Stadt teilen: Altlindenau

Aus braun mach grün

Es tut sich was in der Odermannstraße 8. Einst hatte der NPD-Kreisverband hier seine Zentrale - und die neuen Bewohner haben einiges vor mit dem ehemaligen rechten Anlaufpunkt. Was passiert mit dem Gebäude? Wie reagiert das Viertel?
Odermanns Garten (Foto: Charlotte Domberg)
Der noch unbepflanzte Odermanns Garten (Foto: Charlotte Domberg)

Das Grundstück der Odermannstraße 8 - kurz O8 - hat eine bewegte Geschichte: Seit 2008 hatte der Kreisverband der rechtsextremen NPD hier seinen wichtigsten Versammlungsort. Aufgrund des nicht nachlassenden linken Widerstands und einer fatalen finanziellen Entwicklung nach dem Ausscheiden der NPD aus dem Landtag erfolgte im September 2014 die Schließung. Heute entsteht an gleicher Stelle „Odermanns Garten“.

Wo früher die NPD ihre Wahlkämpfe plante, sollen heute Yoga-Kurse stattfinden. Die mephisto 97.6-Redakteure Jakob Winkler und Charlotte Domberg haben sich bei den neuen Bewohnern umgehört:

Odermanns Garten - ein Bericht von Jakob Winkler und Charlotte Domberg

Charlotte Domberg, Jakob Winkler

Odermanns Garten

Von außen sieht das Areal zwar noch immer verlassen aus. Allerdings sind die meterhohe Metallwand und der Großteil des Maschendrahts verschwunden. Viele Flächen sind mit Graffiti besprüht. Im Inneren wirkt es bereits wohnlich. Es gibt ein Bad, eine Küche und zwei Wohnräume. Auf dem Dach kann man sich bei gutem Wetter in der Sonne ausruhen.

Dies ist vor allem ein Verdienst von Loreen Golze und Devon Miles. Ein Freund hatte ihnen angeboten, aus dem Gebäude etwas zu machen. Beide wohnen hier nun und sind seit einigen Monaten mit Renovierungsarbeiten beschäftigt. Denn hier war es natürlich nicht immer so gemütlich.

„An der Tapete waren Hakenkreuze, am Türrahmen prangte ‚Reichsreiniger‘.“

Loreen Golze, "Odermanns Garten"​

Um die letzten bösen Geister zu vertreiben, wollen die Bewohner den Ort zu neuem Leben erwecken. Die Dächer sollen bepflanzt werden, im Veranstaltungsraum sollen nach Möglichkeit Workshops (Yoga, Breakdance) und andere Events stattfinden. Es geht den beiden nicht nur um äußerliche Veränderungen.

„Wir wollen an erster Stelle eine andere Einstellung und ein neues Sein - fernab von der NPD.“

Devon Miles, "Odermanns Garten"

Der Auszug der NPD hat die Stimmung im Viertel verändert. Nur ein paar Häuser weiter eröffnete im vergangenen Jahr der linksorientierte politische Projektladen „Interim“. Dort werden regelmäßig Filmabende und Seminare organisiert. Steffen Juhran engagiert sich hier und attestiert Lindenau einen positiven Wandel.

„Man hat gemerkt, dass die ganze Gegend aufgeatmet hat. Früher standen am Lindenauer Markt öfter mal vier, fünf Faschos und haben ihre Lieder gesungen.“

Steffen Juhran​, Projektladen "Interim"​​

Hitlergrüße und Nazis gehören inzwischen nicht mehr zum Alltag des Stadtteils, denn Initiativen wie „Odermanns Garten“ beleben ihn. Einen Makel hat das Projekt dennoch: Der Eigentümer des Objekts ist auch jetzt noch derselbe wie zu Zeiten der Nutzung durch die NPD.

„Es gibt Leute, die fühlen sich kacke dabei, diesen Ort jetzt zu besuchen, seit sie wissen, wer der Eigentümer ist.“

Steffen Juhran​, Projektladen "Interim"​

Trotzdem ist noch offen, ob Loreen Golze und Devon Miles das Objekt irgendwann erwerben werden. Im Moment können sie die gewünschte Unabhängigkeit aus finanziellen Gründen noch nicht anvisieren.

 

 

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Im September 2014 wurde bekannt, dass die NPD die Räume verlässt:

"Die rechtsextreme NPD gibt ihr Parteibüro in Lindenau auf. Das bestätigte ein Sprecher der Partei gegenüber mephisto 97.6. Zukünftig werde es auch keinen zentralen Standort mehr geben. Am Vormittag hatte die Partei die letzten Arbeiten am Gebäude beendet. Es solle nun wieder an den Vermieter übergeben werden. Gegen das Büro in der Odermannstraße hatte es immer wieder Protestaktionen gegeben."

- mephisto 97.6-News 09.September 2014

Über weitere Hintergründe und Stimmen zur Schließung berichtete damals unser Nachrichtenmagazin direkt