Frisch gepresst: Shopping

Alles Und Nichts

Nach ihrem letzten Album hat sich das Trio "Shopping" aus London nach Glasgow beziehungsweise L.A. verabschiedet. Auch musikalisch hat sich die Band weiterentwickelt: Das neue Album “All Or Nothing” klingt eingängiger, aufgeräumter, elektronischer.
Shopping

Shopping haben sich bis jetzt vor allem mit ihrem reduziertem, aber tanzbaren Sound einen Namen gemacht. Die bewährte Formel aus Bass, Gitarre und Drums behalten die Mitglieder Rachel Aggs, Billy Easter und Andrew Milk auch auf der neuen Platte, “All Or Nothing” bei – mischen mittlerweile hier und da aber eine kleine Prise Synthies bei. Und obwohl die Besetzung der Band die klassiscge Punkrockkapelle ist, hält “All Or Nothing” von den Versprechen, die das Genre Punk HörerInnen macht, fast nur die der melodischen und rhythmischen Einfachheit.

Die Produktion ist sauber und klar, alles klingt knackig und zerrt nur ausnahmsweise mal hier und da. Jedes Instrument ist für sich gut hörbar, so brennen sich die allgegenwärtigen einfachen, aber eingängigen Bass- und Gitarrenläufe noch tiefer ins Gehirn. Vergeblich sucht man beim Hören nach wirklichen Härten; sowohl im Gesang als auch bei den Drums und den anderen Instrumenten wird es nie so richtig laut oder verzerrt. Selbst in Songs wie zum Beispiel “All Or Nothing”, “Lies” oder “Follow Me”, die geradezu danach Verlangen, irgendwann auszubrechen und so richtig loszulegen, bleibt die Handbremse angezogen. Das kommt zwar der Eingängigkeit und Tanzbarkeit der Platte zu Gute, lässt die Songs aber stellenweise kraftlos erscheinen und geht in der Gesamtlänge auf Kosten der Dynamik des Albums, da die Spannungsbögen und Energielevel der Songs sich sehr ähneln. Auch die gesungenen Melodien sind zwar einfach und damit einfach zugänglich, haben aber – gerade wenn man das Album im ganzen hört – wenig Wiedererkennungswert. Der dezente Einsatz der Synthies, die dem Sound hier und da ein wenig Würze verleihen, der insgesamt sehr klare Sound und die einfachen Melodien und Bassläufe machen eigentlich den Weg frei für eine Punkplatte, die vielen Leuten Spaß machen könnte. Doch über die ganze Albumlänge hinweg fehlt die letzte Entschlossenheit: Für die volle Ladung Pop und Massentauglichkeit ist die Platte nicht Bunt und Melodiös genug, für die Rückbesinnung auf verschrabbelte Rockmusik fehlt die Härte. Einzeln funktionieren die Songs der Platte, im ganzen wird das Ganze leider ein wenig Monoton, und die richtigen Höhen und Tiefen fehlen.

 

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Lucas Schwarz
14.02.2020 - 11:32
  Kultur