Maler der Leipziger Schule

Besuch bei Werner Tübke

Als einer der wichtigsten Künstler der DDR war Werner Tübke stilprägend für die "Leipziger Schule". Ein Besuch bei der Tübke-Stiftung in seinem einstigen Atelier zeichnet ein facettenreiches Bild des Grafikers und Malers.
Blick in das ehemalige Atelier Tübkes
Blick in das ehemalige Atelier Werner Tübkes

Unweit des Leipziger Zoos hatte Werner Tübke bis zu seinem Tod im Jahr 2004 im Dachgeschoss eines Altbaus sein Atelier. Heute hat dort die Werner-Tübke-Stiftung ein kleines Museum eingerichtet und präsentiert ausgesuchte Werke und Zeichnungen. Der Raum ist lichtdurchflutet, und sofort fällt der Blick auf ein unfertiges Bild.

Von den allerersten Bildern bis zur letzten Zeichnung

Christina Hecht führt Besucher durch die Ausstellung und erklärt, dass dies Tübkes letztes Bild gewesen sei. Die Figuren sind bereits vorgezeichnet, auch Himmel und graue Felsen lassen sich erkennen. Man bekommt den Eindruck, dass der Maler bald zurückkommen wird, um die Arbeit fortzuführen.

Interessanterweise sind aber auch einige Kinderbilder Tübkes zu sehen, die in ihrer Detailtreue bereits den Weg zum Schöpfer des monumentalen "Bad-Frankenhausen-Panoramas" weisen.

12 Jahre Arbeit, 1700 m²

Zwischen 1976 und 1987 arbeitete Tübke mit zwei Assistenten an diesem Bild. Es wurde in einem für diesen Zweck erbauten Rundhaus direkt auf die Wand gemalt und zeigt die Niederlage des Bauernheeres bei Bad Frankenhausen 1525. Obwohl ein Bild des 20. Jahrhunderts, erinnern die düstere Farbigkeit und die wimmelbildartige Manier eher an Hieronymos Bosch oder Pieter Brueghel.

Bezüge zu den Alten Meistern

Herrmann Löffler von der Stiftung erklärt, dass diese Bezugnahme Tübkes auf Maler der Vergangenheit ein Stilmerkmal Tübkes ist. Er habe sich als Teil der Kunstgeschichte in einer Tradition gesehen. Bereits auf sehr frühen Bildern habe Werner Tübke seine Initialen "TW" in einer Art geschrieben, welche an Albrecht Dürers "AD" erinnere. Die FAZ nannte ihn im Nachruf treffenderweise "einen Traumwandler auf der Zeitschiene". Werner Tübkes Art, sich in seiner Malerei auf die Alten Meister zu beziehen statt auf die Arbeiterklasse, hat im SED-Staat zu Spannungen geführt:

Er wurde auf eine Reise in die Sowjetunion geschickt, damit er sieht wie die Menschen da leben, an welche Bevölkerung er sich da eigentlich richten soll. Weil seine Kunst zu abgehoben, zu wenig mit der Lebensrealität der Menschen in Verbindung gewesen sei.

 

Christina Hecht

Verspielter Manierismus

Werner Tübke entwickelte aber trotzdem seinen eigenen Stil, den Christina Hecht und Herrmann Löffler als "verspielten Manierismus" bezeichnen. Die künstlerische Extravaganz und die altmeisterliche Perfektion machten Tübke zu einem auch über die Grenzen des Ostblocks hinaus international anerkannten Künstler.

mephisto 97.6-Redakteurin Lisa Albrecht hat Werner Tübkes Atelier besucht:

Ein Beitrag von Lisa Albrecht

Christina Hecht

Herrmann Löffler

 
 

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Werner Tübke wurde 1929 in Schönebeck an der Elbe geboren und studierte Ende der vierziger Jahre an der Leipziger Kunstakademie. Schon wenige Jahre später war er Assistent in der Lehre an der HGB, wurde aber entlassen und machte 1961 eine Studienreise in die Sowjetunion. Ab den 70er Jahren unternahm Tübke regelmäßig zahlreiche Reisen, u.a. nach Italien. In seinem letzten Lebensjahr gab er die Malerei auf und wendete sich konsequent der Zeichnung zu. Er starb 2004 in Leipzig.

 

Die Werner-Tübke-Stiftung in der Springerstraße 5 öffnet ihre Räume jeden Samstag zwischen 10 und 14 Uhr. Der Eintritt ist frei.