Musikhighlights: KW 48

Alles auf Anfang

Auch diese Woche sind wir für euch mit den MHDW wieder da und haben einige verrückte Geschichten in petto: Von Tik Tok Stars, ehemaligen Kinderärzten die zu Rapper wurden, bis hin zu mutigen Aktivistinnen ist alles dabei.
Musikhighlights der Woche: KW 48
Musikhighlights der Woche: KW 48

 

Unser Album der Woche kommt von der Band King Gizzard & the Lizard Wizard und trägt den Titel "K.G". Unsere ausführliche Rezension findet ihr hier.

Dexter - Yung Boomer

Album-VÖ.: 27.11.2020

So mancher Rapper beschließt mit Mitte dreißig, dass es langsam an der Zeit ist, sich zur Ruhe zu setzen und den wilden Jahren im Deutschrap-Business den Rücken zu kehren.

Dann gibt es da aber noch Dexter, der mit 36 Jahren seinen Job als Kinderarzt hinschmeißt, um sich nun voll und ganz seiner Rapkarriere zu widmen. Sein zweites Studioalbum „Yung Boomer“ feiert diesen Schritt und die damit verbundene, neugewonnene Freiheit, sich als Rapper zu verwirklichen. Dabei verzichtet der Stuttgarter Rapper nicht auf die ein- oder andere selbstironische Line, mit der er sich als gealtertes HipHop-Kid nicht übermäßig ernst zu nehmen scheint. Auf der Single „Nur noch was ich mag“, die Dexter vor zwei Wochen mit dem Köllner Rapper LGoony droppte, heißt es:

„Ja, ich weiß, es ist schon etwas peinlich,
Dass jetzt nur noch Rap mein Life ist
Du hast recht, jemand hat mir in den Kopf geschissen
Ich hab' für Rap mit 36 meinеn Job geschmissen“

Dexter in „Nur noch was ich mag“

In den letzten Jahren war unter anderem Dexter als Produzent für den Erfolg zahlreicher Alben verantwortlich, zum Beispiel von Casper und Cro oder seinem altbekannten Kollegen und Freund Fatoni. Letzterer ist natürlich auch auf „Yung Boomer“ gefeatured: Im Song „Freitag“ rappen Fatoni, Dexter und YRRE über die Schwierigkeiten, ein verantwortliches Dasein als Vater und das tägliche Rap-Business unter einen Hut zu bringen:

„Freunde fahren gern‘ mit ihren Kids an den See
Parallel drück ich refresh auf HipHop.de“
Langsam bin ich wirklich nicht mehr zuversichtlich,
Wäre gern erwachsen aber bin berufsjugendlich“

Fatoni in „Freitag“

Die Beats auf „Yung Boomer“ sind meist klar und unaufgeregt, manchmal klingen dazu sanfte Jazz Melodien im Hintergrund. Obendrauf Dexters ausgeklügelte Lyrics, mit denen er sich selbst weit weg vom prolligen Rap-Mainstream positioniert. Trotzdem beweist er Gespür für aktuelle Deutschrap-Trends und holt sich das Duo Lugatti &9ine ins Boot, die sich 2020 als eine der ganz heißen Newcomer bewiesen haben. 

Wer gerne zu Deutschrap den Kopf nickt, dabei aber auf aggressive Punchlines verzichten möchte und versierte, intelligente Lyrics bevorzugt, sollte sich dieses Album also unbedingt anhören.

Nelly Brändle

Tobias Dray - Daydreamer

EP-VÖ.: 23.11.2020

Mit mittlerweile über 100.000 monatlichen Hörer*innen auf Spotify kann sich die Reichweite des französischen Produzenten Tobias Dray sehen lassen, womit er mit seiner neusten Veröffentlichung „Daydreamer“ auch weniger bekannten Musiker*innen eine größere Plattform bietet. Seine EP besteht ausschließlich aus Songs, die in Kooperation mit anderen Artist*innen entstanden sind – zeigt damit wie gut so eine Symbiose funktionieren kann.  

Als Produzent lebt er seine Spezialisierung auf elektronische Musik aus und verleiht seiner EP damit einen einheitlichen und in sich stimmigen Glanz. 

Jeder Song hat seine eigene Feinheit – so hat Baddest (feat. Abel) einen Rhythmus, der einem sofort ins Blut geht. Mit ihrer engelsgleichen Stimme und den schnellen Beats macht die Amerikanerin damit ihrem persönlichen Stil alle Ehre – und legt einen eindringlichen Start auf Dray’s EP hin. 

I Don’t Mind (feat. Ben Chandler) erinnert mit seiner einfachen Melodie und der schlichten musikalischen Untermalung an einen klassischen Sommerhit aus 2018, der sich eigentlich nur durch seine Begeisterung von der TikTok-Gemeinde an seinen Platz in den Charts gemogelt hat. Damit mag der eingefleischte Ben Chandler Fan verwundert sein, da der Künstler sonst mit instrumental aufwendiger gestalteten Stücken überzeugt. 

Wesentlich authentischer und durchdachter klingt dahingehend We’ll Be Beautiful mit POLYDRIVE – einem fast unbekannten Brüder-Duo aus Manchester. Zu Unrecht haben sie nur 7.000 monatliche Hörer*innen auf Spotify und liefern mit dieser Kooperation erneut ab. Die eindrückliche Indie-Note wird im entspannten Rhythmus deutlich und gibt dem Werk eine meditative Wirkung. 

Damit wird die EP locker abgerundet und hinterlässt einem ein Lächeln auf den Lippen. 

Lysann Uhlig

 

Yemi Alade – Empress

Album-VÖ.: 27.11.2020

Die derzeit wohl bekannteste afrikanische Künstlerin hat ein neues Album: Yemi Alade droppte vergangenen Freitag ihr fünftes Studioalbum. „Empress“ heißt das 15 Track starke Stück. Sowohl sprachlich sowie musikalisch bringt es einen abwechslungsreichen Mix mit. Von Afropop und – beats, über RnB bis hin zu Afrohouse ist einiges dabei. So musikalisch wie sie gesegnet ist, scheint sie es auch sprachlich zu sein: Alade bedient sich in ihren Lieder Englisch, Igbo, Yoruba, Französisch und Swahili. Außerdem holt sie sich namhafte internationale Unterstützung. Die französischen Rapper Vegedream und Dadju sind dabei, der Jugendchor Mzansi aus Südafrika, die Britin Estelle, sowie Patoranking und Rudeboy aus Alades Heimat Nigeria.

Auf diesem Album ist für viele Geschmäcker etwas dabei: in „True Love“ gibt es vor allem gute Laune mit einem Afropop Vibe und einer Choreographie die tausendfach von Fans auf der ganzen Welt nachgeahmt wurde. Mit „Dancina“ bekommt man Laune auf was der Titel verspricht – tanzen! Akwaba zu Afrohouse. Immer wieder unternimmt Yemi Alade Ausflüge in dieses Genre, wie zum Beispiel auch mit dem Song mit „Kofi Anan“. In „Boyz“ ist sie die Queen für die ihre Fans sie lieben. Auf einen catchy Beat singt sie davon wie sie sich ihre Männer aussucht wie es ihr passt. 

Yemi Alade ist allerdings nicht nur eine Nigerianerin, die den globalen Musikmarkt aufmischt. Sie ist auch eine Frau sich für Veränderung laut macht. In den vergangenen Wochen nutze sie vermehrt ihre Plattform, um sich für die #EndSars Bewegung in Nigeria auszusprechen. Wochenlang waren Menschen gegen die Brutalität der Polizeieinheit SARS auf die Straßen gegangen. Währenddessen postete Yemi Alade Videos von uneinsichtigen Politiker:innen, nahm diese auseinander und unterstützte die Proteste. 

In den vergangenen Jahren hat die 31-jährige schon zahlreiche Awards abgeräumt, oder war nominiert. Auch in Zukunft sollte man diese Künstlerin weiterhin im Auge behalten. 

Luis Weidler

 

 

 

 

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27.11.2020 - 20:29
  Kultur

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Dexter - Yung Boomer

Tobias Dray - Daydreamer

Yemi Alade