CD der Woche

Andreas Dorau - Aus der Bibliotheque

Andreas Dorau ist zurück, ist ein musikalischer Ohrenschmaus, ist kürzlich 50 geworden, aber vor allem ist er ein Supertyp. Sein neues Album "Aus der Bibliotheque" unterstreicht das nochmal - unsere CD der Woche.
Andreas Dorau in der Bibliothek.

Andreas Dorau ist am 19. Januar in den Klub der Fünfziger eingetreten. Anstatt einer Fernsehshow zu seinen Ehren, in der mehr oder minder gute Freunde rumschleimen und lobhudeln, wie es erst jüngst bei Til Schweiger der Fall war, spielt er auf Bitte seines Labels zwei Galas in Berlin und Hamburg. Illustre Gäste (nicht Schleimer) dieser Abende werden unter anderem Egotronic, Justus Köhncke oder auch Wegbegleiter der ersten Stunde wie Der Plan sein. Es geht doch nichts über ein bisschen Anstand und Understatement. Dorau hat sich nämlich vom Label gleich mehrmals darum bitten lassen die Shows zu spielen. Das ganze Brimborium hätte er jedoch nicht über sich ergehen lassen, wäre es nicht verbunden mit seinem neuen Album "Aus der Bibliotheque".
 

Die Hamburger Stadtbücherei als Inspirationsfundus
 

Das Album trägt nämlich nicht ohne Grund seinen Namen. Manch einem (Anm. der Red.: mir) soll es schon passiert sein die parallel erschienene Werkschau "Hauptsache Ich" mit dem neuen Album "Aus der Bibliotheque" verwechselt zu haben. Wäre da nicht der Bezug zur Quelle seiner lyrischen Ergüsse auf der neuen Platte. In der Hamburger Stadtbücherei hat Dorau sich quer durch die Regale gelesen. Immer auf der Suche nach Kuriositäten, die er in seiner Lyrik verarbeiten kann, verbrachte er Nächte in der Bibliothek.
 

Ohrenwürmer am Fla Flu Fließband
 

Bei der Recherche kamen reihenweise Hits zutage. Auch wenn es höchstwahrscheinlich wieder kaum einer von ihnen schafft an den Erfolg "Fred vom Jupiter" oder "Girls in Love" anzuknüpfen, das Potential dazu haben viele der Tracks auf dem Album. Fli Fli Fla Fla "Flaschenpfand" bezirzt einen mit ebenjenem Refrain und fast schon beatlesquem Songwriting. Die Bouzouki (Anm. der Red.: gr. Saiteninstrument) verleiht dem ganzen noch eine interessante folkloristische Note. Die Mitpfeif-Melodie von "Tannenduft" kann vielleicht sogar Unbehagen beim Hörer verursachen. Zumindest dann, wenn man sich selber dabei erwischt die eigenen Lippen zu spitzen. In dem Song geht es nämlich um den Serienmörder Fritz Honka. So liest sich der Text dann auch wiefolgt:

"Tannenduft und Leichengeruch. Was mag in den Plastiktüten sein? - ein Frauenkopf, zwei Hände, zwei Brüste und ein Bein"

In das (hyper-)poppige Gewand seiner Songs integriert Dorau eben immer auch kontroverse, bisweilen auch morbide, aber stets aussagekräftige Lyrik. "Flaschenpfand" kann z.B. getrost als ernstgemeinte Gesellschaftskritik verstanden werden. "Faul und Bequem" kommt da schon mit etwas weniger Tiefgang daher. Auf einen sturen Vier-Viertel-Takt erklärt Dorau aus der Ich-Perspektive das Leben einer unglaublich lauffaulen Figur. Ein Schlingel, der da Andreas Dorau selbst hineininterpretiert.
 

Dancy-Popschlager-Mitsingmusik
 

Andreas Dorau bleibt sich auf "Aus der Bibliotheque" treu. Gewohnt unterhaltsam und schwungvoll bringt er seine Message unters Volk. Und die ist von Gehalt und das Gewand ein bewusst gewähltes. So wie es halt schon immer war. Erst amüsiert Dorau, dann fasziniert Dorau.
 

 

 

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André Beyer
17.01.2014 - 18:20
  Kultur

Andreas Dorau: Aus der Bibliotheque

Tracklist:

1 Hühnerposten
2 Flaschenpfand
3 Der Monat
4 Wasserstoff
5 Löwe
6 Reden wir von mir
7 Tannenduft
8 Stählerner Adler
9 Sabelle fliegt
10 Faul und bequem
11 Klischee
12 Bienen am Fenster
13 Für immer

Erscheinungsdatum: 17.01.2014
Bureau B