AOK Familienstudie 2018

Kein Bolzen ohne Platz

Kinder und Eltern bewegen sich zu wenig – das ist nichts Neues. Entscheidend ist dabei auch, ob Familien Parks, Spielplätze oder Tischtennisplatten in ihrer Nähe finden. Die Stadt Leipzig hat schon ein paar Ideen, ihre Bewohner zu aktivieren.
Bolzplätze wie diesen im Lene-Voigt Park gibt es zu wenige, um Kinder für Sport zu begeistern.

Die kürzlich veröffentlichte "AOK Familienstudie 2018" verdeutlicht einmal mehr: Kinder und Eltern sind zu wenig körperlich aktiv. Die Studie zeigt nun aber auch, dass das Wohnumfeld von Familien entscheidend ist. Kinder bewegen sich demnach deutlich mehr, wenn sie Spielplätze, Tischtennisplatten oder einfach nur Grünflächen in der Nähe finden. Auch in Leipzig gibt es zu wenig solcher offenen Angebote, aber auch zu weniger Turnhallen und Schwimmbäder.

Ganz große Baustellen sehe ich dabei, dass viele Sportstätten fehlen. Leipzig ist extrem gewachsen und dann ist es natürlich auch ein Abwägungsprozess: Baue ich Grünflächen zu, die ich eigentlich für Erholung brauche, setze ich da eine Turnhalle drauf oder mache ich da Wohnungen draus.

Ulrike Leistner, Koordinierungsstelle kommunale Gesundheit Leipzig

Kinder bewegen sich davon abgesehen insgesamt zu wenig. Das Bundesministerium für Gesundheit empfiehlt 60 Minuten körperliche Aktivität pro Tag. Das schaffen gerade einmal 10 Prozent der Kinder, im Durchschnitt erreichen sie an 3,6 Tagen dieses Pensum. Fehlen Angebote im direkten Wohnumfeld, liegt die Zahl sogar nur bei 3,0 Tagen, an denen die 60 Minuten Bewegung erreicht werden.

Eltern sind oft selbst übergewichtig

Allerdings geht es dabei nicht nur um Sport, sondern auch darum, für kurze Wege das Fahrrad zu nehmen oder zu Fuß zu gehen. Tatsächlich tun Familien dies auch öfter, wenn die Wege dafür sicher sind. Die Studie zeigt aber auch: Die Mehrheit der Eltern ist selbst übergewichtig. In diesen Familien wird häufig auch weniger Wert auf Bewegung gelegt; in einem Drittel der Familien spielen körperliche Aktivitäten in der Freizeit überhaupt keine Rolle. Die Stadt Leipzig will Kinder und Eltern deshalb schon in ihren Stadtteilen für eine gesunde Lebensweise begeistern.

Man sagt in der Gesundheitsföderung, man hat zwei klassische Wege: Früher war es immer nur die Verhaltensprävention, der Arzt sagt: sie sind zu dick, sie müssen jetzt abnehmen, zack. Und dann denkt man: Ich hab es ihm doch gesagt, und warum macht der das nicht. Oder ich versuche die Verhältnisse so zu ändern, dass die gesunde Wahl die einfachere wird.

Ulrike Leistner

Ein Projekt, das genau solche Rahmenbedingungen schaffen will, ist "Grünau bewegt sich". Auf Schulwegen hat man nun zum Beispiel Bewegungsspiele markiert. Das Ganze wird außerdem wissenschaftlich begleitet. Einzigartig in Deutschland ist aber, dass es beim Gesundheitsamt Leipzig eine "Koordinierungsstelle kommunale Gesundheit" gibt. Sie verwaltet Geld, dass die Krankenkassen aus Präventionsmittel bereitstellen. Auch für eigene Projekte kann man hier Unterstützung bekommen. Stadtpläne zeigen nun beispielsweise, wo es schon Sportangebote und Spielplätze gibt.

Sich genügend zu bewegen ist nicht nur gesund, sondern auch für die Stimmung und guten Schlaf wichtig. Da kann man schon im Alltag viel tun, indem man für kurze Wege einfach mal zu Fuß geht oder das Fahrrad nimmt.

Den Beitrag finden Sie hier zum Nachhören:

Ein Beitrag von Anton Walsch zur AOK Familienstudie 2018
1107_BmE_Familienbewegung
 

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