Lyrik

Am Anfang ist der Vers

Wenn Mónika Koncz aus dem Haus geht, dann nicht ohne Stift und Block. Schon der Blutspendetermin reicht aus, um in ihrem Kopf ein Bilderkino zu entfachen. Die junge Autorin schreibt Gedichte.
Mónika Koncz war bei uns zu Gast.

Begonnen hat sie damit bereits in der Pubertät. Damals hat sie ihre Lieblingsdichter kopiert, heute hat sie ihren eigenen Stil entwickelt – trotz, nicht wegen ihres Studiums am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Dort hatte sie sich zwar mit Gedichten beworben, doch Lyrik-Kurse belegte sie nicht. Absichtlich. „Ich hatte Angst, dass die Schule mir meine Gedichte verbiegt“, sagt Mónika Koncz. Sie probierte sich in anderen Formen aus, machte Hörspiele, Kolumnen, Kurzfilme und Prosa. Der Lyrik blieb sie dabei immer treu.

Bis ein Gedicht fertig ist, kann es dauern:

„Bei mir ist meistens erst einmal ein Vers da oder ein Bild, also irgendein Satz, der die ganze Zeit rum spukt, und das will meistens ein Gedicht werden und in acht von zehn Fällen wird es kein Gedicht oder ich schmeiß es nachher weg und in zwei von zehn Fällen wird es nach einer Weile auch ein Gedicht.“

Dieser Prozess kann sich über Monate hinziehen. Die Kunst besteht darin, alles zu verdichten, jedes einzelne Wort abzuwägen.

Der Blick der Natur auf uns Menschen

Aus ihrer Schulzeit verbinden viele Menschen Gedichte mit einer Sprache, die sich nur schwer erschließt. Mónika Koncz zeigt, dass sich Verständlichkeit und Tiefe nicht ausschließen müssen. Die Natur, ein klassisches Thema der Dichtung, spielt auch in ihrer Lyrik eine entscheidende Rolle. Sie selbst liebt Waldspaziergänge. Mit ihrer Lyrik will sie jedoch nicht zu einem „Zurück zur Natur“ aufrufen.

„Ich will kein Naturlyriker sein, aber es ist schon der Versuch, noch einmal einen fremden Blick auf uns zu haben und tatsächlich ist der Blick des Tieres oder der Natur auf uns sehr spannend, um diesen fremden Blick auf uns überzivilisierte Menschen zu kriegen.“

Kritisch ist Mónika Koncz nicht nur mit sich selbst. So rezensiert sie online auch Gedichte, die nicht aus ihrer Feder stammen. 

Moderator Felix Gebhardt im Gespräch mit Autorin Mónika Koncz.
 

 

 

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Mónika Koncz wurde 1985 in Senta (Serbien) geboren. Sie studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Für den Einakter Matroska erhielt sie 2008 den Paula Rombach-Literaturpreis (2. Platz). In den nächsten Monaten will sie ihren Gedichtband "Lange Nacht" veröffentlichen, das Manuskript ist bereits fertig.