Kolumne

Asi-TV? – Aufbau-TV!

Für Reich-Ranicki ein Gräuel für andere ein Garant für einen unterhaltsamen Sonntagabend: Die Rede ist von Doku Soaps. Gestern Abend startete die achte Staffel von „Schwiegertochter gesucht“. Für mephisto97.6 Kolumnistin Lisa Vordermeier eine Freude.
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Asi-TV – des einen Freud des anderen Leid.

Die Blätter an den Bäumen färben sich langsam bunt, die Nächte werden länger und es ist zu kühl, um abends im Park zu sitzen. Der Herbst kommt und damit auch eine neue Saison an Doku-Soaps. Schwiegertochter gesucht, Bauer sucht Frau und der Bachelor sind nur ein paar der TV-Entgleisungen, die abends wieder regelmäßig über die Bildschirme der Deutschen flimmern. Und ja auch über meinen. Sonntägliches Asi-TV schauen gehört bei mir in den kälteren Jahreszeiten genauso dazu, wie für manche der Tatort oder die Sportschau. Dabei bevorzuge ich aber eigentlich den Begriff Aufbau-TV. Aufbau deshalb, da ich mich im Vergleich zu den zugegebenermaßen eher traurigen Gestalten, die sich in den Doku-Soaps tummeln, in meinen dicken Socken, Jogginghose und Chipstüte gar nicht mehr soooo schlecht fühle. Und ich schaue ja auch nur sorgfältig ausgewählte hochqualitative Reality-Shows. So was wie „Schwiegertochter gesucht“ und „Bauer sucht Frau“. Sendungen wie den „Bachelor“ oder die „Geissens“ boykottiere sogar ich. Lieber schaue ich den Moderatorinnen Vera Int-Veen und Inka Bause zu, wie sie versuchen, für ihre Kandidaten die wahre Liebe zu finden. Und das wird zelebriert.

Solche Sendungen schaut man nämlich nicht alleine – sondern mit Freunden auf dem Sofa. Alleine würde ich dem Fremdschämdruck wahrscheinlich auch gar nicht standhalten. Denn es ist gar nicht so einfach zuzuschauen wie Kandidatin Beate (die natürlich immer nur T-Shirts trägt auf denen Hunde zu sehen sind) ohne jegliche Englischkenntnisse versucht, in Kanada einen Mann zu finden. Nein, das tut manchmal regelrecht weh beim Hinschauen. Trotzdem tut man es sich immer wieder an. Und auch gerne. Das sagt wohl auch nicht nur Gutes über meinen Charakter aus. Dabei geht es mir gar nicht darum, die Kandidaten leiden zu sehen, wie das wohl im Dschungelcamp der Fall ist. Nein, daran habe ich keinen Spaß. Aber in irgendeiner Weise sind die Sendungen wie ein kleiner Unfall. Man will nicht hinschauen – aber man muss. Und das empfinden wohl noch ein paar Leute neben mir so in Deutschland, sonst wären diese Formate ja nicht seit Jahren so erfolgreich. Und das in jeder Akademischen Schicht. Egal ob Fensterputzer, Lehrer oder Arzt – alle schauen sie gerne zu wenn der rüstige Rentner Roland oder der heitere Hühnerwirt Henning eine Frau suchen. Wir Akademiker geben das nur manchmal nicht so gerne zu.

 

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