Konzertbericht

Allez!

Irie Révoltés hat am Montagabend das Werk 2 unsicher gemacht. Mit im Gepäck hatten sie viel Politik und einen Mix aus Rock, Hip-Hop und Ska. Außerdem war die amerikanische Band RDGLDGRN zu Gast.
Irie Révoltés im Werk 2
Irie Révoltés sagen an: Fäuste hoch!

Erwartungen

Wer sich eine CD von Irie Révoltés anhört, der merkt schnell, dass die Songs auf der Bühne sicherlich am Besten funktionieren. Die Mischung aus Hip-Hop, Ska und Rock macht live einfach Spaß. Seit 15 Jahren ist die Band Dauerbrenner auf Festivals und Stimmungskanone auf Konzerten. Außerdem unterstützen die Jungs aus Heidelberg gerne die ein- oder andere antifaschistische Demo. Auch in ihren Texten, die zur Hälfte auf französisch sind, stecken viele politische Botschaften. Nun ist ja auch noch Montagabend. Es laufen also mal wieder ein paar „besorgte Bürger“ durch die Innenstadt. Eine Gegendemo ist natürlich auch am Start. Direkt danach soll das Konzert losgehen. Sehr viel passender könnte das Ganze eigentlich gar nicht sein. Übrigens: Als musikalischen Leckerbissen haben Irie Révoltés die - in Deutschland noch eher unbekannten – RDGLDGRN dabei. Die Weichen für einen schönen Abend sind also gestellt.

Erster Eindruck

Irie Révoltés haben in Einklang mit dem Werk 2 den Konzertbeginn auf 20:45 verschoben. Grund ist ein kurzes Live-Set der Band auf der Refugees-Welcome Demo. Gute Sache! Die Halle A im Werk 2 ist von Beginn an gut gefüllt. Vor der Location treffen sich viele Gruppen und trinken ihr Bierchen aus. Generell entdeckt man viele politische Botschaften. Antifa-Flaggen sind mindestens genauso präsent wie Irie Révoltés Merch. Ein großer Teil des Publikums ist wohl direkt von der Demo gekommen.

Vorband

Bei RDGLDGRN (gesprochen Red Gold Green) ist der Name Programm. Um große Bühnen-Outfits müssen sich die drei jedenfalls keine Gedanken machen. Jeder trägt einfach ausschließlich T-Shirts in seiner Farbe: der Gitarrist trägt Rot, der Bassist Gold und der Sänger Grün. Das oliv-grüne Shirt ist am Montagabend zwar nicht auf den ersten Blick erkennbar, aber die Jungs ziehen ihr Konzept durch. Während der gesamten Show wird mit Lichtern in Rot, Grün und Gelb gearbeitet. Offensichtlich haben RDGLDGRN im Vorfeld schon von Irie Revoltés berüchtigter Bühnenshow gehört. Mit kleinen Spielchen und viel Interaktion heizen sie das Publikum ordentlich ein und auch wenn die Songs der Band noch nicht bekannt sind, singt das Publikum mit.

Show

Von Beginn an liefern Irie Révoltés eine gewaltige Show ab. Nach einem atmosphärischen Intro folgen direkt zu Beginn die zwei Hits „Allez“ und „Il est là“. Die beiden Brüder Carlito und Mal Elevé laufen auf der Bühne von links nach rechts – und wieder von rechts nach links. Insgesamt ist die Band zu acht. Man merkt den Jungs – die fast alle eine Mütze tragen – an, dass sie ein eingespieltes Team sind. An der Performance gibt es überhaupt nichts auszusetzen. In zwei Stunden spielen sich Irie Révoltés durch ihr umfangreiches Programm. Es gibt viele Ska-Rhythmen und tanzbare Beats. Und das Publikum bedankt sich. Vom Anfang an herrscht eine explosive Stimmung. Es wird getanzt und gesungen. Auch die abwechslungsreiche Lichtshow trägt dazu bei. Während Irie Révoltés auf Festivals vor allem sehr gerne mit Bengalos und ähnlichem hantieren, wird im Werk 2 vor allem viel Nebel eingesetzt. Mehrmals dreht sich die Band mit dem Rücken zum Publikum und hebt die Fäuste. So setzen sie das Bandlogo auf ihren schwarzen Sweatshirts ideal in Position.

Was in Erinnerung bleibt

Es ist beeindruckend, wie gut Irie Révoltés es schaffen, das Publikum auf ihre Seite zu bekommen. Zwei Stunden Pogo mit politischen Parolen. Immer wieder ermutigen sie  das Publikum die Fäuste in die Luft zu werfen. Die „Alerta, Alerta, Antifaschista“-Rufe kommen aus der Meute selbst und müssen gar nicht erst angezettelt werden. Mit Rockstar-Ansagen à la „Springt so hoch wie ihr könnt“ und vielen simplen Oh-Oh Chören, die die Lieder nun mal enthalten, sorgen sie wirklich für eine überragende Stimmung. Nur sehr selten hört man so viele Menschen zu dermaßen politischen Texten wie in „Antifaschist“ mitsingen. Ergänzen muss man allerdings, dass es wahrscheinlich keinen passenderen Ort und Zeitpunkt für dieses Konzert hätte geben können.

 

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Isabel Woop, Till Bärwaldt
20.10.2015 - 18:39
  Kultur