Gespräche auf dem Roten Sofa

Arabischer Frühling – eiskalter Winter?

Fünf Jahre nach der Arabischen Revolution, die sich 2011 von Nordafrika aus durch den ganzen Mittleren Osten zog, hat man dies alles schon fast vergessen. Doch jetzt erinnert ein Buch daran: "Der verpasste Frühling" von Julia Gerlach.
Julia Gerlach
Gesine Klipstein im Gespräch mit Julia Gerlach auf dem Roten Sofa

Der Arabische Frühling – jeder hat etwas davon in den Medien mitbekommen. Man hat vielleicht mitgefiebert, mitgelitten, sich gefreut, schon erwartet, dass jetzt die große Revolution in den arabischen Ländern begonnen hat. Und war dann enttäuscht, als klar wurde, dass dieser Plan – auf welche Weise auch immer – erst einmal vereitelt wurde.

Doch was ist schiefgelaufen? Welche Akteure haben den Verlauf der arabischen Revolution bestimmt? Warum ist die Stimmung so schnell umgeschlagen? Warum sind fünf Jahre nach der Revolution immernoch die alten Regime an der Macht, wie vor den Ereignissen von 2011? Um die Zusammenhänge zu verstehen, muss ein tiefer Blick auf die gesellschaftlichen Systeme und die Politik der arabischen Länder geworfen werden.

Das Beispiel Ägypten 

Julia Gerlach tut dies in ihrem Buch "Der verpasste Frühling – woran die Arabellion gescheitert ist", vorwiegend am Beispiel Ägyptens. Von dort aus hatte sie selbst für diverse deutsche Medien bis 2015 selbst sieben Jahre lang Berichterstattung geleistet. Im Laufe ihres Buches geht sie allerdings auch immer wieder auf die anderen Länder in Nordafrika und im Mittleren Osten ein. Dabei analysiert sie einzelne Geschehnisse selbst, lässt aber auch verschiedenste Zeitzeugen zu Wort kommen, die die Revolution aus ihrer Sicht beschreiben. Das sind zum einen Aktivisten, Journalisten und Islamisten, aber auch ganz normale Bürger Ägyptens.

Hoffnung bleibt

In Gerlachs Buch werden unter anderem die Methoden des ägyptischen Regimes, seine Macht zu sichern, sowie die Manipulation der Bevölkerung durch Medien und Militär angesprochen. Diese stellen nur einige der Ursachen dar, die zum Scheitern der Revolution in Ägypten führten. Ganz verloren hat Gerlach die Hoffnung nicht. Sie glaubt daran, dass vor allem die arabische Jugend den Weg hin zu einer Demokratie prägen kann. Dieses Mal haben die Araber die Revolution "verpasst", dennoch hält die Autorin es nicht für unwahrscheinlich, "dass es beim nächsten Mal vielleicht klappen kann."

Julia Gerlach im Gespräch mit Gesine Klipstein
 
 

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Julia Gerlach studierte Politik und Islamwissenschaften und ist heute Journalistin sowie Autorin zahlreicher Bücher. So arbeitete sie unter anderem für das ZDF-Studio Kairo und für das heute Journal des ZDF, machte eine Hospitanz bei Al Dschasira. Sie unternahm eine Reihe von Reisen in die arabischen Länder und berichtete als Korrespondentin von 2008 bis 2015 aus ihrem damaligen Wohnort Kairo für die Berliner Zeitung, die Frankfurter Rundschau und den Focus.

Nach "Zwischen Pop und Dschihad. Muslimische Jugendliche in Deutschland" (2006) und "Wir wollen Freiheit – der Aufstand der Arabischen Jugend" (2011) ist "Der verpasste Frühling: Woran die Arabellion gescheitert ist" ihr drittes Sachbuch zu Themen der arabischen Welt. Es ist bei Ch. Links erschienen, hat 248 Seiten und kostet 18,00 Euro.