Musikhighlights: KW 36

Die Musikredaktion hat mal wieder keine Kosten und Mühen gespart, um euch die frisch gebackenen Musikhighlights der Woche zu liefern. Diesmal mit dabei: Suzanne Vega, The Flaming Lips und Janelle Monàe.
Musik Highlights der Woche
Musikhighlights der Woche: KW 36

Frisch gepresst: Unser Musiktipp der Woche ist das Album "Zeros" von Declan McKenna. Eine ausführliche Rezension gibt es hier.

 

Suzanne Vega – „An Evening of New York Songs And Stories”

Album VÖ.: 11.09.2020

Es ist, als würde man mitten durch New York City schlendern: Gelbe Taxen fahren in Eile durch die Straßen, bunte Lichter zieren den Times Square und im Hintergrund ertönt leise Jazz-Musik aus einem kleinen Café.  So fühlt es sich an, Suzanne Vegas neues Album „An Evening of New York Songs And Stories” zu hören. Die mittlerweile 61-Jährige Sängerin, die durch Hits wie „Luka“ und „Tom’s Diner“ bekannt wurde, veröffentlicht noch einmal ein Album. Eigentlich sollte „An Evening of New York Songs And Stories” bereits im Mai herausgebracht werden, doch durch das Corona-Virus musste die Veröffentlichung auf September verschoben werden.

„An Evening of New York Songs And Stories” ist ein Live-Mitschnitt eines Auftrittes der Sängerin im New Yorker Jazz-Café „Carlyle“. Dort spielte sie eine Mischung aus bekannten Cover-Songs und eigenen Hits, aber auch Raritäten, die alle eine Sache gemeinsam haben: New York City als Quelle der Inspiration. Suzanne Vega, die in Santa Monica geboren wurde, ist auch privat tief mit der Großstadt verwurzelt. Bereits in ihrer Jugend zog es die junge Künstlerin in die „Stadt, die niemals schläft“, und sie begann, in zahlreichen kleinen Clubs aufzutreten. In dieser Zeit lernte sie viele Menschen und deren Schicksale kennen – Geschichten, die sie in ihren Songs verarbeitete. Das neue Album ist für Suzanne Vega also eine Art Querschnitt ihrer gesamten Karriere. Besonders ihre zwiegespaltene Haltung zu ihrer Heimat wird darin deutlich:

I’ve lived all over the city at one point or another, in most of the neighborhoods. I never have experienced New York City as this generous, nurturing place. Anything that I receive from New York, I’ve had to scratch and claw to get. But I still love New York. 

Für den richtigen Sound der Songs holte sie sich prominente Hilfe. Neben Gerry Leonard, dem Gitarristen von David Bowie, wurde sie zudem von zwei mit einem Grammy ausgezeichneten Toningenieuren unterstützt. Dank ihnen hat sie es geschafft, ein Album zu kreieren, das die Hörer*innen zurück in vergangene Zeiten entführt. Zwischen spannenden Geschichten und dem unverwechselbaren Sound der Künstlerin ist es, als würde uns Suzanne Vega auf eine ganz persönliche Reise mitnehmen – quer durch ihr eigenes Leben und hinein in die so besondere Atmosphäre von New York City.

Emilia Wernicke

 

The Flaming Lips – "American Head"

Album VÖ.: 11.09.2020

Wenn genügend Zeit verstreicht, werden selbst die verrücktesten Außenseiter zu geschätzten Institutionen. Diese Lektion haben jedenfalls die US-amerikanischen Querköpfe von den Flaming Lips gelernt. Seit 37 Jahren besteht die Band um Frontmann Wayne Coyne. In dieser Zeit brachten sie sage und schreibe 15 Alben heraus, mit teils krassen Unterschieden in Sound und Songwriting, die jedoch immer ihren Faible für psychedelische Klänge und Lust am Experiment demonstrierten. Um die Jahrtausendwende kratzte die Truppe zwischenzeitlich zwar mal am Mainstream-Erfolg, mit den beiden vergleichsweise poppigen Alben „The Soft Bulletin“ und „Yoshimi Battles the Pink Robots“; langfristig blieben sie jedoch eine klassische Nischenband für Freunde experimenteller Rockmusik.

Trotzdem, wer sich 37 Jahre im Showgeschäft hält, eine treu ergebene Fangemeinschaft aufweisen kann und zwischenzeitlich sogar den offiziellen Rocksong des Bundesstaates Oklahoma stellte kann sich schonmal in staatsmännischer Funktion sehen. So sagte Wayne Coynes vor der Veröffentlichung ihres neuen Albums „American Head“, die Band sehe sich nun erstmals als eine klassische „Amerikanische Band“, in der Tradition von Bands wie The Grateful Dead. Dieses neue Selbstbild lässt sich im Klangbild der Platte erahnen. Die Songs sind insgesamt recht ruhig, in den Melodien und den beobachtenden Lyrics lässt sich ein gewisser Americana-Einschlag hören. Trotzdem bleiben sich die Weirdos auch treu und bieten wie gewohnt eine breite Soundwand aus Gitarren und Synthies, die herrlich psychedelisch-bunt wabert. Lediglich die Single „Mother, Please Don’t be Sad“ lässt ein klassisches Songwriter-Album vermuten.

Martin Pfingstl

 

Janelle Monáe – „Turntables“

Single-VÖ: 08.09.2020

Janelle Monàe hat mit „Turntables“ ihren ersten Song nach ihrem letzten Album „Dirty Computer (2018) veröffentlicht. Der Song kommt genau zur richtigen Zeit, denn Monáe hat ihn für den Dokumentarfilm „All In: The Fight For Democracy“ geschrieben, der am 18. September bei Amazon Prime Video erscheinen wird.
Die Doku beleuchtet das Thema der Wahlunterdrückung in den Vereinigten Staaten von Amerika in Hinblick auf die US-Präsidentschaftswahl im November.

Got a new agenda
With a new dream
I'm kicking out the old regime
Liberation, elevation, education
America, you a lie
But the whole world 'bout to testify
 

In all ihren musikalischen Veröffentlichungen hat sich Janelle Monáe bisher mit den Themen Rassismus und Feminismus beschäftigt und auch „Turntables“ widmet sie der Black Lives Matter Bewegung und den Menschen „die an vorderster Front stehen“. Der Song soll dazu ermuntern, zu protestieren und das macht er Monáes typischen Mix aus Hip-Hop und RnB. Eine gelungene Rückkehr, die ruhig ein bisschen länger sein könnte.

Marie Jainta

 

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Suzanne Vega – „An Evening of New York Songs And Stories”

The Flaming Lips – "American Head"

Janelle Monáe – „Turntables“