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All Issues Are Women's Issues

Washington D.C., Buenos Aires und Sanaa haben auf den ersten Blick wahrscheinlich eher wenig gemeinsam. Eins verbindet die drei Hauptstädte aber über alle Grenzen hinweg: die Kraft der feministischen Bewegungen.
Weltkarte
Feminismus weltweit

mephisto976 Redakteurin Philine Kreuzer über drei feministische Bewegungen in den USA, in Argentinien und im Jemen:

Philine Kreuzer über drei feministische Bewegungen außerhalb Deutschlands
Feminismus weltweit

Als Theresa Shook im vergangenen November 40 ihrer Freundinnen zu einer Facebook Veranstaltung einlud, um gemeinsam gegen den soeben gewählten Präsidenten Donald Trump zu demonstrieren, rechnete sie vermutlich nicht damit, wie viele ihrem Aufruf folgen würden. Über Nacht interessierten sich plötzlich zehntausende Frauen und Trump-Gegnerinnen für den "Women's March on Washington". Am 21. Januar waren es fast eine halbe Millionen Menschen, die sich auf dem Vorplatz des Weißen Hauses trafen, um gemeinsam zu demonstrieren. Das toppte sogar den Rekord von 1969, damals fand die bisher größte Demo in Washington gegen den Vietnamkrieg statt. Doch was trieb die Menschen im Januar 2017 auf die Straßen?

I am a nasty woman. I am not as nasty as racism, fraud, conflict of interest, homophobia, sexual assault, transphobia, mysogenia, ignorance, white privilege!

Ashley Judd – Schauspielerin

Sie versammelten sich, um gemeinsam zu demonstrieren gegen Trumps rassistische, homophobe, frauendfeindliche und sexistische Äußerungen. Aber der "Women's March on Washington" will sich nicht nur gegen Trump positionieren: Die Liste der Dinge, für die sich die Frauen einsetzen, ist lang: repoduktive Freiheiten, LGBTIQA-Rechte, Inklusion, Umweltschutz, Rechte von Migrantinnen, um nur einige zu nennen. Kann man da überhaupt noch von einem "Women's March" sprechen? Die Organisatorinnen sagen ja: All issues are women's issues. Der Begriff dafür ist Intersektionalität.

Ni Una Menos – Nicht Eine Weniger

Alle 18 Stunden wird in Argentinien eine Frau ermordert – nur auf Grund ihres Geschlechts. Auf Deutsch gibt es dafür kein eigenes Wort, auf Spanisch ist der Begriff "Femicidio". Die Geschichte dieser Frauenmorde geht zurück bis ins europäische Mittealter, wo in Form der Hexenverbrennungen der Frauenhass eine scheinbar legitime Ausdrucksform erhielt. Die Femicidios sind das traurige Ergebnis von patriarchalen Machstrukturen, in denen Frauen zu benutzbaren, austauschbaren Wesen werden.

 

 

Die Protestbewegung "Ni una menos" (Deutsch: Nicht Eine weniger) kämpft gegen diese Gewalt an Frauen. Zuerst gab es die Bewegung nur in Argentinien, mittlerweile gehen aber auch Frauen in Chile, Peru, Mexiko und vielen anderen lateinamerikanischen Ländern auf die Straße. Virginia Jakim lebt seit einiger Zeit in Berlin, da ihr die Situation in Buenos Aires zu unsicher geworden war. Sie hatte sich als Frau in ihrer Freiheit eingeschränkt gefühlt, da sie täglich mit verbaler so wie physischer Bedrohung konfrontiert war. Für sie ist die Machokultur das größte Problem: Frauen, die viel reden, gelten in Argentinien schnell als zu geschwätzig oder intensiv. Das sei in Deutschland anders. Aber auch hier hätte sie schon Vergleichbares beobachtet.

Es ist wichtig die eigenen Machismen zu erkennen, weil wir alle machistische Verhaltensweisen haben – und selbstkritisch zu sein. Die Demos sind der sichtbarste Teil und danach geht es darum, interne und persönliche Arbeit zu leisten.

 

Virginia Jakim

Neben den Demos sei es besonders wichtig, sich selbst kritisch zu hinterfragen: die eigene Wahrnehmung von Frauen, die eigene Wahrnehmung von Männern revidieren. Ameisenarbeit, so nennt Virginia Jakim das. Fünf Minuten nachdem wir unser Telefonat beendet haben, schreibt sie mir eine Mail, in der sie sich dafür entschuldigt, dass sie die ganze Zeit vergessen habe, die LGBTIQA-Community zu erwähnen. Sie schreibt, das sei doch das beste Beispiel dafür, dass man nie aufhören sollte, selbstkritisch zu sein.

 Das ganze Gespräch mit Virginia Jakim gibts hier zum Nachhören:

Philine Kreuzer im Gespräch mit der argentinischen Publizistin Virginia Jakim

Overvoice: Lara Lorenz

Virgina Jakim

Friedensnobelpreisträgerin Tawakkul Karman

Im internationalen Rennen um die Gleichheit der Geschlechter schneidet der Jemen ziemlich schlecht ab. Der Global Gender Gap Report 2016 dokumentiert, dass der Jemen von insgesamt 144 Ländern den letzten Platz belegt. Da ist es schon mehr als erstaunlich, dass im gleichen Land 2011 die Jemenitin Tawakkul Karman als erste arabische Frau den Friedensnobelpreis verliehen bekam. Sie war als eine der ersten Frauen mit auf die Straße gegangen, um gegen den Despoten Salih zu demonstrieren. Und auch nach dem Ende der Gewalt, hatte sie sich stark gemacht für Gleichberechtigung. So ist es ihr gelungen bei den Friedensgesprächen eine Frauenquote einzuführen.

I would like the world to know that Yemeni women are strong, and if empowered, they can achieve. The world needs to look beyond stereotypes and dress code. In our hearts, we are just human beings who want to live a dignified life. Is that too much to ask for?
Read more at: https://www.brainyquote.com/quotes/quotes/t/tawakkolka715283.html

I would like the world to know that Yemeni women are strong and if empowered they can achieve. The world needs to look beyond stereotypes and dress code. In our hearts we are just human beings who want to live a dignified life. Is that too much to ask for?

I would like the world to know that Yemeni women are strong, and if empowered, they can achieve. The world needs to look beyond stereotypes and dress code. In our hearts, we are just human beings who want to live a dignified life. Is that too much to ask for?
Read more at: https://www.brainyquote.com/quotes/quotes/t/tawakkolka715283.html

Tawakkul Karman

Als Vorbilder für die Frauenbewegung im Jemen nennt Karman die jementischen Königinnen Arwa as-Saiyida (Deutsch: die freie, unabhängige Herrin) und Bilqis. Unter ihnen hatte das Land seine Blütezeit erlebt. Damit orientiere sich der Wandel also nicht an westlichen Idealen – sondern an der eigenen Geschichte.

 

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