Leipziger Internet-Zeitung

Arbeit auf eigene Gefahr

Die Leipziger Internet-Zeitung berichtet vorerst nicht mehr live von LEGIDA-Demonstrationen und erhebt Vorwürfe gegen Polizei und Politik: Drohungen und Angriffe auf Journalisten würden nicht verhindert. Die Berichterstattung sei nicht mehr möglich.
Laut Leipziger Internet-Zeitung nahmen die Angriffe überhand. Vorerst wird es keine Berichterstattung mehr geben.
Laut Leipziger Internet-Zeitung nahmen die Angriffe überhand. Vorerst wird es keine Berichterstattung mehr geben.

Journalisten leben gefährlich. Wie das europäische Zentrum für Presse und Medienfreiheit recherchiert hat, wurden 2015 30 Journalisten in Sachsen angegriffen. Das habe es vorher in dem Ausmaß nicht gegeben – und meistens passierten die Angriffe auf den Pegida- und Legida-Demonstrationen. 

Die Leipziger Internet-Zeitung - LIZ verkündete gestern: sie wird nicht mehr von Aufmärschen des fremdenfeindlichen Bündnisses Legida berichten. Zu oft seien Reporter dort angegriffen worden. Sarah Emminghaus mit den Einzelheiten:

Sarah Emminghaus zum Entschluss der LIZ
 

"Wir werden zunehmend im Stich gelassen"

Verbale und körperliche Gewalt gegen Journalisten ist keine Seltenheit mehr. Große Sendeanstalten wie der MDR, schicken Reporter mittlerweile mit Personenschutz auf einschlägige Veranstaltungen und Demonstrationen. Soweit könne und wolle man nicht gehen, so die LIZ in ihrer Stellungnahme. Nach eigenen Angaben sei das Gewaltpotenzial der Legidaanhänger zuletzt am ersten Februar deutlich geworden:

Da fand erneut ein massiver Angriff auf einen unserer Kollegen statt, nachdem diesem bereits eine deutliche Bedrohung durch den späteren Täter voranging.

Stellungnahme der Leiziger Internet-Zeitung

Die Polizei, so die LIZ, habe nicht auf den Vorfall reagiert. Weder wurde die Person im Vorfeld von den Ordnungskräften auf das agressive Verhalten hingewiesen, noch im nachinein von der Demonstration ausgeschlossen. 

Drohungen, Angriffe und Behinderung bei der Arbeit: Robert Dobschütz, selbst für die LIZ auf Demonstrationen im Einsatz, beschreibt im Gespräch mit Moderatorin Paula Drope die Situation Anfang Februar und die Konsequenzen für das Blatt: 

Paula Drope im Gespräch mit Robert Dobschütz.
 

Gleich zu Anfang der Erklärung stellt die LIZ klar: Legida verfolgt nicht nur ein fremdenfeindliches Programm sondern stellt sich auch gegen die demokratische Ordnung. Dementsprechend schwer wiegen die Vorwürfe des Lokalmediums an Polizei und Politik. In Leipzig lasse man Demokratiefeinde gewähren, nehme entsprechende Anzeigen nicht auf und verhindere Übergriffe nicht: 

Es reicht. #Rassimus #Gewalt #Polizeiversagen Angriffe auf #Journalisten in #Leipzig Teil 1: #LEGIDA attackiert und die...

Posted by L-iz Leipziger Nachrichten on Montag, 15. Februar 2016

 
 

Kommentare

Bei all diesen angeblichen Angriffen gegen Journalisten von PEGIDA und Legida stellt sich mir eine Frage. Warum gibt es keinerlei Filmaufnahmen oder Bilder davon? Wird nicht auf jeder Demo von Hunderten Handies aus gefilmt, zusätzlich von der Polizei und sollten nicht dort wo der Pressemob steht ein paar Dutzend professionelle Kameras laufen? Davon müsste es doch massig Bilder und Videos geben. Wo sind die? Ruptly filmt live und ungeschnitten diese Demos. Und man sieht was passiert wenn diese Demos auf Journalisten treffen. Angriffe habe ich auf diesen Videos noch nie gesehen. Aber die Demonstrationsteilnehmer schreien gerne "Lügenpresse". Und wenn ich landauf landab seit Monaten von Angriffen gegen Journalisten lese aber es angeblich noch kein einziger Journalist geschafft hat ein Bild von so einem Angriff zu machen, dann glaube ich langsam die haben damit Recht.

@Samuel Hallo Samuel,

bei den Kollegen von Zeit Online ("Störungsmelder") finden Sie eine ausführliche Chronologie der Angriffe auf Journalisten nebst Videos. Auch ein Mitglied unserer Redaktion wurde im vergangenen Jahr angegriffen. Als Radio haben wir davon statt Bilder einen Audiomitschnitt.

Dass die Mitarbeiter von Ruptly nicht angegriffen werden, wundert mich eher wenig, da der von der russischen Regierung finanzierte und beeinflusste Sender von vielen LEGIDA- und PEGIDA-Anhängern als freundlich gesinnt eingeschätzt wird.

Sie müssen am Ende selbst entscheiden, wem Sie vertrauen. Wir sind Journalisten und führen keinen Indizienprozess. Aber wenn Sie nicht sowieso schon überzeugt sind, dass wir uns alle verschworen haben, um Sie zu belügen, schauen Sie doch mal, was unsere Kollegin Dunja Hayali bei der Verleihung der Goldenen Kamera gesagt hat: "Wahrheit braucht Zeit".

Onlineredaktion mephisto 97.6

@Alexander Moritz Hallo und danke für die ausführliche Antwort. Kaum jemand nimmt an das sich Journalisten verschworen hätten um uns alle zu belügen. Ich bin jetzt 40 Jahre alt und ich lese ausgiebig und täglich seit 20 Jahren politische Nachrichten. Und mit Verlaub, so eine einseitige und hetzerische Berichterstattung wie sie aktuell zu nahezu 100% in dem Medien vorherrscht gab es nicht mal im Ansatz so lange ich mich erinnern kann. Und auch keine so oberflächliche und unreflektierte. Sie schreiben sie führen als Journalisten keine Indizienprozesse. Sollten Sie aber, denn die Urteile werden heutzutage von Journalisten bereits eine Stunde nach dem Vorfall gefällt. Und sollten sich in den darauf folgenden Tagen ein vollkommen anderes Indizienbild ergeben, wird viel zu selten der erst veröffentlichte Artikel korrigiert oder in einem zweitem die Sachlage richtig dargestellt. Das ist schlichtweg unlauter und hat mit Journalismus gar nichts und mit Propaganda sehr viel zu tun. Es spräche nichts dagegen nach einen Vorfall einen neutralen Artikel des Sachverhaltes zu veröffentlichen um im Anschluß sobald mehr bekannt wird ausführlich darauf einzugehen. Das tut praktisch kein einziges Nachrichtenmedium mehr. Es werden augenblicklich Vorverurteilungen gefällt und politisch ausgeschlachtet. Beispiele für solche Artikel in denen faktenfrei auf den vermeintlichen politischen Gegner eingedroschen wird und die dann landesweit von sämtlichen Medien kopiert und veröffentlicht werden finden sich momentan täglich mehrfach. Den massiven Vertrauensverlust in die Nachrichtenmedien haben nicht die Bürger oder irgendwelche Verschwörungstheoretiker zu verantworten. Das haben unsere Journalisten ganz alleine fertig gebracht.

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