Die Kolumne

74 Verschwörungstheorien

Die Kolumne. Immer freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Diesmal: Paula Drope über fertige Menschen, das Kuddelmuddel von Buchpreisen und unsinnige Titel.
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Was ist in dieser Woche passiert? Unsere Kolumnisten haben wie immer eine Antwort auf die wichtigsten Fragen.

 

"74 Verschwörungstheorien" - die Kolumne von Paula Drope
 

Vierzig Prozent aller neu eingestellten Lehrer in Sachsen sind nicht richtig qualifiziert. Wie schaffen wir es trotzdem immer wieder auf Platz eins der Bildungsrankings?

Mir fallen auf die Schnelle etwa 74 Verschwörungstheorien ein. Wahrscheinlich hat es aber nichts mit Chemtrails zu tun, sondern es ist alles ganz einfach: Sachsens Lehrer sind entweder genial in jedem Fach und jeder Schulform, ganz egal ob sie Lehrersein gelernt haben oder nicht oder aber dieses Bildungsranking ist für die Katz. Der Bildungsmonitor 2015, auf den die Redaktion hier wohl anspielt, kommt von der Initiative für soziale Marktwirtschaft. Einen entsprechenden Fokus darf man ihnen unterstellen. Da geht es also nicht darum, wer die schlausten Kinder und fertigsten Menschen sind, die zum Beispiel eine gesunde Einstellung zu politischen Themen haben, sondern eher um fleißige Arbeiter. Die hat in Sachsen aber noch jeder Lehrer hinbekommen.

Die Stadt Markkleeberg wird für fairen Handel ausgezeichnet und darf sich FairTrade Town nennen. Müssen die Öko-Hippie-Hipster jetzt häufiger in den Süden pendeln?

Aber keineswegs! Das wäre ja noch schöner, wo man Markkleeberg bald gar nicht mehr mit der Tram 9 erreichen kann, sondern in umweltverpestende Busse steigen muss. Das wiederum hat nichts direkt mit FairTrade zu tun, passt aber sicher nicht in das Bild des hier beschworenen Öko-Hippie-Hipsters. Der aber muss gar nicht weit fahren. Leipzig ist doch längst FairTrade-Town. Ein Titel der mir reichlich unsinnig vorkommt  nicht nur ob des Namens  wenn ich sehe, was in Leipzigs Fußgängerzonen am liebsten aus den in Sweatshops produzierenden Läden getragen wird.

Kristina Maidt-Zinke übernimmt den Juryvorsitz des Preises der Leipziger Buchmesse. Hättest du das nicht auch gerne gemacht?

Nachdem ich Edward St. Aubins Roman „Der beste Roman des Jahres“ gelesen habe, lehne ich dankend ab. Diese Buchpreise scheinen mir ein großes Kuddelmuddel zu sein, bei denen sich die Juroren die Bücher eher an die Stirn halten, um deren Bedeutungstiefe zu ergründen, als wirklich jedes einzelne zu lesen. Ich überlasse Frau Maidt-Zinke gerne ihren Job und lese dann die Bücher, die es auf die Shortlist schaffen. Da komme ich auf jeden Fall durch.

Und nächste Woche?

Wird meine letzte Kolumne geschrieben worden sein. Danke lieber Faustschlag für ein Jahr Sendezeit. Weil ich dann viel freie Zeit haben werde, heuere ich vielleicht als Lehrer an und lese mit den Schülern Preisverdächtiges über fairen Handel.

 

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