CD der Woche

Achtung, Lawinengefahr!

Was ist weiß und stört beim Essen? Richtig, eine Lawine. Und was ist laut, mitreißend, gewaltig vielseitig und kommt aus Australien angerollt? Richtig, das neue Album von den Samplekönigen „The Avalanches“.
The Avalanches
Samplen sich glücklich: The Avalanches

Ganze 16 Jahren gingen ins Land, ehe das Lawinen-Frühwarnsystem erneut anschlug. Peep. Peep. Da kommt was. Da kommt was Großes! Am 8. Juli war es dann endlich so weit. Ein neues Avalanches Album (avalanche, engl.= Lawine). Einige haben nach all dem Warten und Hoffen schon nicht mehr dran geglaubt. Doch es hat sich gelohnt!

Wie alles begann...

Zurück zum Anfang. Wer sind "The Avalanches“ überhaupt? 16 Jahre Stille können auch dazu führen, dass eine Band vollkommen in Vergessenheit gerät. „The Avalanches“ sind eine vierköpfige Band aus Australien. Im Jahr 2000 brachten sie ihr Debütalbum „Since I left you“ raus und das schlug mächtig ein. Sie gewannen Preise, spielten Shows u.a. mit Public Enemy und den Beastie Boys. Ihre Fähigkeit aus fragmentierten Samples unterschiedlichster Genres etwas ganz neues und tanzbares zu basteln, traf den Zahn der Zeit. Ihr Sound bewegt sich irgendwo zwischen HipHop, Soul und Elektro.

Doch dann wurde es ruhig um die Band. Immer wieder kamen Gerüchte von einem neuen Album auf, verliefen sich jedoch im Nichts. Doch dann nach 16 Jahren...

Erdbeben, Tornados, Lawinen

Mit ihrem Comeback ist es wie mit Naturkatastrophen: Ganz lange passiert nichts. Leute wissen dass es "Das" gibt – Erdbeben, Tornados, Lawinen. Es fängt ganz klein und leise an. Und dann mit einem Mal alles! Meist in Momenten in denen es keiner erwartet. So war es auch mit dem neuen Album. Einige hatten die Hoffnung schon aufgegeben und nicht mehr an ein zweites Album geglaubt. Doch ganz im Stil der australischen Lässigkeit, haben sich The Avalanches einfach nur ein bisschen länger Zeit genommen.

Musikalischer Eskapismus

Rausgekommen ist ein Album, das Hommage und Zukunftsvision in einem ist. In letzter Zeit liest man in den Medien häufiger von Eskapismus, Weltflucht, dem Rückzug ins Private - Hauptsache die Realität nicht sehen. Die einen bleiben dabei im Internet auf Serien hängen. Die anderen verlieren sich in den Untiefen von Plattenläden und graben alte Schätze aus, stauben diese gründlich ab und verarbeiten sie kurzerhand zu neuer Musik. So auch The Avalanches. Ihr Sound kann beides: Er bietet eine Art Luftschutzbunker um sich der Welt zu entziehen und serviert einem gleichzeitig ein ganzes musikalisches Universum auf dem heimischen Plattenteller. Es ist, als hätten sie einen alten Plattenladen eingeschmolzen und eine einzige Platte daraus gepresst.

Ohrwurmpotential 

Neben den vielen Samples und musikalischen Anspielungen finden sich auch Feature-Parts von aktuellen Künstlern auf der Platte. Unter anderem „Grown-Up“ Rapper Danny Brown oder Underground Hiphop-Künstler MF Doom. Beide wirken bei der ersten Singleauskopplung „Frankie Sinatra“ mit. Die hat auf jeden Fall Ohrwurmpotential und ist auf der Scheibe wohl mit der eingängigste Track.  

Blumenwiese, Ghettoblaster & Fazit

Das Album „Wildflower“ hat mit seinen 20 Songs einiges zu bieten und steht dem Debütalbum der Avalanches in nichts nach. Der nahtlose Übergang zwischen den Songs unterstreicht dabei das Gesamtkonzept der Platte. Echte Musikliebhaber können es bewusst und aufmerksam hören und sich an all den Samples und Anspielungen erfreuen, die in mühevoller Handarbeit verarbeitet wurden. Ebenso kann man das Album aber auch genüsslich nebenbei weghören. Wenn man die Augen schließt und sich mitreißen lässt von der gewaltigen Sound-Lawine, dann klingt es ein bisschen so als wenn sich Künstler wie die Beach Boys, The Beatles & der Wu-Tan Clan zum Jammen auf einer Blumenwiese treffen. „Wildflower“ ist also was für Leute die und auch mal abseits der Piste unterwegs sind. Für Leute mit einer buntgemischten Plattensammlung, die gerne die Nadel im Heuhaufen suchen und auch die beschwerlichste Reise und langes Warten in Kauf nehmen um sich dann doppelt zu freuen. Und die keine Angst vor Lawinen haben.

 

Kommentieren

Tina Küchenmeister
11.07.2016 - 11:23
  Kultur

The Avalanches: Wildflower

Tracklist:

1. The Leaves Were Falling

2. Because I’m Me*

3. Frankie Sinatra*

4. Subways

5. Going Home

6. If I Was A Folkstar

7. Colours

8. Zap!

9. The Noisy Eater*

10. Wildflower

11. Harmony

12. Live A Lifetime Love

13. Park Music

14. Livin’ Underwater (Is Something Wild)

15. The Wozard Of Iz

16. Over The Turnstiles

17. Sunshine*

18. Light Up

19. Kaleidoscopic Lovers

20. Stepkids

 

*Anspieltipps der Readaktion

 

 

 

 
Erscheinungsdatum: 08.07.2016
XL Records