Die Schwalbe

Angesagt unterwegs

Schwalbe, Spatz, Star, Sperber und Habicht. Das sind nicht nur Vogelarten, sondern auch die Namen von einer Fahrzeugserie der Firma Simson. Besonders die Schwalbe ist heute sehr begehrt.
Schwalbe in grün
Eine Schwalbe vor dem Geschäft von Zweirad Döbel

Als 1964 die erste Schwalbe von der Firma Simson hergestellt wurde, konnte keiner ahnen, dass dieses Modell fünfzig Jahre später wieder so angesagt sein wird. Ein Fahrzeug mit Kultstatus, das aktuell für bis zu 3000 Euro auf vielen Internetportalen zu ersteigern ist. Viel Geld für etwas Blech – doch die Schwalbe bietet gegenüber anderen Fahrzeugen einige Vorteile.

Einfache Reparatur

Wer heute so ein Ostrelikt fährt, liegt voll im Trend. Wenn die Schwalbe eine Auffrischung benötigt, kommen die Leute zu Zweirad Döbel in Lindenau. Der Familienbetrieb repariert seit dem Ende der 50er Jahre Schwalben und andere Zweiräder. Der Leiter Gerd Döbel selbst ist auch ein Fan der Schwalbe. Laut ihm ist dieser Motorroller vergleichsweise simpel zu reparieren:

"Es ist sehr einfach zu reparieren, weil die Ersatzteile sehr übergreifend sind von anderen Modellen der Simson. Durch wenige Handgriffe ist das Fahrzeug teilzerlegt, sodass man dort sehr einfach Baugruppen reparieren kann."  

Der Handwerker erfreut sich an der Einfachheit der Reparatur. Schwalbefans wissen um weitere Besonderheiten, die eine Fahrt mit dem Kultmobil attraktiv machen: Neben dem schicken Design kann man schon mit einer einfachen Führerscheinklasse B eine Schwalbe fahren. Und dass, obwohl sie eine Geschwindigkeit von bis zu 60 km/h erreichen kann. Das ist möglich, weil die in der DDR hergestellten Motorroller eine höhere Geschwindigkeitsbegrenzung hatten. Bei der Wiedervereinigung wurde festgelegt, dass für Originalroller aus dem Osten weiterhin diese Begrenzung gilt.

Viel Geld für wenig Blech

Gerd Döbel begibt zu bedenken, dass viele Leute den seit ein paar Jahren andauernden Trend nutzen, um ihre Teile für überhöhte Preise zu verkaufen. Im Internet findet man Preise von bis zu 3000 Euro.

"Weil es gerade in ist, wird oft ein Schrotthaufen für viel Geld verkauft. Und die Leute zahlen es." 

Doch nicht nur junge Studenten investieren in eine Schwalbe. Es gibt auch alteingesessene Fans. Jürgen Müller ist einer von ihnen. Heute ist er zu Fuß unterwegs, aber zehn Jahre lang ist er mit der Schwalbe zur Arbeit gefahren. Er zeigt sich begeistert von der Robustheit des Fahrzeugs:

"Also die Schwalbe ist schon ein sehr robustes Gefährt, überdauert alle Epochen und Zeiten. Wenn ich heute noch zu Arbeit fahren müsste, würde ich heute noch damit fahren." 

Die Vogelserie

Den Namen bekam die Schwalbe von den Konstrukteuren in Suhl, die in den Sechzigern und Siebzigern eine ganze Serie nach Vogelnamen benannte. Schwalbe, Spatz, Star, Sperber und Habicht. Die Modelle haben alle den gleichen Motor, ähnliche Laufräder und Bremsaggregate. Gerd Döbel sagt, sie seien alle hochwertig und würden lange halten. Auch weil die Elektronik nicht sehr kompliziert und so einfach zu reparieren ist.

Auch wenn oder gerade weil die DDR längst der Vergangenheit angehört, ist die Schwalbe sehr begehrt. Und da sie so robust ist, werden wir wohl noch einige Jahre das typische Knattern auf den Straßen Leipzigs hören.

mephisto 97.6 - Redakteurin Julia Wolf über den Kult um die "Schwalbe".
 

 

 

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