Leipzigs Geschichte und seine Stadtteile

Auf Burg Hypezig

Leipzig ist mehr als sein Zentrum, Shopping und zu viele Glasfassaden. Auch die unbekannten Ecken sind etwas Besonderes, so manche hat ihre eigene Geschichte und zwischen Ausbauhäusern, Parks und Hinterhöfen gibt es eine Menge zu entdecken...
Die Ersterwähnung Leipzigs jährt sich zum 1000. Mal.

„Wir sind das Volk!“ tönt es seit bald sechs Wochen jeden Montag aus dem Zentrum Leipzigs. Die fremdenfeindlichen Gruppierungen und ihre Gegner besetzen das Stadtzentrum, blockieren Wege und treiben Ladenbesitzern und Gastronomen jedes Mal Schweißperlen auf die Stirn, wenn wieder ein Gast lieber auf rassistische Parolen als Beilage zum Zanderfilet verzichten möchte.

Legida nutzt gezielt diese aufgeladenen Slogans, weil sie ein historisch wertvolles Kapitel Leipzigs wieder aufleben lassen und die damit assoziierten Gefühle wieder hervorrufen wollen. Nur vergessen sie dabei, dass Leipzig nie ein Ort für Verschlossenheit und Abschottung war, sondern sich immer wieder der Welt öffnete und dadurch erst zu der Weltstadt wurde, die sie heute ist.

Am Anfang war die Burg

Dieses Jahr feiert sie, die das erste Mal im Jahr 1015 als urbs libzi in Dokumenten auftaucht, ihr 850-jähriges Bestehen. Als kleine Burg beginnend, wird Leipzig 1165 von Otto von Meißen das Stadt- und Marktrecht verliehen. Keine 250 Jahre später, genau 1409, wird die Universität gegründet und legt einen der Grundsteine für Leipzig als kulturelle Blütestadt, die Persönlichkeiten wie Leibniz, Lessing oder Goethe anlockte und bis heute nichts von ihrer Anziehungskraft verloren hat.

Auch musikalisch zeigt sich Leipzig schon seit seinen Anfängen präsent. Bevor Bands wie Schwarzkaffee und Two Wooden Stones die Bühnen beherrschten, waren allen voran das Gewandhaus und der Thomanerchor die Aushängeschilder der Stadt und sind es bis heute geblieben. Dazu kommen Diskotheken und Szenelokals wie die Moritzbastei, deren Geschichte bis 1551 zurückgeht und schon abstinente Promis wie Britney Spears zu sündigem Alkohol verführte.

Wo das Leben pulsiert

Heute ist der Süden Leipzigs in fester roter Hand, auch wenn Volkmarsdorf Connewitz mit seinen Ausbauhäusern, Volksküchen und dem Trailerpark am Torgauer Platz langsam seinen Ruf streitig macht. Das mag auch daran liegen, dass der Osten deutlich günstiger für Studenten ist und so viel mehr Raum für kreative und alternative Lebensstile lässt.

Außerdem ist Reudnitz gleich nebenan. Im Sommer zieht es hier Scharen von Studenten hin, die auf der grünen Meile, dem Lene-Voigt Park, grillen, Freiluftpartys und Spontankonzerte abhalten und das ganze Viertel mit guter Laune infizieren. Da schaut man gerne über die Tatsache hinweg, dass der ganze Stadtteil öfter auch nach Malzbier riecht, wenn Sternburg wieder in die Vollen geht. Manchen mag vielleicht genau das reizen.

Allgemein hat jeder Stadtteil etwas Besonderes und spiegelt die Vielfalt wieder, die Leipzig so auszeichnet und die es so lebendig macht. Einen Spaziergang über die Karli machen, den Friedhof hinter dem Völkerschlachtdenkmal erkunden oder einen Döner auf der "gefährlichsten Straße Deutschlands", der Eisenbahnstraße, verspeisen: Leipzigs Stadtteile sind seine verschiedenen Gesichter, denen der Betrachter tief in die Augen schauen sollte.

 

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Martin Wittner
27.02.2015 - 09:44
  Kultur