Lachen

Auf die explosiven Konsonanten ausatmen

"Lachen ist gesund", sagt man. Allerdings ist die Redewendung "Ich lach' mich tot" fast noch gebräuchlicher. Was denn nun? Wir haben uns zu den positiven und negativen Aspekten des Phänomens Lachen umgehört.
lachen
Lachen ist gesund - wenn einem nicht danach ist, muss man sich eben anders zu helfen wissen

Jeder kennt wohl eine solche Situation: Ein Freund macht eine komische Bemerkung oder ihm geschieht ein Missgeschick – jemand fängt an zu lachen. Bald lacht eine ganze Gruppe von Menschen und kann kaum noch aufhören. Selbst, wenn der Anlass der Belustigung längst vergessen ist. Lachen ist nunmal ansteckend.

Lachyoga für die Gesundheit

Was Lehrer im Unterricht als störend empfinden, ist in anderen Situationen ein großer Vorteil. Antje Hellriegel praktiziert seit zwölft Jahren Lachyoga. Wenn sie Lachyoga-Gruppen leitet, nutzt sie nicht zuletzt die beim Lachen entstehende Gruppendynamik. Natürlich kommt diese Dynamik nicht von jetzt auf gleich zustande. Genauso wenig kann man erwarten, dass eine Gruppe Erwachsener von einem Moment auf den anderen in Gelächter ausbricht. Eine Lachyoga-Stunde beginne deshalb nicht gleich mit Lachen, sondern mit Bewegung, erklärt Antje Hellriegel. So würden die Teilnehmer aufeinander eingestimmt und erste Hemmungen abgebaut. Danach folgen verschiedene Übungen, die auf den ersten Blick komisch oder lächerlich wirken können und allein dadurch schon zum Lachen anregen. Eine große Rolle würden ebenfalls Atemübungen spielen, so die Diplom-Ingenieurin. Im Fokus steht beim Lachyoga der heilsame Effekt des Lachens. Dass Lachen sowohl förderlich für die physische als auch die geistige Gesundheit sei, habe Antje Hellriegel selbst erlebt und beobachte es immer wieder an anderen Lachyoga-Begeisterten. Ein weiterer schöner Effekt: Wer gemeinsam mit anderen Menschen lache, sie bei Lachyoga-Übungen bewusst wahrnehme und mit ihnen kommuniziere, lerne Andere wertzuschätzen. 

Lachen für die Gefühle

Auch Matthias Schirmer ist sich bewusst, dass spielerische Übungen eine Form der Kommunikation seien und therapeutisch wirken können. Er ist Vorstandsmitglied des Vereins "Leipziger Nasenclowns". Entgegen einer gängigen Meinung haben Clowns nicht nur die Aufgabe, andere Menschen zu amüsieren. Den Leipziger Nasen geht es eher darum, eine ganze Bandbreite von Gefühlen erlebbar zu machen. In Workshops werden Kinder und Jugendliche von den Clowns angeleitet, ihre eigenen Gefühle bewusster wahrzunehmen und zu deuten. Warum das so wichtig ist, begründet Matthias Schirmer:

"Pädagogen, Eltern und sonstige Menschen, die mit Kindern zu tun haben, beklagen ja auch beispielsweise Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern, sonstige Störungen, und uns ist es in der Arbeit mit Kindern insbesondere wichtig, dass sie die Gefühle, die sie haben, benennen können. Also diese Differenzierung von Gefühlen, damit sie später auch mit den Gefühlen umgehen können." 

Der Verein arbeit außerdem mit Senioren. Gerade Demenzkranke versuchen die Nasenclowns durch Lieder und Erzählungen an ihr früheres Leben zu erinnern. 

Lachen als Konfliktlöser

Lachen und das, was damit in Zusammenhang steht, tun also Körper und Geist gut. Insofern scheint der Spruch "Lachen ist gesund" durchaus Recht zu haben. Trotzdem war Gelächter nicht immer positiv konnotiert. Jahrhundertelang war es regelrecht verpönt, wurde als unanständig angesehen. Obwohl wir heutzutage wieder eine weitaus positivere Einstellung zu diesem Ausdruck von Freude und Belustigung haben, freuen auch wir uns nicht immer über Gelächter. Besonders nicht, wenn es hinter unserem Rücken geschieht. Katrin Hansmeier, Trainerin am Humorinstitut in Leipzig, weiß um die sozialen Funktionen von Lachen. Einerseits wirke Lachen natürlich einladend und baue Vertrauen auf, andererseits könne man dadurch Menschen ausschließen oder Distanz zu ihnen einnehmen. Konflikte würden so leicht eskalieren.

Katrin Hansmeiers Aufgabe als Trainerin besteht hingegen eher darin, Schülern, Ärzten und Firmenmitgliedern beizubringen, wie man Situationen durch Humor abmildern kann. Teilnehmer ihrer Workshops lernen, entspannter auf Stress zu reagieren und Fehlern mit einem Augenzwinkern zu begegnen. "Humor sagt: Hurra, ein Problem! Mal sehen, was ich daraus machen kann", verdeutlicht Katrin Hansmeier. Humor heiße beispielsweise, Tatsachen absichtlich falsch zu deuten und auf unerwartete Weise auf seine Umwelt zu reagieren. In Analogie dazu würden auch im Arbeitsalltag die kreativsten Ideen aus Missgeschicken geboren. Humor dürfe man allerdings nicht mit Lachen verwechseln. Denn Humor könne auch nur ein Schmunzeln hervorrufen, Lachen sei manchmal einfach nur ein Reflex.      

Erster Teil des Beitrags zu Thema Lachen von Franziska Sandkühler

Antje Hellriegel

Matthias Schirmer

 
Zweiter Teil des Beitrags zu Thema Lachen von Franziska Sandkühler

Katrin Hansmeier

 

 

 

Kommentieren

Franziska Sandkühler
23.10.2014 - 19:13
  Wissen