CD der Woche

Auf den Schwingen von Riesen

Das neue Album von The Tallest Man On Earth heißt „Dark Bird Is Home“. Zuhause ist Kristian Matssons in der Weite der schwedischen Wälder. Das hört man auch.
Zeit für neue Orientierung: Kristian Matsson ist The Tallest Man On Earth.
Zeit für neue Orientierung: Kristian Matsson ist The Tallest Man On Earth.

Große Namen sind manchmal schwer loszuwerden. Seitdem Kristian Matsson alleine Musik macht, wird er mit Bob Dylan verglichen. Seine eindringliche Stimme, nur begleitet von einer Akustikgitarre drängt die Vergleiche zur Folk-Legende gerade zu auf. Davon hält The Tallest Man On Earth, wie sich der Schwede nennt, allerdings wenig. Schon beim letzten Album unterstellten Journalisten, Matsson würde jetzt seinen großen musikalischen Sprung machen. Sich wie sein Vorbild in den 1960ern hin zum Bandsound entwickeln. Dylan goes electric. Aber Matsson will auf keinen Fall kopieren. Die Einflüße für "Dark Bird Is Home" kommen aus einer ganz anderen Richtung. Bon Iver zählt da eher zu den Inspirationen. Der ist bekannt für seinen flächigen, elegischen Sound. Das findet sich auch bei The Tallest Man On Earth.

Melancholie im Chor

Schon der Opener „Fields Of Our Home“ tauscht die Gewichtung. Fast schon übermächtig schwebt die Stimme von Kristian Matsson über einer zaghaften Gitarre. Wo früher noch Stimme und Gitarre schnell zusammen aufgenommen wurden, zeigt sich hier schon eine komplexere Produktion. Matsson hat zwar wieder auf seinen Reisen aufgenommen, jetzt aber eher in Scheunen und Studios, und nicht in Küchen. Hier ist schon alles dabei, was das Album ausmacht. Eine geheimnisvolle Weite, Chöre und Streicher. Der zweite Titel "Darkness Of Dreams" setzt diesen Weg konsequent fort und wird zum Gospel-Song, Chöre inklusive. Statt einsamer Melancholie wird hier eine Messe der "broken believers" gefeiert.

Flöten am Ende der Welt

Trotzdem finden sich auch Stücke mit dem bewährten Erfolgsrezept von Tallest Man. "Singers" wirkt wieder ganz reduziert. Auch wenn sich eine Oboe verschämt in den Refrain schleicht. "I guess we are always in destruction o f the little things we learned" singt Matsson. Und hier wird vor allem die Erwartung zerstört, das musikalische Entwicklung immer Stillstand bedeutet. Ein bisschen fühlt sich der Hörer an den großartigen Folkpop der siebziger Jahre erinnert, wie Fleetwood Mac.

Wer zum ersten Mal "Sagres" hört, muss sich entscheiden ob Flöten und Trommeln und ein Tambourin mit der Idee des einsamen Folksängers zusammenpassen. Dabei ist der Text viel nachdenklicher als die Musik. Da passt auch das Bild vom Ende der Welt im Text, dass die portugiesische Stadt Sagres mit ihren Steilklippen repräsentiert.

Landschaften spielen eine große Rolle für die Musik von Tallest Man On Earth. Im Promo-Video zum Album streicht er durch die Wälder seiner Heimat Dalarna im Herzen Schwedens. Ein perfektes Setting für Lieder von Sehnsucht, Liebe, Einsamkeit.

Ein ähnliches Gefühl stellt sich ein bei "Little Nowhere Towns". Das ist die obligatorische Piano-Ballade des Albums. Diesmal natürlich auch mit Chor. Der Ausflug durch die Weite des Folkpop findet seinen Schlusspunkt im Titelstück des Albums. Auch hier stehen Gitarre und Stimme am Anfang. „This is Not The End / I thought  this would last for a million years / but I need to go“,  singt Kristian Matsson. Lethargie ist der große Feind. Der dunkle Vogel ist also keineswegs zu Hause. Sondern eher der Bote, dass die große Reise erst begonnen hat.

Fazit

Mit "Dark Bird Is Home“ legt The Tallest Man On Earth ein astreines Pop-Album hin. Das orchestrale Gewand steht den Songs sehr gut. Auch wenn sich manche Fans sicher den rohen ungeschliffenen Sound der frühen Alben zurückwünschen, scheint es als wäre Kristian Matsson klanglich angekommen. Trotzdem wirken die leicht-beschwingten Songs manchmal ein bisschen zu luftig für die melancholischen Texte. Aber das ist auch der Trost für die Zuhörer: "This Is Not the end / This is fine."

 

 

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The Tallest Man On Earth: Dark Bird Is Home

Tracklist:

1 Fields of Our Home
2 Darkness of the Dream*
3 Singers
4 Slow Dance
5 Little Nowhere Towns
6 Sagres*
7 Timothy
8 Beginners
9 Seventeen
10 Dark Bird Is Home*

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 12.05.2015
Dead Oceans (Cargo Records)