Gespräche auf dem Roten Sofa

"Aber am Ende wird sie bestimmt gut"

Wenn ein dreijähriges Mädchen sagt: "Schau mal, es gibt eine Blonde und eine Braunhaarige. Die Dunkelhaarige ist bestimmt die Böse. Aber am Ende wird sie gut." - "Oder sie geht unter." Dann ist man im Hause Mora oder bei uns auf der Buchmesse.
Terezia Mora zu Gast auf dem Roten Sofa
Terezia Mora zu Gast auf dem Roten Sofa

Immer wieder bindet Autorin Terezia Mora Geschichten und Situationen von ihrer Tochter ein. Dies ist ihr wichtig und auch wichtig für ihr Schreiben, da Kinder einen ganz anderen Blick auf die Welt haben. Er ist nicht abgeklärt oder zynisch, er ist unvoreingenommen und ehrlich. Ihrer Meinung nach einfach klar. Und so kommt es dann auch zu so einer Situation wie der mit den Haarfarben. Und dann kann man auch als Mutter schon mal klar sagen, dass es in Kindererzählungen immer nur zwei Wege für die Bösen gibt: die Wendung zum Guten oder den persönlichen Untergang. Diese Einfachheit vom Aufbau der Geschichten verstehen schon Kinder.

Erst seit ich dieses Kind habe, habe ich gemerkt wie wichtig es ist, wie sehr ich Kind geblieben bin und wie gut mir das tut.

Terezia Mora

Darüber sprach Mora in ihren Frankfurter Poetikvorlesungen, für die in jedem Semester ein beklannter Autor ausgewählt wird, wobei Mora sich über diesen Austausch immer sehr freut, denn auch ihr gibt das neue Einsichten. Sie gibt ihrer Vorlesung den Titel "Nicht sterben", und letztlich spricht sie davon immer wieder, das Überwinden, der Kampf mit dem ersten Satz, der größeren Form und den Details einer Geschichte. Besprochen werden vor allem ihre eigenen Texte, die von ihr selbst nochmal gelesen, rekapituliert und somit diskutiert wurden. So versucht sie ehrlich und unverstellt ihren Studenten, die sie als Schriftsteller an einer anderen Stelle ihrer Karriere bezeichnet, das beste Werkzeug an die Hand zu geben. So merkte Mora selbst, dass sie einige Sachen schon von Anfang an so gemacht hat und auch immer noch so macht. Das stärkt natürlich das Selbstbewusstsein eines jeden jungen Schriftstellers, der unsicher ist, ob das, was er tut, überhaupt richtig ist. Denn richtig oder falsch gibt es nicht.

Das merkt der Leser auch dem Text ihrer Vorlesungen an, sie erzählt nicht nur davon, wie sie ihre Texte aufgebaut hat, sondern auch wie sie sie gefunden hat, über Irrwege. Interessant ist dabei, dass alles als Prozess gezeigt wird, selbst die Vorlesung erscheint immer wieder so: "Bei diesem hier weiß ich es noch nicht, ich gehe gerade erst los." So werden diese Texte auch für nicht-Autoren interessant, denn sie erzählen von Moras Texten, die man allerdings kennen sollte, denn sonst erscheinen viele Verweise nur schwer verständlich, wenn der Leser noch nicht die Bekanntschaft mit Abel Nema, Flora oder Darius Kopp gemacht hat.

Die Hinweise, die sie gibt sind für viele vermutlich nicht hilfreich, doch der Versuch eines jeden Autors bei seinem Text, seiner Geschichte, seinem Roman könnte vielleicht für jeden gelten.

 

Du willst über diesen Satz hinauskommen zu einem anderen Satz, der die Welt anders erklärt oder öffnet, oder andere Wege aufmacht.

 

Terezia Mora

mephisto 97.6-Redakteur THilo Körting im Gespräch mit Terezia Mora auf dem Roten Sofa.
 
 

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Roxana Cremer und Thilo Körting
13.03.2015 - 15:33
  Kultur

Terezia Mora arbeitet als Schriftstellerin und Autorin. Ihre bekanntesten Werke sind "Einzigen Mann auf dem Kontinent" und "Nicht sterben". Zudem arbeitet sie als Poetikdozentin. Ihre aktuellen Vorlesungen, die sie in Frankfurt hielt, wurden in dem Buch "Nicht sterben" veröffentlicht. Dies erschien im Luchterhand Verlag und kann für 18,99 Euro erworben werden.