Musik-Highlights: KW 22

Berlin, Wien, Spanien

Die Grenzen sind wieder auf! Zumindest musikalisch: In den Musik-Highlights der Woche geht es diese Woche einmal rund um den Globus!
Unsere Musik-Highlights der Woche

Unser Album der Woche ist "Consummation" von der New Yorkerin Katie Von Schleicher. Die Rezension findet ihr hier.

Pauls Jets - "Highlights zum Einschlafen"

Album-VÖ: 29.05.2020

Es ist ein Jahr her, da haben Pauls Jets ihr Debütalbum „Alle Songs bisher“ veröffentlicht. Nach Release folgten Stunden im Proberaum und eine ausgiebige Tour im letzten Herbst. So grenzt es an ein Wunder, dass die Österreicher überhaupt Zeit hatten, vierzehn neue Songs einzuspielen. „Highlights zum Einschlafen“ heißt das neue Album und verbreitet eine wundervolle Stimmung irgendwo zwischen Kuscheldecke und Schneesturm. Diesen, an der Grenze zur Gemütlichkeit schwebenden Sound erreichen Pauls Jets durch Indie- und Synthpoptracks, verträumte Backingvocals, Piano und den ein oder anderen Einsatz von Bläsern.

Paul Buschnegg, Texter und Sänger von Pauls Jets, hat die zweite Platte als eine Art „Garten“ beschrieben, „in dem die Formen verschwimmen“.  Und tatsächlich will „Highlights zum Einschlafen“ weder klanglich noch textlich eine klare Linie vorgeben. Aus Reinhold Messners Tagebuch wird genauso zitiert, wie über die Liebe zum Trap gesungen. Zum Einschlafen ist das zweite Album von Pauls Jets definitiv nicht, wer es dennoch tut, träumt bestimmt von traurigen Rittern und rastlosem Meeresgetier.  
Und wenn alles gut geht, ist die Wiener Band am 30.09. im Noch Besser Leben zu Gast.

Marie Jainta

BHZ - "Kiezromantik"

Album-VÖ: 29.05.2020

„Alle meine Freunde stinken morgens schon nach Bier“. Mit dieser Hook landeten BHZ zusammen mit den 102 Boys den Hit „Bier“, der 2018 auf keiner Party fehlen durfte. Jetzt melden sich BHZ mit einem neuen Studioalbum zurück.

Mit „Kiezromantik“ veröffentlichen die sieben Berliner ihr nun drittes Album. Und nach dem Song „Bier“, ist es mehr als logisch, dass jetzt eine Hymne für den besten Schnaps der Welt folgt: Berliner Luft! Die Singleauskopplung „Flasche Luft“ kommt wieder mit einer fast schon mantraartigen Hook um die Ecke, die sich sofort im Kopf als Ohrwurm festsetzt. Und das zieht sich durch das ganze Album. Die Hooks sind durchweg eingängig und durch die immer abwechselnden Stile der einzelnen Rapper in den Strophen bleiben die Tracks trotzdem abwechslungsreich.

Wie der Albumtitel schon erahnen lässt, geht es auf der Platte um das Leben im Kiez. Und da gehört bei BHZ nicht nur der Alkohol, sondern auch der Konsum von anderen Drogen dazu. Doch die Jungs zeigen sich auch von ihrer entspannten und fast schon philosophischen Seite.

Keine teure Uhr, schenkt mir mehr Zeit
Keine dieser Scheine machen mich reich

BHZ im Track "Glück"

Bei den Beats sind sich BHZ treu geblieben. Das ganze Album wurde in Eigenregie von MotB und Sami produziert und gemastert. Der Sound ist sehr vielfältig und bewegt sich zwischen ballernde n Trapsongs, wie zum Beispiel „Regen prasselt“ und frisch klingenden Hi-Hat Beats, wie bei „Wedding Cake“.

Kurz gesagt: Das Album ist von vorne bis hinten super durchproduziert und der perfekte Soundtrack, um dann (hoffentlich) bald wieder mit seinen Freunden bei einer Flasche Luft und Bier im Kiez abzuhängen.

Emma Dressel

Rosalía & Travis Scott - "TKN"

Single-VÖ: 28.05.2020

Dass Rosalía und Travis Scott gut miteinander harmonieren, ist nichts Neues. Schon der Gastauftritt der Spanierin auf dem Remix des Travis-Scott-Hits „HIGHEST IN THE ROOM“ wertete den Song nochmals deutlich auf. Umso erfreulicher ist es, dass die beiden nun erstmals außerhalb eines Remixes kollaborieren.

„TKN“ scheint zwar mit gerade einmal zwei Minuten Laufzeit verhältnismäßig kurz, hat dafür aber viel zu bieten. Vor allem die experimentelle Songstruktur hat es in sich: immer wieder gibt es kleinere und größere Breakdowns, arhythmische Melodien und (am wichtigsten) einen unwiderstehlichen Reggaeton-Rhythmus. Rosalía liefert dabei ihren vielleicht besten und ausdrucksstärksten Rap-Part überhaupt ab, voller Attitüde und Selbstbewusstsein. Und wo Travis Scott draufsteht, gibt es das Prädikat „psychedelisch“ dazu: Sein übernatürlich anmutender Part gibt „TKN“ noch den notwendigen Edge.

Ein weiterer angenehmer Nebeneffekt ist die Tatsache, dass ein Travis-Scott-Feature für große Aufmerksamkeit in Amerika sorgt. Es besteht also die berechtigte Hoffnung, dass sowohl Rosalía als auch Neoperreo, ein experimentelles Subgenre des Reggaeton, in den USA ihre verdiente Anerkennung bekommen.

Scott Heinrichs

Howling - "Healing/Need You Now"

Single-VÖ: 26.05.2020

Frank Wiedemann und Ry Cumming sind ein ungleiches Paar: der eine ist ein in Karlsruhe geborener Musikproduzent und Elektro–Fan, der andere wuchs in einer australischen Surfer–Kommune auf und verdient sein Brot als Singer–Songwriter. Berlin führt die beiden zusammen — eine Stadt, die dem Australier nach wie vor zu kalt ist, aber musikalisch so einiges möglich macht. Ihre gemeinsame Band Howling besteht jetzt seit acht Jahren und hat die Mission, das zärtliche Songwriting eines Ry Cumming mit den ausgedehnten, feinen Beats Wiedemanns zu verbinden. Seit Dienstag gibt’s jetzt wieder musikalischen Zuwachs aus der Trickkiste der beiden: Mit „Healing / Need You Now“ veröffentlichen Howling die neue Doppelsingle ihres zweiten Albums „Colure“, welches für Ende Juli angekündigt ist.

Die neuen Tracks punkten durch kühle, aber reiche Klangwelten und lassen die Stärken ihrer Urheber an den richtigen Stellen zusammenfließen. Bis jetzt deutet alles darauf hin, dass wir von „Colure“ einiges erwarten dürfen.

Ariane Seidl

Genevieve Artadi - "Living Like I Know I'm Gonna Die"

Single-VÖ: 26.05.2020

Dass Musikkarrieren auf Youtube starten, ist spätestens seit Justin Bieber nichts Ungewöhnliches mehr. Dass man seinen Start aber nicht unbedingt mit seichter Teenie-Musik haben muss, beweist Genevieve Artadi. Als Teil des Duos KNOWER macht sie auf deren Kanal seit 2010 freakige Indietronica-Songs mit noch abgefahreneren Musikvideos und hat sich so ein treues Publikum erspielt. Mit einer Jazz-Funk-Band als Begleitung schafften es KNOWER sogar schon ins Vorprogramm der Red Hot Chili Peppers auf deren Europa-Tour.

Nun wagt Genevieve Artadi einen Schritt weg von den spaßigen Sounds ihrer Band. Ihr kommendes Solo-Album „Dizzy Strange Summer“ (VÖ 17.07.2020) erscheint erstmal beim angesagten Indie-Label Brainfeeder, welches von Electronica-Avantgardist Flying Lotus gegründet wurde. Die neue Platte wurde von Genevieve selbst produziert und soll ernster und persönlicher werden.

So ganz kann sich die Kalifornierin aber scheinbar nicht von ihren Youtube-Wurzeln verabschieden. Der Sound der ersten Single „Living Like I Know I’m Gonna Die“ ist vom Internet-Phänomen Vaporwave beeinflusst. Mit Hall-Effekten und blubberndem Bass hat der Song eine entspannt psychedelische Atmosphäre, perfekt für die nächste „Chill-Out“-Playliste.

Martin Pfingstl

BROCKHAMPTON - "baby bull" / "downside" / "I.F.L"

Single-VÖ: 23.05.2020

Gerade einmal ein knappes Jahr ist vergangen, seit der Veröffentlichung von BROCKHAMPTON‘s erfolgreichem fünftem Album „GINGER“. Seit einigen Wochen gibt es von der Gruppe nun wieder neue Musik - und zwar reichlich. Für alle Fans, die sich jetzt wundern, dass sie auf der Streaming-Plattform ihrer Wahl davon gar nichts mitbekommen haben: Wie das Hip-Hop Kollektiv ihre neuen Songs präsentiert, ist auch ein wenig unkonventionell.

BROCKHAMPTON nutzen die Zeit Zuhause, um in regelmäßigen, geheimen Twitch-Livestreams neue Songs zu veröffentlichen. Ganze sieben Titel haben im Rahmen des Projekts mit dem Namen „Technical Difficulties Radio“ schon das Licht der Musikwelt erblicken können, offiziell zu hören ausschließlich auf ihrem Youtube-Kanal und ihrer Website. Von langer Dauer war das allerdings nie, denn kurz nach der Veröffentlichung löschte die Gruppe die Songs auch schon wieder. Die ersten beiden Singles „N.S.T.“ und „things can’t stay the same“, wurden eine Woche nach ihrem Release Anfang Mai durch zwei weitere Tracks „M.O.B.“ und „twisted“ ersetzt.  Dieses Wochenende erschienen mit „I.F.L.“, „baby bull“ und „downside“ nicht nur zwei, sondern gleich drei Titel.

„baby bull“ erscheint ein wenig wie das Liebeskind von groovy melodischen BROCKHAMPTON-Hits wie „NO HALO“ oder „SUGAR“. „downside“ ist eine Kollaboration mit Ryan Beatty, mit dem die Gruppe schon des Öfteren zusammengearbeitet hat. Alle drei Titel klingen eindeutig nach BROCKHAMPTON und dabei doch ein wenig ungeschliffen. Das passt jedoch gut in den Kontext: roh, ohne viel PR, egal ob fertig gemixt oder nicht. Es geht vor allem um den Spaß an der Musik und darum, die Werke mit ihren Fans zu teilen.  

Schaut man sich den aktuellen Veröffentlichungszyklus an, dann scheint es als hätte die Gruppe musikalisch einen ganz schönen Lauf. BROCKHAMPTON zufolge sind bereits zwei neue Alben mehr oder weniger fertig. In ihrem Twitch-Stream erwähnten die Jungs auch, dass die aktuell releasten Songs auf keinem dieser beiden Alben zu finden sind, dennoch sollen sie wohl irgendwann auch offiziell veröffentlicht werden. Wann das sein wird und wie lange wöchentliche Releases zu erwarten sind, ist zwar noch unklar, trotzdem kann man sich auf eine ganze Menge Neues freuen und von Woche zu Woche gespannt bleiben.

Lina Kordes

 

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