Rotes Sofa: Jón Gnarr

Anarchist, Schulabbrecher, Bürgermeister

Jón Gnarr setzte sich 2010 sensationell an der Spitze der Satire-Partei "besti flokkurin" (Die Beste Partei) bei der Bürgermeisterwahl in Rejkjavik durch. In den folgenden vier Jahren bewies er, dass Humor und Politik sich nicht ausschließen müssen.
IV mit Jon Gnarr
Redakteur Moritz Fehrle im Gespräch mit Politiker und Satiriker Jon Gnarr.

Meine Schullaufbahn dauerte genau sieben Jahre. Dann ging ich nicht mehr hin. Ich hatte nicht das Gefühl, irgendwas gelernt zu haben.

Jón Gnarrs Lebenslauf liest sich nicht gerade wie das, was man sich unter einer klassichen Politikerlaufbahn vorstellt. Mit vierzehn Jahren verlässt er die Schule, bezeichnet sich seitdem selbst als Punk und Anarchist, arbeitet als Taxifahrer und macht schließlich doch noch Karriere - als Fernsehkomiker.

Im Jahre 2008 wird Island von einer schweren Finanzkrise getroffen, die das Land an den Rande des Staatsbankrotts stürzt. Das Vertrauen vieler Bürger*innen zu ihren etablierten Politiker*innen ist zerrüttet. Aus Protest gründet Gnarr mit einigen Freunden eine Satire-Partei, die sich schlicht die Beste Partei nennt und verspricht wirklich transparente Politik zu machen: Offene Korruption ist einer der Slogans. Bei der Bürgermeisterwahl 2010 in Rejkjavik erreicht die Partei 35 Prozent der Stimmen. Jón Gnarr wird damit der Oberbürgermeister für über ein Drittel aller Isländer. Obwohl er, wie er offen zugibt, von vielen Angelegenheiten überhaupt keine Ahnung hat, macht er einen erfolgreichen Job. Als größter Verdienst gilt die fianzielle Sanierung des städtischen Energieunternehmens. Als er vier Jahre später abtritt, gilt er als beliebtester Politiker Islands.

Seine politische Karriere fortsetzen will er trotzdem nicht. Lieber veröffentlicht er eine dreiteilige Autobiographie und spielt in einer satirischen TV-Show mit - als Bürgermeister von Rejkjavik.

Redakteur Moritz Fehrle hat Jón Gnarr auf der Buchmesse interviewt und es wurden selten bei einem Interview so viel gelacht:

Redakteur Moritz Fehrle im Gespräch mit Autor Jón Gnarr.
1503 Jón Gnarr
 

Kommentieren