Wahlprogramme auf dem Prüfstand

Auf Konfrontationskurs: Die Linke

Bis zu 150 Seiten haben die Wahlprogramme mancher Parteien für die sächsische Landtagswahl. Grund genug für mephisto 97.6, die Politiker einmal zu testen: Wissen sie, was in ihrem Wahlprogramm steht? Und wie stehen sie zu den Aussagen der anderen?
Skadi Jennicke von der Linkspartei kann nur eines von vier Zitaten richtig zuordnen.

In der jetzigen Legislaturperiode ist Die Linke mit 29 Mitgliedern im sächsischen Landtag vertreten. Damit ist die Partei die zweitstärkste Kraft nach der CDU. Für die Linken stehen in der kommenden Legislaturperiode vor allem die Bildung und bessere Löhne auf dem Programm. Der Spitzenkandidat der Linken heißt Rico Gebhardt, er steht auf der Landesliste auf Platz 1.

mephisto 97.6-Redakteurin Jane Schmidt hat mit einer Linken-Kandidatin aus Leipzig gesprochen: Skadi Jennicke. Das Gespräch drehte sich unter anderem um den Mindestlohn und offenbarte die eine oder andere Überraschung aus den Wahlprogrammen der konkurrienden Parteien.

Aus dem Wahlprogramm der CDU: Tarifautonomie

Skadi Jennicke wirkt ruhig und zuversichtlich und kann das erste Zitat tatsächlich korrekt zuordnen:

„Die Tarifautonomie hat sich bewährt. Es ist Aufgabe der Tarifpartner, für attraktive Löhne entsprechend des wirtschaftlichen Erfolges zu sorgen. Es ist nicht Aufgabe der Politik, erprobte Verhandlungsstrukturen zu ersetzen. Wir vertrauen auf die Kompetenz der Tarifpartner in den jeweiligen Branchen.“

„Das stammt mit Sicherheit nicht von der Linken! Vielleicht eher von der CDU“, vermutet Jennicke und liegt damit völlig richtig. Beim nächsten Zitat läuft es dann aber schon nicht mehr ganz so gut ...

Aus dem Wahlprogramm der SPD: Sicherheitspolitik

„Eine Sicherheitspolitik, bei der die Stellenausstattung allein von haushaltspolitischen Sparvorgaben diktiert wird, anstatt sich am tatsächlichen Bedarf und Aufgabenanfall zu orientieren, lehnen wir entschieden ab.“

Jennicke glaubt, dieser Auszug könne durchaus aus dem Wahlprogramm der Linken stammen – tatsächlich ist er aber dem der SPD entnommen. Unterstützen tut sie die Forderungen aber trotzdem.

Interessant ist auch die Reaktion auf das dritte Statement.

Aus dem Wahlprogramm der Linken: Ausbildung von Erziehern

„Noch immer findet die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern überwiegend auf Fachschulniveau statt, obwohl auch und gerade diese Berufe hohe Anforderungen stellen. Erzieherinnen und Erzieher wollen wir ebenfalls an Hochschulen und nicht länger an Fachschulen ausbilden.“

Das steht so im Wahlprogramm der Linken. Doch Jennicke tippt auch diesmal falsch und schreibt es den Grünen zu. Hat da etwa jemand sein eigenes Wahlprogramm nicht gelesen?

Aus dem Wahlprogramm der CDU: Männerarbeit

Erstaunt und fast ein wenig schockiert zeigt sich Skadi Jennicke bei der Auflösung des letzten Zitats:

„Wir unterstützen die Schaffung einer Landesstelle für Männerarbeit in Sachsen. Insbesondere die Schwerpunkte Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Vaterarbeit und Männergesundheit benötigen Aufmerksamkeit.“

Das stammt nun aber wirklich von der Linken, glaubt Jennicke. Oder wenigstens von den Grünen. Doch falsch: Diese Aussage kommt erneut direkt aus dem Wahlprogramm der CDU. Jennicke ist sichtlich verblüfft, hält diesen Ansatz für zu „emanzipatorisch“ für die Union und vermutet, dass die es vielleicht gar nicht so gemeint hat. "Kann ja sein."

Auf Konfrontationskurs: Jane Schmidt im Gespräch mit Skadi Jennicke von der Linken
Auf Konfrontationskurs: Jane Schmidt im Gespräch mit Skadi Jennicke von der Linken

Die Linken in drei Minuten:

Kandidatin Skadi Jennicke hatte drei Minuten Zeit, zu erklären, was ihre Partei eigentlich ausmacht, was ihr besonders wichtig ist und welche Besonderheiten die Landtagswahl mit sich bringt.

Skadi Jennicke von den Linken im Interview.
Skadi Jennicke
 

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Skadi Jennicke wurde 1978 in Leipzig geboren. Sie studierte Dramaturgie an der Hochschule für Musik und Theater "Felix Mendelssohn Bartholdy" und arbeitete danach sowohl in den neuen als auch in den alten Bundesländern an verschiedenen Theatern.

Seit 2009 sitzt Jennicke im Leipziger Stadtrat und ist dort stellvertretende Vorsitzende der Linken-Fraktion. Für sie wäre der Einzug in den sächsischen Landtag eine Premiere.

Skadi Jennicke kandidiert für den Wahlkreis 31 - Leipzig 5 (Leipzig-Mitte und Reudnitz).

 

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