4. Internationale Degrowth Konferenz

Bauwagenromantik als alternatives Wohnen

Im Bauwagen zur 4. Internationalen Degrowth-Konferenz für ökologische Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit. Die Bauwagensiedlung als luxuriöses Gegenmodell zur kapitalistischen Mietunterdrückung? Wohl nicht ganz.
Einer der Bauwagen von Degrowth.

Im Rahmen der 4. Internationalen Degrowth-Konferenz für ökologische Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit stellt die Leipziger Bauwagenszene ihre Ansätze zum alternativen Wohnen im urbanen Raum vor. Unweit hinter Gewandhaus und Moritzbastei haben Aktive des Leipziger Haus-Wagenratvereins einen Infowagen aufgestellt. Macht es der Bauwagen tatsächlich möglich, bei geringem materiellem Wohlstand luxuriös zu wohnen?

Selbstbestimmtes Wohnen auf Rädern

Vielen ist die Bauwagenromantik eines Peter Lustig durch die populäre Fernsehsendung Löwenzahn vertraut. Es sind die Geschichten eines etwas kauzigen Lebenskünstlers, der in Blaumann und Hornbrille Lösungen für die Probleme des alltäglichen Wohnens im Bauwagen ertüftelt. Alternative Wohnkonzepte sind in Zeiten steigender Mietpreise und Wohnungsnotstand gefragt. Seinen Wohnraum dennoch selbst zu bestimmen und nachhaltig zu gestalten, ist Hannes vom Infobauwagen wichtig.

Bauwagennotstand

Seit der Wende sind in Leipzig diverse Bauwagenplätze entstanden. Auf großen Brachflächen wie nahe des Jahrtausendfeldes in Plagwitz sind der Art Trailer Parks entstanden. Doch gestaltet es sich mittlerweile als immer schwieriger, überhaupt entsprechende Wagen zu finden. Der Traum von den eigenen vier Wänden in der Wohnwagensiedlung wird dadurch aber nicht minder attraktiv. Gemeinsam leben – frei von Regeln und Vorschriften – ist Utopie vieler Aussteiger. Diese Wohnvision wird aber erst durch das gemeinsame Wirtschaften real.

Wie eine zweite Haut

Wirtschaftliche und rechtliche Konventionen neu zu gestalten ist also Teil alternativen Wohnens in der Bauwagensiedlung. Angesichts Energieversorgung und Abwasserproblematik muss man aber doch zu Kompromissen bereit sein. Also doch nur das richtige Leben im falschen System? Der Bauwagen ist für seine Bewohner eine Art zweite Haut. Ein Schutzraum, in dem sie sich verwirklichen und selbstbestimmt wohnen können.

Ob diese zweite Haut als alternatives Wohnkonzept für eine breitere Masse an Menschen dienen kann, ist fraglich. Aber erinnern wir uns an Peter Lustig und seine begeisternden Ideen. So können auch Bauwagen und Bauwagenbewohner auf der Degrowth-Konferenz in Leipzig Inspiration spenden.

 

Ein Beitrag von Friedrich Opitz zu den Wagenplätzen.
Wagenleben
 

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Friedrich Opitz
04.09.2014 - 19:45