Protestbewegung in Plagwitz

"Bleibt Leipzig ein lebenswerter Ort?"

Sie protestieren gegen Rassimus, Kapitalismus und die Gentrifizierung ihres Viertels: Das Projekt "soziale Kampfbaustelle" hat heute morgen begonnen - und geriet dabei in Konflikt mit dem Ordungsamt.
Das Gelände der "sozialen Kampfbaustelle".
Das Gelände der "sozialen Kampfbaustelle".

Sie haben Pavillons aufgebaut, Sofas, Stühle und Bierbänke herbeigetragen. Jeder hat etwas zu Essen mitgebracht und kann sich etwas vom Frühstücksbuffet nehmen. Die überwiegend jungen Leute sitzen, rauchen, trinken und scheinen entspannt. Sie sind Teil des Projekts „soziale Kampfbaustelle“ – ein selbstorganisiertes Aktionscamp im Leipziger Westen, das seit heute aktiv ist.

Das Problem dabei: Die Zusammenkunft findet auf einem öffentlichen Platz statt, ist aber keine angemeldete Veranstaltung. Das ließ am Morgen das Ordnungsamt aktiv werden. Die Mitarbeiter der Behörde unterbrachen die Veranstaltung und forderten die Projektteilnehmer zum Abbau auf. Auf deren Weigerung hin schlugen sie eine Verlegung zu einem anderen Ort vor – doch auch das wurde abgelehnt. Letztendlich ließen sich die Teilnehmer des Projekts dazu bewegen, ihre Zusammenkunft als Kundgebung anzumelden.

Nachbarn gegen Gentrifizierung

Was ist eigentlich das Ziel der „sozialen Kampfbaustelle“? Die Initiatoren des Projektes möchten einen Raum für Diskussion schaffen und es ermöglichen, dass die Nachbarn des Viertels sich untereinander vernetzen und austauschen. Sie wollen „kollektive, solidarische Widerstandsstrategien“ gegen Probleme des Alltags entwickeln, wie sie es auf ihrer Internetseite beschreiben.

Die Teilnehmer des Projekts „soziale Kampfbaustelle“ kritisieren vor allem die in Plagwitz einsetzende Gentrifizierung: Die Stadt plant, das Viertel zu sanieren, vieles zu verändern und zu erneuern. Dadurch würden die Mietpreise ansteigen und wären für viele der bisherigen Bewohner nicht mehr bezahlbar. Das Projekt möchte dagegen angehen. Die Meinung eines Teilnehmers dazu:

Ich frage mich dann auch, was eigentlich das Interesse der Stadt ist. Wollen die dann in fünf Jahren, so wie jede andere mittlere deutsche Großstadt, eine geleckte, glänzende Stadt haben, wo alle schön shoppen gehen können und so, aber niemand mehr die Miete zahlen kann? Oder ist Leipzig auch in Zukunft ein lebenswerter Ort?

Ein Teilnehmer des Projekts „soziale Kampfbaustelle“

Die Teilnehmer haben Pavillons, Bierbänke und Sofas aufgebaut.
 

Konkret soll das durch gemeinsame Diskussionen, Workshops und Mahlzeiten im Camp umgesetzt werden. Fest organisiert haben die Veranstalter das Ganze nicht – die Teilnehmer werden zu aktiver Teilnahme angeregt, und sollen ihren Teil zur Gestaltung und Organisation des Projekts beitragen.

Eine ungewisse Zukunft

Laut der Website soll das Camp noch bis zum kommenden Montag bestehen bleiben – fraglich, das so möglich sein wird, denn die Zusammenkunft ist nur für den heutigen Tag beim Ordnungsamt angemeldet. Wie es mit dem Projekt weitergeht, wird sich in den nächsten Tagen zeigen.

Wie genau der Konflikt zwischen den Projektteilnehmern und dem Ordnungsamt am Morgen ablief, hören Sie hier:

mephisto 97.6 Redakteurin Sarah-Maria Ziewitz hat sich die Situation vor Ort angeschaut und mit Teilnehmern der Nachbarschaftsbewegung gesprochen.
 
 

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