Gespräche auf dem Roten Sofa

Aufgeriebene Welt

Thomas von Steinaecker entführt die Leser in seinem Roman "Die Verteidigung des Paradieses" in eine zerstörte Welt, die wir noch nicht kennen. Wir haben ihn gefragt, wie wahrscheinlich diese Zukunft ist.
Thomas von Steinaecker im Gespräch
Thomas von Steinaecker erzählt Moderatorin Anna Vogel von seinem dystopischen Roman "Die Verteidigung des Paradieses".

Bisher hatte sich Thomas von Steinaecker eigentlich an Jahreszahlen gehalten, die schon in Geschichtsbüchern oder Zeitungen stehen, wenn auch mit seltsamen Momenten. Doch davon wollte er etwas loskommen. Also ist er in "Die Verteidigung des Paradieses" einfach weiter vor gegangen: in die Zukunft.

Beschützte Welten, zerstörte Welten

Zu Beginn wirkt wirklich alles sehr idyllisch. Das Gras ist Grün, Kühe weiden dort und immer scheint die Sonne. Die Gesellschaft lebt unter Kuppeln, die das Wetter kontrollieren und sie vor dem Unheil wie Strahlung und wildgewordenen Drohnen beschützen. Es ist das Leben einer frühen Bauernfamilie auf der Alm. Der Leser lernt diese Welt aus den Augen des Klons Heinz kennen, der bald den Auftrag erhält, eine Chronik zu führen.

Eine mutierte Sprache

Heinz erzählt also von seinem Leben, das nach und nach wieder auseinanderfällt. Die Sprache dafür verändert sich stark. Nach dem Zusammenbruch der Zivilisation rückte ihre Bewahrung in den Hintergrund. Deswegen ist die Sprache von Heinz durchsetzt mit Anglizismen und Verweisen auf Wörter, die er sich mühevoll angeeignet hat. So versucht sich von Steinaecker unbedarft dieser Welt zu nähren.

Neue Welt, alte Probleme

Man könnte beinahe von seismographischen Gespür sprechen: denn neben alten Fragen von Energieversorgung und dem Verhältnis von Mensch, Technologie und Natur greift von Steinaecker ein höchst aktuelles Thema auf: Seine Figuren müssen fliehen. Nachdem sie sich Jahre lang unter ihrer Kuppel versteckt hatten, müssen sie nun weiterziehen, Unwägnissen begegnen und in Camps auf eine Chance hoffen.

So ist von Steinaecker ein spannender Roman mit Sci-Fi-Einschlägen gelungen. Der Blick in die Zukunft ist wie bei guten Dystopien immer, konsequent aus der Gegenwart gedacht. Teilweise wirkt der Roman allerdings etwas unauthentisch, da sich bei Heinz zwar eine vielleicht sogar verkümmerte Sprache andeutet, die am Ende jedoch sehr nach dem Autoren klingt. Auch die Ausmaße des Romans wirken in Zeiten verlorener Papierproduktion etwas unrealistisch und ein wenig mehr Tempo hätte dem Jungen bestimmt nicht geschadet. Dennoch bleibt der Roman spannend, denn was für "Die Verteidigung des Paradieses" am besten ist (die Bewahrung von Erinnerung, Abschottung, Aufrechthaltung der Gemeinschaft) bleibt unklar.

Thomas von Steinaecker im Gespräch mit Moderatorin Anna Fischer auf dem Roten Sofa.
Thomas von Steinaecker im Gespräch

 

 

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Thomas von Steinaecker, geboren 1977 in Traunstein, ist Schriftsteller, TV-Regisseur und Journalist. Sein vierter Roman "Das Jahr, in dem ich aufhörte, mir Sorgen zu machen, und anfing zu träumen" wurde 2012 für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert.

"Die Verteidigung des Paradieses" ist im S. Fischer Verlag erschienen und kostet 24,99 Euro.