Reportagen zur Landtagswahl 2014

Altenpflege: Unattraktiv?

Zu hohe Belastung und nicht genug Fachkräfte – vor allem auch an dem gesellschaftlichen Bild des Altenpflegers muss gearbeitet werden. Wie kann der Beruf attraktiver gestaltet werden? Wir haben mit der Leiterin eines Pflegeheims gesprochen.
Die Altenpflegerin im Gespräch mit einer älteren Patienten.

Ehrenamt, Festanstellung, Fernstudium in der Altenpflege und jetzt Leiterin des Pflegeheims der Gemeinnützigen Zuhause Mobil GmbH in der Birkenstraße. Der Lebenslauf von Susann Petschauer zeigt, wie viele Möglichkeiten es für Altenpfleger gibt, sich in diesem Beruf in verschiedene Richtungen weiter zu entwickeln. Für sie ist der Beruf sehr vielseitig: 

"Man lernt nicht nur sehr viele medizinische Dinge und pflegerische Dinge, sondern man lernt auch viel Ganzheitlichkeit, was einen einzelnen Bewohner anbetrifft. Man lernt ganz viele Krankheitsbilder, wie Demenz zum Beispiel und Diabetes, die in dem Beruf des Altenpflegers noch sehr viel intensiver durchgenommen werden, als in anderen Berufen.“

Altenpflege? Nein, danke.

Es fehlen die Fachkräfte. "Nein, attraktiv ist der Beruf als Altenpfleger gerade für junge Leute wirklich nicht", sagt Susann Petschauer. Immer noch ist der Beruf des Krankenpflegers gesellschaftlich mehr anerkannt, als der des Altenpflegers. Dabei arbeiten mittlerweile sehr viele Altenpfleger auch in Krankenhäusern. Die Ausbildung zwischen beiden ist laut Petschauer mittlerweile fast gleich. Zukünftig sei nun auch schon angedacht, dass die Ausbildungen zusammengelegt werden sollen.

"Der Nachteil ist, dass dies dann in Zukunft wohl nur noch von Abiturienten absolviert werden soll und da sehe ich bei dem jetzigen Pflegefachkräftemangel, der jetzt schon da ist, dass dieser Einbruch noch viel mehr wird. Ich bin der Meinung, dass ein guter Realschüler genauso eine gute medizinische Ausbildung machen kann wie ein Abiturient.“

Ist die Belastung zu hoch?

Es gibt nicht nur zu wenig Auszubildende, sondern es brechen auch zu viele ab. Der Druck, der Arbeitsaufwand, der ständige Schichtwechsel und die Arbeit am Wochenende belasten die jungen Leute zu sehr. Susann Petschauer bemüht sich aber um ein angenehmes Arbeitsklima. Das Personal arbeitet maximal sieben Tage hintereinander. Dann haben sie frei und diese Tage sollen sie auch genießen. Acht-Stunden-Schichten sind genug, sagt die erfahrene Altenpflegerin.

"Ich lehne grundsätzlich 12-Stunden-Dienste ab. Da bin ich ein ganz harter Gegner, weil ich sage, dass ein 12-Stunden-Dienst einfach von der körperlichen Verfassung für einen einzelnen Menschen nicht machbar ist."

Die Aufgabe der neuen Regierung wird es nun sein, den Beruf des Altenpflegers attraktiver zu gestalten und gegen den Fachkräftemangel anzuwirken. 

Eine Reportage über den Pflegedienst von Hannah Luisa Burmeister.
 
 

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Der Sächsische Landtag zum Thema Altenpflege:

Im Jahr 2005 beschließt der Landtag, die Berufsbezeichnung "Krankenschwester" bzw. "Krankenpfleger" in "Gesundheits- und Krankenpfleger/in" umzubenennen. Der Altenpflege-Schwerpunkt solle zudem nicht mehr gesondert angeführt werden.

Die Staatsregierung schätzte 2008 aufgrund einer Anfrage der Linksfraktion, dass im Jahr 2020 fast jeder dritte Sachse älter als 65 Jahre ist. Damit steige auch die Anzahl der Pflegebedürftigen weiter an. Dennoch sieht die Staatsregierung keinen Bedarf, ein Landespflegegesetz zu verabschieden. 2013 stellten CDU und FDP eine ähnliche Anfrage nach der aktuellen Pflegesituation in Sachsen, welche derzeit im Ausschuss für Soziales und Verbraucherschutz behandelt wird.

Um dem Mangel an Pflegepersonal entgegenzuwirken, beschließt der Landtag im März 2012, dass sich Spätaussiedler und aufenthaltsberechtigtre Ausländer ab Juli kostenlos zur Betreuungskraft in Pflegeheimen ausbilden lassen können. Unter anderem erhalten sie Deutschkurse, machen Erste-Hilfe-Scheine und ein Praktikum.