25 Jahre Friedliche Revolution

Nichts war unmöglich…

10.000 Kilometer weit ist ein Paar von der DDR aus – über Russland und die Mongolei bis nach China. In Peking trennen sich ihre Wege: Der eine reist nach Westdeutschland, die andere kehrt in die DDR zurück. Jetzt erzählen sie ihre Geschichte.
verbotene Reise
Cover des Buches "Die verbotene Reise"

Fast 25 Jahre lang lagen die Fotos, die Jens Kießling und Marion Mentel auf ihrer Reise gemacht hatten, verborgen in einer Kiste. Ausgepackt wurden sie erst bei den Recherchen von Peter Wensierski. Der Spiegel-Autor hatte von der Geschichte der beiden Studenten Ende der 80er Jahre gehört und die Protagonisten besucht. Aus den Gesprächen entstanden ist das Buch "Die verbotene Reise – Die Geschichte einer abenteuerlichen Flucht", das laut Wensierski eine Mischung aus Liebesgeschichte, Abenteuer und Zeitgeschichte der DDR in den 80er Jahren ist.

Ungewiss, aber abenteuerlich

1987 bricht das Paar, das bis dahin in Berlin Prenzlauer Berg gewohnt hat, zu einer ungewissen Reise auf. Drei bis vier Monate Vorbereitungszeit sind nötig, Jens fälscht eine Einladung und erhält daraufhin Visa für Russland und die Mongolei. Für ihn ist es ein Ausbruch aus den Zwängen der DDR, kurz zuvor ist er exmatrikuliert worden und es gibt nicht mehr viel, was ihn in Ostberlin hält. Trotzdem erstaunt den Journalisten Peter Wensierski die Tatsache, wie weit die beiden gekommen sind. "Das war ja absolut verboten, es war schon verboten, ins direkte Ausland zu fahren. Man konnte nicht einfach als Student nach Russland fahren."

Insgesamt 10.000 Kilometer legen die beiden zurück, bis sie über Russland und die Mongolei nach China kommen. Die Freiheit steht dabei im Vordergrund – einfach ausprobieren und sich von spontanen Gelegenheiten treiben lassen. Meist trampen die beiden, gehen zu Fuß oder fliegen auch einzelne Strecken. Marion betont, wie wichtig es ihr war, etwas von der Reise mitnehmen zu können, "was ich mir so in der DDR nicht vorstellen konnte". Das findet sie vor allem in der Mongolei, deren Nomadentum und einfache Lebensweise sie zu schätzen lernt: "Das hat mich alles unglaublich beeindruckt." Trotzdem sind Risiko und Unsicherheit ständige Begleiter, mehrmals drohen sie aufzufliegen. Immer wieder müssen sie auf Visa warten oder sich für ihre Reise rechtfertigen, wie Jens aus seiner Zeit in Russland berichtet: "Wie soll ich denn denen erklären, dass ich kein Spion bin?"

Die Wege trennen sich...

"Bei mir war es immer ein Abenteuer, eine Reise in meiner freien Zeit - es war nie eine Flucht."

In Peking angekommen, gibt es die Möglichkeit, den Traum von der Einreise nach Westdeutschland wahr werden zu lassen. Tür und Tor dazu öffnet der sogenannte "Grüne Pass", den Jens schließlich beantragt. Damit trennen sich ihre Wege, denn Marion kehrt zurück nach Ostberlin, zu groß ist die Ungewissheit um die Familie. Auch will sie ihr Studium beenden und es winkt die Aussicht auf einen Arbeitsplatz. Deshalb machte sie sich alleine auf den langen Rückweg.

"Was schon kurzzeitig ein Problem ist, dass sich die Grenzen hinter einem schließen, die sich die Monate davor die ganze Zeit für einen geöffnet haben – das war schon ein Gefühl, wo ich sage, das war mir nicht geheuer."

Anders war es für Jens. Für ihn geht die Reise weiter nach Hongkong und über den Mittleren und Nahen Osten bis nach Hannover. Von dort aus flog er nach Westberlin. Den ersten Anblick der Stadt auf der anderen Seite der Mauer findet er aber vergleichsweise unspektakulär.

"Ganz ehrlich, die Stadt mit ihren Leuchtreklamen ist schon ziemlich dunkel im Vergleich zu Hongkong."

Jahrelang haben die beiden keinen Kontakt mehr zueinander, gründen eigene Familien und reden wenig über ihre "verbotene Reise". Passend zum 25. Jubiläum der Friedlichen Revolution haben sie nun eine Ausstellung auf die Beine gestellt. 25 Fotografien zeigen private Szenen des jungen Paares, das aufgebrochen war, das Abenteuer zu finden.

"Die Protagonisten erzählen ihre Geschichte" - ein Beitrag von Anna Vogel
verbotene Reise

 

 

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Peter Wensierski (2014): Die verbotene Reise - Die Geschichte einer abenteuerlichen Flucht. DVA-Sachbuch. 265 Seiten.19,99 Euro.

Die Foto-Ausstellung im Westin Leipzig ist noch bis zum 10.September 2014 zu sehen. Eine Anmeldung ist nicht notwendig.