Sziget Festival: Tag 6

Alles ausprobieren

Eine Insel wie eine eigene Welt: Vom 10. - 16. August findet in Budapest das Sziget Festival statt. Mit am Start sind neben Weltstars wie Rihanna, Muse und Manu Chao auch Geheimtipps – mephisto 97.6 berichtet täglich vom Inselwahnsinn.
Konfetti
Die letzte Party auf der Main Stage: mit Konfetti!

Am vorletzten Tag haben wohl sehr viele Leute die gleiche Idee: jetzt doch noch die ganzen Sachen machen, die man aufgrund von Chillen und erhöhtem Alkoholkonsum verpasst hat. Daher ist die Schlange zur Öffnung des Luminariums um 12 Uhr sehr lang. Luminarium? Dazu später mehr. Das Warten ist schon gleich viel angenehmer mit etwas Essen und Trinken in der Hand. Zeit, ein bisschen darüber zu reden. Auf dem Sziget Festival bringt man seine Lebensmittel eher nicht selbst mit. Auch wenn es 10 Minuten entfernt einen riesigen Supermarkt gibt, bei dem man gut Frühstückslebensmittel kaufen kann, heißt es Dosenravioli Adieu! Auf der Insel gibt es alles was man braucht – zu fairen Preisen. Man bekommt gute Pad Thai für ca. 5 Euro oder ungarische Spezialitäten wie Langos für knapp 3 Euro. Ist zwar immer noch doppelt so viel wie außerhalb des Festivals, aber schon in Ordnung. Für Bier gilt das Ähnliche. 2 Euro das große, gezapfte Bier. Das wird dann hochgerechnet im Vergleich zum Campingplatzgesaufe auf deutschen Festivals schon ein wenig teurer, dafür gibt es kühles Bier und weniger Kopfschmerzen. Für die Fans, die lange vor der Bühne ausharren wollen, gibt es auch gekühltes Dosenbier.

Lumi
 

Mit Cola und Langos in der Hand wird also auf den Einlass in das Luminarium gewartet. Dieses ist eine große, begehbare Gummilandschaft, die mit tollen Lichteffekten aufwartet. Die knapp 50 Minuten Warterei lohnen sich. Hier kann man zu entspannter Musik ein paar wenige Minuten träumen. Danach geht der Ernst des Lebens wieder los. Auf dem Passport fehlen noch ein paar Stempel, die man an verschiedenen Ecken der Insel bekommen kann. Ich will unbedingt wissen, was man als Belohnung für alle Stempel bekommt. Also auf ins Gamelandhub – ein Ort für alle Spieler der Insel. Hier gibt es Brettspiele wie Schach, Poker, abstruse nie-gesehene Games und auch sehr viel Elektronisches. Playstation und Co. – sie sind alle da. Und dann gibt es noch eine Ecke, in der League of Legends-Turniere stattfinden. Wahnsinn! So viel Zeit ist aber leider nicht. Es fehlen nur noch zwei Stempel, die man aber erst am späten Nachmittag bekommen kann. Von daher folgt nun ein Abstecher in das Magic-Mirror Zelt. Hier laufen täglich Kurzfilme – an diesem Montag eine Auswahl vom LGBT-Festival aus Tel Aviv. Dazu gibt es Kommentare des Veranstalters. Eine schöne, kühle Abwechslung zum weiteren Festivalbetrieb.

Stempel
 

Um 16 Uhr sind alle Stempel eingesammelt! Jetzt die große Frage: Was ist die Überraschung. Ich gebe meinen Passport am „Immigration Office“ ab und bekomme ein Sziget-Halstuch. Ach, wie süß. Ein Souvenir – und das kostenlos. Bleibt noch eine Aktivität auf der To-Do-Liste: der Zirkus. Auch an diesem Montag ist der Andrang auf die 17 Uhr-Shows riesig: zurecht! Die je 20-minütigen Vorstellungen von einer Gruppe aus Kanada und einer Gruppe aus Frankreich sind waghalsig und wie so oft im Zirkus atemberaubend. Dagegen wirkt das Konzert der Kaiser Chiefs auf der Main-Stage etwas energielos. Sänger Ricky Wilson rennt zwar immer noch von links nach rechts und wieder zurück; der Musik fehlt es aber ein bisschen an Energie. Vielleicht liegt das aber auch am Publikum, das nach sechs Tagen auch langsam müde wird. Für Palace Winter, eine der Indie-Überflieger des Jahres, versammeln sich nur sehr wenige Leute vor der Europe Stage. Schade für die Dänen. Weniger los als gedacht ist auch beim Konzert von Noel Gallagher und seinen High Flying Bird’s. Dafür wird es umso emotionaler beim ehemaligen Oasis-Mastermind.

Zirkus
 

Nachdem um 19:15 die letzte große Party auf der Mainstage steigt (heute mit Konfetti!), folgen ab halb acht eher die Tränen. Noel Gallagher ist und bleibt der unfreundliche, coole Kautz – und bringt trotzdem erwachsene Männer zum Weinen. Relativ früh spielt Gallagher den Oasis-Klassiker „Champagne Supernova“, in einer akustischen Version. Der ganze Platz singt den Refrain alleine. Wer nun denkt, dass sich Noel nur auf alten Oasis-Hits ausruht: falsch gedacht. Auch neue Lieder wie „Ballad Of The Mighty I“ schlagen ein. Von Oasis gibt es dann auch eher die etwas unbekannteren Klassiker wie „Talk Tonight“ oder „Listen Up“ zu hören – mit Ausnahme des Finales. Nach der Performance der „Wonderwall“- B-Seite „The Masterplan“ folgt – eben jenes – „Wonderwall“. Da freuen sich die vielen inzwischen nach vorne gepirschten Sia-Fans. Einmal das Smartphone in die Höhe und gefilmt. Dann wird wieder weitergetippt. Der letzte Song ist „Don’t Look Back In Anger“ – jetzt brechen alle Dämme. Der Mann kann es immer noch.

Noel
 

Um 21:30 ist dann der große Zeitpunkt für die australische Sängerin Sia gekommen. Doch ähnlich wie Rihanna lässt die Gute auf sich warten. Immerhin nur zwanzig Minuten. Passenderweise spielt Sia als zweites „Diamonds“ – den Song, den die Australierin für Rihanna geschrieben hat. Die Performance von Sia ist ungewöhnlich. Keine Band, kein DJ – und Sia steht nicht einmal im Licht der Scheinwerfer. Dieser Platz gehört ihren Tänzern und Tänzerinnen. Die legen eine atemberaubende Vorstellung hin. Eine Performace-Art Show, die im kleinen Rahmen sicher super funktioniert. An dieser Stelle wirkt es aber deplatziert, da man aus der Ferne nahezu nichts sieht und auf den Bildschirmen nur eine cineastische Version dessen, was auf der Bühne abläuft, gezeigt wird. Chapeau für die mutige Performance, mir fehlen da aber doch ein wenig die Musiker. Dann doch lieber wieder auf die kleineren Bühnen. Auf einer kleinen Open-Air-Stage unweit der Main-Stage liefert ein israelisches Duo eine interessante Contemporary-Dance-Performance ab. Hätte auch Sia sein können. Das ist mir persönlich dann aber doch ein bisschen zu wenig Bewegung. In einer benachbarten Holzhütte wird ein traditioneller, ungarischer Tanz vorgestellt und gelehrt. Hier darf man noch selbst ans Werk. Zu fortgeschrittener Stunde ist dieser Tanz aber eher nur „im-Kreis-tanzen“. Trotzdem witzig! Damit begeistert das Sziget Festival jung und alt. Viel gesehen an diesem vorletzten Tag. So langsam geht es tatsächlich in die Knochen. Zum Abschluss geht es noch für ein paar Minuten zu Say Yes Dog, dessen Konzert dank ihrer Fanbase aus Luxemburg relativ gut gefüllt ist. Ein paar Minuten wippe ich noch mit zu den elektronischen Klängen und dann heißt es: Say Yes, Sleep!

 

Tanzen
 
 

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Till Bärwaldt
16.08.2016 - 13:19
  Kultur