Set von Lokführer Andi ist erst einmal eine musikalisch unterlegte Pause angesagt, die sich dehnt wie Kaugummi. Ein Song endet… daraufhin kurze Stille… alle werden aufgeregt, weil jetzt die Band kommen könnte… dann beginnt der nächste Song und alle stöhnen enttäuscht auf… und danach wieder dasselbe Schema: Song endet, kurze Stille, hohe Erwartungen… und der nächste Song der Warteschleife beginnt. Es ist wie ein sadistisches Streicheln mit einer Pfauenfeder. Blond lassen auf sich warten, weil sie es können – ohne dabei jedoch das Publikum zu vergraulen. Im Gegenteil: irgendwie scheinen wir hier alle auf das zu stehen, was die Band hier mit uns macht. Kinky. Wenn man sich umschaut, gibt es keine Genervtheit in den Gesichtern, bloß wachsende Spannung. Was das Spiel mit dem Publikum angeht, zeigt Blond auch im weiteren Abendverlauf eine Selbstsicherheit, für welche man sie wirklich beneiden kann.

Und ab geht die Post

Als Blond schließlich die Bühne betreten wird klar: Das wird heute mehr als ein Konzert, das wird eine Show! Die Schwestern Nina und Lotta haben hier von Anfang an die verbalen Zügel in der Hand, gefallen sich in der Rolle der Conferencières, der Mistresses of Ceremonies… denn eine Rolle ist es definitiv, die sie hier spielen. Gerade Lotta scheint sich klar für die Position des „Bad Cops" entschieden zu haben und fordert das Publikum immer wieder auf kühle Art heraus.

Also ich weiß nicht Leute…

Ich bin Perfektionistin und irgendwie… überzeugt ihr mich nicht.

Lotta Kummer

Doch nicht bloß die Moderation saugt eine*n hinein in dieser Konzerterlebnis. Auch das erwähnte Trio der Background-Sängerinnen holt aus der kleinen Bühne des Werk 2 mehr raus, als man ihr zugetraut hätte. Bei den Songs „Sanifair“, „Autogen“, „Kälberregen“, „Book“ und beim großen Finale werden die Musiker*innen außerdem von den beiden Tänzern Duc Le Anh und Nam Tran Xuan unterstützt, die Lokführer Andi in Sachen Disco-Flair in nichts nachstehen. Und Johann, der in Sachen Show sonst so unscheinbare Dritte im Bunde von Blond, welcher (vielleicht durch seine Blindheit) bei der Teilnahme an den akrobatisch-rasanten Kleiderwechselaktionen von Nina und Lotta auf der Bühne etwas am Rande bleibt und auch zur Moderation wenig beiträgt, überrascht gegen Ende des Konzerts noch einmal mit einer großartigen Gesangseinlage, die so manch eine*r dem drahtigen Multiinstrumentalisten im Netzoberteil gar nicht zugetraut hätte – obwohl auch er musikalisch bis zu diesem Zeitpunkt schon mehr als abgeliefert hat.

Hier überzeugt wirklich jede*r, hier powern alle durch, ob nun vor oder auf der Bühne, hier schaffen wir gemeinsam einen – und so viel Kitsch darf und muss an der Stelle sein – unvergesslichen Abend.

Empfehlung

Ja.

Im Ernst, Leute, es wurde alles gesagt. Geht hin, solange man Blond noch bei solch kleinen Clubkonzerten erleben kann!

 

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Maximilian Enderling
01.04.2020 - 14:28
  Kultur