Konzertbericht

Bis zum "Geht-Nicht-Mehr"

Nach 20 Jahren Bandgeschichte gehen die Donots - die wohl best gelaunte Band Deutschlands - zum ersten Mal mit einem deutschen Album auf große Clubtour. Das Konzert im Leipziger Werk 2 fand dabei in einem ganz besonderen Rahmen statt.
Sänger Ingo blickt über das Publikum
Ein Konzert der Donots im Leipziger Werk 2.

Erwartungen

Beim Akustik-Set im Highfield Laden, als Support-Act für Rise Against, auf dem Highfield Festival und auf dem "Kein Bock auf Nazis" Open Air in Bitterfeld - Leipziger hatten dieses Jahr schon viele Möglichkeiten die Donots in der Umgebung live zu sehen. Nun ist die extrem aktive Rockband auf ihrer ersten richtigen Clubtour zum Album "Karacho" unterwegs. Dass das erste deutsche Album in über 20 Jahren Bandgeschichte ein großes Live-Potential hat, konnte man bereits im Sommer auf den zahlreichen Festivals sehen. Im kleinen Club ist das Ganze natürlich noch einmal intensiver - da kommt die Halle D im Werk 2 ganz gelegen. Außerdem ist es für die Donots und für die meisten Besucher das erste Konzert seit den Terroranschlägen in Paris, bei denen die Geiselnahme beim "Eagles Of Death Metal"-Konzert eine entscheidende Rolle spielte. Im Interview vor dem Konzert erklärt Sänger Ingo, dass die Donots als Band auf jeden Fall ein Zeichen gegen den Terror setzen wollen - und deswegen die Tour fortsetzen. Gleichzeitig berichtet er, dass er lange überlegt hat, wie er damit auf der Bühne umgehen soll. Es wird auf jeden Fall nicht ein Konzert wie alle anderen sein.

Erster Eindruck

Kurz vor Konzertbeginn meldet das Werk 2 ausverkauft. Der Raum ist bis auf die letzte Ecke gefüllt. Als die Donots um 21:00 die Bühne betreten gleicht die Halle D bereits einer Sauna. Nach einem langen Intro kommen die fünf Jungs aus Ibbenbüren nacheinander auf die Bühne und spielen den Karacho-Opener "Ich mach nicht mehr mit". Allen Bandmitgliedern ist der Spaß von der ersten Sekunde an anzumerken. Ingo schreit "Leeeeeiiipziiiig" und das junge, durchmischte Publikum gibt ab dem ersten Moment alles. Im Pogo vor der Bühne ist es gut gefüllt und man blickt durchwegs in freudige Gesichter, die jede Zeile mitsingen können. Nach dem derzeit viel besprochenen, politischen Song "Dann ohne mich" begrüßt die Band die Fans und haut ein stimmungsvolles, viel beklatschtes Statement zu den Paris-Attentaten raus. Nicht in die Knie gehen, sondern das Beste aus dem Abend machen ist die Message.

Musik

Zwei Stunden lang beschallen die Donots die Sauna der Halle D. Die Setlist legt vor allem den Augenmerk auf die letzten vier Alben. Die neuen, deutschen Songs wechseln sich mit den englischen Hits ab. Dabei ist jedes Lied ein neues Highlight und wird von den Fans gleichermaßen abgefeiert. Von den aktuellen Songs kommen vor allem "Junger Mann zum Mitleiden gesucht" und "Hier also weg" besonders gut an. Zum kurzen Punk-Song "Kaputt" stellt sich Sänger Ingo und ein "Kein Bock auf Nazis"-Freiwilliger in die Mitte eines großen Circle-Pits. Währenddessen bitten sie das Publikum, reichlich zu spenden. Die Fans rennen stürmisch zu den Spendeboxen. Auf anderen Konzerten der Tour wurden so schon ca. 600 Euro an einem Abend eingenommen. 

Natürlich dürfen auch alte Hits wie "Calling", "Dead Man Walking" oder "Stop The Clocks" nicht fehlen. Auch bei diesen wird eifrig mitgesungen und getanzt. In der Zugabe kommen die Langzeit-Fans auf ihre Kosten. In einem langen Medley spielen die Donots ihre richtig alten Songs wie "Whatever Happened To The 80's" und "Saccharine Smile". Auch das Twisted Sisters Cover "We're Not Gonna Take It" darf nicht fehlen. 

Sänger Info nimmt ein Bad im Publikum
 

Publikum

Die Leipziger Donots Fans erweisen sich als sehr tanzwütig. Vom volltättowierten Punk bis zum kleinen Mädchen von Nebenan ist alles dabei. Sänger Ingo sucht immer wieder den Kontakt zum Publikum und wird dabei im wahrsten Sinne des Wortes mehrmals auf den Händen getragen. Er besorgt dem neuen Sound-Mann einen Schnaps an der Bar, legt sich gemütlich auf Menschenarme und bewegt sich immer wieder in den Graben, um die Fans aus den vorderen Reihen mitsingen zu lassen. Dabei begegnet ihm das Leipziger Publikum mit viel Respekt. Als Gitarrist Guido mit Ingo den ersten Song der Zugabe ("Hansaring 2:10") vollkommen akustisch in der Menge spielen möchte, wird den beiden sofort Platz gemacht. Auch untereinander ist der Respekt sehr groß. Immer wieder fallen Leute im Moshpit auf den Boden und werden sofort wieder aufgehoben - so wie das üblich ist. Zum Abschieds-Song "So Long" liegen sich dann alle in den Armen.

Was in Erinnerung bleibt

Der Abend ist von vorne bis hinten ein voller Erfolg. Das Thema Paris wird nur angeschnitten und das ist letztendlich auch richtig so. Dadurch wird das Konzert ein bisschen weniger emotional als im Vorfeld vielleicht erwartet wurde. Andererseits bleibt eine Donots-Show ein Ort der Freude und der schönen Momente während Liedern wie zum Beispiel "Stop The Clocks". Das Quintett zeigt dabei erneut, wie unglaublich bodenständig und sympathisch sie sind. Der Spaß ist ihnen von vorne bis hinten anzusehen. Als das Publikum selbst nach "So Long" die Donots noch nicht gehen lassen will, berichten die vier Verbliebenden, dass sich Bassist Purgen gerade neben der Bühne übergibt. Nach zwei Stunden voller Energie, die der gute Mann mit Fieber auf der Bühne abgeliefert hat, ist das auch mehr als verständlich. Spaß haben bis zum "geht-nicht-mehr". Selten haben diese Worte es so gut getroffen.

 

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Till Bärwaldt
19.11.2015 - 19:22
  Kultur