Wochenmarkt Leipzig

Billig oder schmackhaft?

Jede Woche stapeln sich auf dem Wochenmarkt frisches Obst und Gemüse. Händler liefern sich einen erbitterten Konkurrenzkampf um den Preis – die Wassermelone gibt es ab einem Euro das Stück. Aber was kostet die im Einkauf und woher kommt sie?
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Schon im Kindesalter sollten Eltern ihre Kinder an Obst und Gemüse heranführen.

"Heute Eurotag, heute Eurotag", schallt es über den Marktplatz in Leipzig. Seit neun Uhr sind die Stände aufgebaut und erste Kunden schlendern zwischen der bunten Obst- und Gemüsepracht hindurch. Auch Blumen, Milch- und Fleischprodukte und Gewürze gehören zum Angebot. Vieles davon kommt aus Eigenproduktion, wie etwa auch das Obst, das Hannelore Hahn anbietet. Sie arbeitet an dem Stand einer Gärtnerei aus Zwenkau und ist bereits seit zwei Uhr nachts auf den Beinen. Denn was selbst nicht produziert werden kann, wird auf dem Großmarkt in Radefeld eingekauft. Heute sind das bei ihr etwa Möhren und Kürbisse.

Überschussware der Supermärkte

Die meisten Stände beziehen ihre Waren aus Radefeld. Dort werden auf 70.000 Quadratmetern die Dinge verkauft, die von den Supermärkten nicht mehr gebraucht werden. Deshalb bieten viele Händler auf dem Leipziger Markt die gleichen Produkte an: Chiquita-Bananen, Melonen von Edeka oder Aprikosen in Smiley-Verpackung. Der Konkurrenzdruck ist groß, gesteht Ute Bomgarten, die seit vielen Jahren ihren Lebensunterhalt auf dem Markt verdient. Wie viel sie erwirtschaften muss, verrät sie nicht. Aber es müsse schon eine ganze Menge zusammenkommen, um die Kosten wie Standgebühr, Löhne und viele andere Kosten decken zu können. Dennoch bietet sie die Melone für einen Euro das Stück an – und verdient dennoch, wie ihr Kollege erzählt. 40 Cent habe die Frucht am Morgen in Radefeld gekostet.

Aussortieren vor Ort

Hannelore Hahn bereiten die Billigpreise der Konkurrenz Sorge. Schließlich brauche es eine ganze Weile, bis etwa Himbeeren gepflückt seien. Bald kommt der Mindestlohn, der würde es noch schwieriger machen, berichtet ein Gärtner. Allerdings seien es meist keine Eigenerzeuger, die Obst und Gemüse zu Schleuderpreisen anbieten: "Das sind meistens Stände von unseren ausländischen Kollegen, die das Gemüse billig einkaufen, hier aussortieren und das dann billig verkaufen," so Hahn. Wenige Meter weiter steht der junge Händler Mac und preist seine Aprikosen an. Er öffnet einzelne Schalen und sortiert schimmlige Früchte aus. Was nicht mehr gut ist, landet hinter ihm in einem Pappkarton. Die meisten Kunden stören sich nicht daran und greifen trotzdem nach den Schalen - sie sind schließlich billig, so eine ältere Frau. Mac sagt gut gelaunt: "Wenn wir es billig bekommen, verkaufen wir es auch für gutes Geld. Aber es ist immer alles günstiger als im Laden."

Großmarkt oder regionaler Anbau?

Doch die Kunden auf dem Markt haben unterschiedliche Interessen. Die einen lassen sich von den billigen Preisen locken, die anderen meiden etwa die Wassermelonen von Edeka. "Wenn ich Melonen von Edeka will, kann ich in den Laden gehen, hier will ich regionale Produkte, eher aus dem Biobereich," sagt eine Passantin. Zudem ist oft unklar, woher denn eigentlich die Waren aus Radefeld ursprünglich kommen – nicht immer ist eine Postleitzahl auf den Kisten zu finden.

Eine Mango geschenkt

Gegen 17 Uhr neigt sich der Wochenmarkt dem Ende zu. Die meisten Stände haben sich deutlich geleert, hektisch werden die letzten schnell verderblichen Waren angeboten, meist Mangos, Pflaumen und Aprikosen. Manche Händler drücken noch einmal mächtig auf den Preis, gehen fast um 50 Prozent nach unten. Ute Bomgarten dagegen deutet auf ihre schwarze Biotonne. Was morgen nicht mehr auf dem nächsten Markt angeboten werden kann, landet dort. Ihre Begründung: "Verschenken geht halt nicht, weil geiz ist geil und die Mentalität macht den Markt ganz kaputt".

Ein Tag auf dem Wochenmarkt - ein Beitrag von Anna Vogel
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Der Wochenmarkt in Leipzig findet jeden Dienstag und Freitag zwischen 9.00 Uhr und 17 Uhr auf dem Marktplatz statt.