CD der Woche

Back to Green

Eenie Meenie Meenie – Marten Lacinys Alter Ego Marsimoto lädt zum vierten Mal zur Kiffer-Party auf seinen Heimatplaneten ein. Auf "Ring der Nebelungen" zeigt der Rostocker den Biss, der Materia sonst manchmal fehlt.
Marsimoto
Marteria mit Joint und grüner Maske = Marsimoto

Für die Produktion von „Ring der Nebelungen“ haben sich Marsimoto und Produzententeam einen netten Urlaub auf Jamaika gegönnt - wohin auch sonst, wenn es um eine neue Platte des Berufskiffers geht. Der ist inzwischen tatsächlich aus dem Schatten des Popstars Marteria herausgetreten und füllt ähnlich große Hallen. Ein Nebenprojekt war Marsimoto ohnehin nie: Mit „Ring der Nebelungen“ kommt der grüne Außerirdische inzwischen auf vier Alben, Marteria nur drei. Kein Wunder, kann Laciny als Marsimoto doch viel eher zeigen, welch genialer Texter er ist. Ins Pop-Korsett des Marteria gezwängt, fehlt häufig der Biss. Marsimoto-Platten hingegen sind allein durch die hochgepitchte Stimme schon kaum als Hintergrund-Berieselung geeignet.

An all die Nebelungen da draußen, tut mir leid, es ist vorbei. Man soll aufhör´n wenns am schönsten... – scheiß drauf, ich bin high!

So richtig tief gehende Texte sind bei einer Figur wie Marsimoto eigentlich nicht zu erwarten. Doch zumindest nutzt Laciny seine außerirdische Kunst-Figur dazu, auch mal politisch-gesellschaftliche Themen anzuschneiden. Denn wer könnte mehr Außenseiter sein, als ein dauerbreiter Marsmensch? Es geht gegen Nazis ("Zecken raus"), das politische System ("Anarchie") und spießige Kiffer ("Illegalize It"). Marsimoto rappt sich frech durch vielfältige Themen und punktet mit einer schieren Masse an Querverweisen und Wortspielen, die oft erst nach dem zehnten Durchlauf auffallen. Die wichtigsten Botschaften sind jedoch meist schnell herauszufiltern („Auf einmal kommt ein Mann, sieht aus wie Hulk, nur in Weiß, hat Axel-Springer-Stiefel an und ´nen Haarschnitt wie ´ne 1“).

Keiner meiner Jungs geht den Weg, den jeder geht. Alle meine Jungs geh´n den Weg, wo die Mädels stehen.

„Ring der Nebelungen“ braucht Kopfhörer oder vernünftige Boxen; anders sind die Beats nicht zu würdigen. Die sphärisch-düstere Untermalung aus 6 Produzenten-Federn dröhnt mit enormer Macht aus den Lautsprechern und wird den Standard für kommende Rap-Alben wohl ein ganzes Stück heraufsetzen. So ausgereift, vielfältig und gleichzeitig homogen klang noch keine Marteria- oder Marsimoto- Platte. Dabei half wohl auch die Jamaika-Auszeit: Dub und Reggae schwingen in jedem Track mit, dominieren aber nie.

Ein Album für Rap-Fans – nicht für die Charts

Mit „Ring der Nebelungen“ ist es Marten Laciny gelungen, seine schon sehr guten Vorgänger-Alben zu übertreffen und sich gleichzeitig deutlich weniger dem Mainstream anzubiedern. Nur wenige Nicht-Rapfans werden mit Marsimoto etwas anfangen können. Am Stück ist die Platte allein schon aufgrund der Helium-Stimme schwer zu ertragen. Wer sich aber darauf einlässt, wird mit dem Album sehr lange seine Freude haben.

 

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Javan Wenz
15.06.2015 - 18:57
  Kultur

Marsimoto: Ring der Nebelungen

Tracklist:

1 La Saga
2 Tijuana Flow
3 Anarchie*
4 An Der Tischtennisplatte
5 Meisterwerk
6 Illegalize It*
7 Ring Der Nebelungen
8 Green Pangea
9 7 Leben
10 Flywithme
11 Usain Bolt
12 Zecken Raus*
13 Trippin
14 Back 2 Green

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 12.06.2015
Four Music (Sony Music)