Konzertbericht

Authentische Botschafter

Der Jazzclub Leipzig, die Hochschule für Musik und Theater (HMT), die Neue Musik Leipzig und Pianofortefabrik Blüthner veranstalteten am 28. Januar eine musikalische Zeitreise. Im UT Connewitz konnte man diesen Flashback erleben.
Far East Suite
Musiker auf der Bühne des UT Connewitz

Hintergrund

In den 60er Jahren wurde das Programm „Jazz Ambassadors“ ins Leben gerufen. Ziel des Programms war es den kulturellen Austausch zu fördern. Hierzu tourten Jazzmusiker als „Botschafter“ durch die ganze Welt und spielten ihre Werke. Einer von diesen Musikern war einer der erfolgreichsten amerikanischen Jazzmusiker: Duke Ellington. Zusammen mit seinem Orchester reiste er in den Jahren 1963 und 1964 durch verschiedene Länder. Sie gaben Konzerte in Jordanien, Sri Lanka, Indien, Pakistan, Iran und Japan. Doch dort spielte Duke Ellington nicht nur sein Programm runter. Er ließ sich durch die aufregenden Erfahrungen inspirieren und komponierte nach seiner Reise ein Album – die Far East Suite. Das Album ist also durch kulturellen Austausch entstanden und somit ein Symbol für Toleranz und Offenheit. 

Erster Eindruck

Das alte Lichtspieltheater UT Connewitz bot die perfekte Atmosphäre für die geplante Zeitreise. Der Saal war komplett gefüllt. Viele Besucher haben keinen Platz mehr auf den Stühlen bekommen und haben sich auf den Boden gesetzt. Es gab ein buntgemischtes Publikum und viele Geflüchtete sind der Einladung der Veranstalter gefolgt - für sie war der Eintritt frei. Zu Beginn erklärte ein Orchestermitglied die Entstehungsgeschichte der Far East Suite. Die Ansage wurde danach auf Arabisch und Englisch vorgetragen. Jeder Gast hatte die Möglichkeit sich auf die Musik einzulassen.

Musik

Die Big Band der HMT war mit einer Rhythmusgruppe (Klavier, Bass, Schlagzeug und Gitarre), Holz- und Blechbläsern besetzt. In der ersten Hälfte wurde die Far East Suite am Stück gespielt. Insgesamt bewegte sich die Musik zwischen Jazz und Swing. Die kulturellen Inspirationen Ellingtons ließen sich gut im Klang wiedererkennen. So gab es beispielsweise beim Song „Tourist Point Of View“ ein verspieltes Saxophon-Solo, welches den aufgewühlten ersten Eindruck der neuen Kultur auf Ellington verdeutlicht. In „Bluebird of Delhi (Mynah)“ ist ein schrilles Klarinetten-Solo zu hören. Dies ist angelehnt an den Gesang eines Vogels, den Duke Ellington von einem Hotelzimmer in Delhi aus gehört hat. Es ließen sich viele solcher Details in der Far East Suite wiederfinden. Im zweiten Teil wurden Klassiker von Duke Ellington gespielt. Bekannt ist vor allem der Titel „Don't Mean A Thing“. Für Gesang sorgte die Sängerin Bianca Böhme. Unter der Leitung von Rolf von Nordenskjöld füllte die Big Band der HMT den gesamten Saal mit einem kräftigen Sound. Quietschende Trompeten, sanfte Piano-Passagen, knackige Trommelschläge und melodische Saxophone – ein vielfältiges Klangerlebnis, das gelungen umgesetzt wurde.

Was in Erinnerung bleibt 

Die Big Band der HMT ist authentisch und das macht ihre Auftritte reizvoll. Mal kommt die Posaune zu spät zum Mikrophon für das anstehende Solo oder der Saxophonist in der ersten Reihe gähnt mit großem Mund ins Publikum. Die eleganten Anzüge werden mit abgelaufenen Sportschuhen und bunten Wollsocken ergänzt. Die jungen Musiker der Big Band verstellen sich nicht und haben merklich Spaß auf der Bühne. Die Solisten werden nicht nur vom Publikum, sondern auch von ihren Mitmusikern mit einem Schmunzeln oder einem angedeuteten Klatschen belohnt. Der Enthusiasmus der Künstler ließ die meisten Besucher schnipsend und mit einem Lächeln aus dem UT Connewitz gehen. Dass einige der Geflüchteten nach der Pause schon gegangen sind, lag möglicherweise daran, dass die Ansage nach dem ersten Teil nur auf Deutsch erfolgte. Trotz alledem schafften es Künstler und Veranstalter ihren musikalischen Aufruf zu Toleranz und Offenheit zu vermitteln. Somit sind sie moderne „Jazz Ambassadors“ im eigenen Land.

 

 

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Theo Toppe
09.02.2016 - 14:07
  Kultur