Die Kolumne

Berge aus Müll

Die Kolumne. Immer freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Diesmal: Rebecca Kelber über Ekel, Hitze und echte Probleme.
Kolumne, Symbolbild, Redaktion
Was ist diese Woche passiert? Unsere Kolumnisten und Kolumnistinnen haben sogar Antworten, wenn sie gar nicht gefragt werden.

Die Kolumne zum Nachhören finden Sie hier:

Die Kolumne von Rebecca Kelber.
2007_Kolumne

Seit diesem Jahr habe ich ein anderes Bild vom Sommer. Ich denke nicht mehr an Reisen oder daran, am Cossi zu liegen. Meine erste Assoziation mit Sommer ist jetzt: Gestank.

Gestank?

Ja, Gestank. Seitdem es so heiß ist, kommt mir mindestens zweimal am Tag ein überwältigender Geruch in die Nase. Denn in unserem Innenhof stehen chronisch überfüllte Mülltonnen. Die riechen bei offenem Fenster bis in unsere Wohnung in den vierten Stock. Und dazwischen tummeln sich fett gewordene Ratten, die inzwischen fast zahm geworden sind.

Uäh!

Ja. Jedes Mal, wenn ich in unseren Hinterhof komme, frage ich mich, wie es wohl ist, im Sommer auf einer Müllhalde zu arbeiten. Ein Job, bei dem Gestank Alltag ist. Aber vielleicht findet man den dann auch einfach nicht mehr eklig. Ich frage mich ja, ob die Arbeit auf den illegalen Mülldeponien noch ekliger ist als an anderen Orten.  

Illegale Müllhalden?

Ja, da werden ohne Erlaubnis giftige Stoffe gelagert. Für die Gesundheit der Mitarbeitenden da ist das auf jeden Fall nicht gut, genauso wenig wie für die Umwelt. Das sächsische Umweltministerium sagt, dass es davon vierundzwanzig Stück gibt. Fünf davon sind in Leipzig. Die Leipziger Müllhalden sollen aber alle nicht umweltgefährdend sein. Dafür gibt es laut muellrausch.de im Erzgebirge einen neun Meter langen riesigen Müllberg. Da liegt auch jede Menge umweltgefährdender Müll. Die Regierung will aber nicht sagen, wo. 

Hä? Die Regierung sagt also: Hier, es gibt riesige gesundheitsgefährdende Müllberge, aber wir sagen euch mal nicht, wo, damit ihr euch keine Sorgen macht?

Nicht nur das. Die Regierung sagt auch nicht, wer diese Müllhalden betreibt. Und sie hat anscheinend nicht von allen Müllhalden erzählt. Der Grünen-Abgeordnete Volkmar Zschocke hat erzählt, dass er mit eigenen Augen noch mehr illegale Müllhalden gesehen habe. Und ihm andere Behörden auch von noch mehr erzählt hätten.

vorläufiges unbearbeitetes Kolumnenbild Rebecca

Also schützt die Regierung Unternehmen, die illegalen Müll sammeln und damit der Umwelt schaden?

Naja, es laufen Verfahren gegen sie. Aber bevor es da zu einem Urteil kommt, will die Regierung keine Namen nennen, um den Ruf der Unternehmen zu schützen. Auf jeden Fall halten sich SPD und CDU mit öffentlichen Äußerungen dazu zurück. Die sächsische CDU hat sowieso anscheinend andere Prioritäten: Sie hat sich jetzt Hilfe für den Landtagswahlkampf geholt: Und zwar Stefan Petzner. Der war der Pressesprecher vom früheren FPÖ-Chef Jörg Haider. Und ist anscheinend sehr gut in geschickten Anspielungen auf den Nationalsozialismus.  

Die sächsische CDU lässt sich von Rechtsradikalen beraten?

Naja, er selbst bezeichnet sich als Rechtsliberal. Aber mal schauen, wie sehr es dann im Wahlkampf um Geflüchtete geht. Scheint ja bisher auch keine Rolle zu spielen, dass seit Jahren immer weniger Geflüchteten nach Deutschland kommen. Ich hätte mal einen Rat an die CDU: Wie wäre es, mal die anderen Sorgen vieler Bürgerinnen und Bürger ernst zunehmen – und zum Beispiel bei riesigen illegalen Müllbergen durchzugreifen, durch die das Grundwasser verschmutzt wird.

 

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