Jobcenter Sachsen

600 Stellen weniger

Das Wort „anpassen“ bedeutet oft, dass Preise oder Mieten erhöht werden. Wird bei Arbeitsplätzen von „Anpassung" gesprochen, geht es in der Regel um eine Reduzierung. So zumindest auch bei den sächsischen Jobcentern.
Unbesetzter Schreibtischplatz mit PC-Monitor und Aktenordnern
Arbeitsplätze in Gefahr - auch dieser Schreibtisch könnte in Zukunft unbesetzt bleiben

Zuerst die gute Nachricht: Die Arbeitslosigkeit in Sachsen hat sich seit 2005 mehr als halbiert. Waren im Freistaat vor zehn Jahren noch 400.000 Personen als arbeitslos gemeldet, sind es heute gerade mal 187.500. Anders ausgedrückt heißt das, dass die Arbeitslosigkeit von 18 Prozent auf 8,8 Prozent sank.

Zwei Seiten einer Medaille

Doch diese Entwicklung hat auch ihre Kehrseite. Parallel zu den Veränderungen der Arbeitsmarktsituation wurden in den Jobcentern kontinuierlich Stellen abgebaut. Allein in den Jahren 2011, 2012 und 2013 fielen 700 Stellen dem Rotstift zum Opfer. Gerechtfertigt wird das mit dem Rückgang der Arbeitslosigkeit.

 In der Folge müssen wir als Bundesagentur für Arbeit natürlich auch unseren Personalkörper überdenken und so haben wir im Jahr 2010 entschieden, dass wir unser Personal entsprechend der Arbeitsmarktentwicklung anpassen wollen

Frank Vollgold, Pressesprecher der Agentur für Arbeit Sachsen

Stellenabbau ohne Kündigung

Beim "Anpassen des Personalkörpers" wird zwar niemand gekündigt, aber die Arbeitsplätze werden trotzdem weniger. Befristete Verträge werden nicht verlängert, frei werdende Stellen durch Jobwechsel oder Übergang in die Altersrente nicht neu besetzt.

Dass nun auf einen Jobcenter-Mitarbeiter mehr Arbeitssuchende kommen könnten, befürchtet Frank Vollgold nicht, da die Zahl der Arbeitssuchenden ja auch abgenommen hat. Zudem habe Sachsen einen überdurchschnittlich günstigen "Betreuungsschlüssel". So kommen auf einen Sachbearbeiter 144 Arbeitssuchende. Bundesweit liegt der Durchschnitt bei 1 zu 150.

Sonderfall Leipzig

So gut Sachsen auch da steht: Leipzig widersetzt sich dem allgemeinen Trend. Während die Arbeitslosigkeit im ganzen Freistaat sinkt, bleibt der Bedarf an Jobvermittlungen in Leipzig hoch, weshalb vorläufig 20 neue Stellen in der Arbeitsagentur geschaffen werden sollen. Diese sollen mit Jobcenter-Mitarbeitern aus Südwest-Sachsen besetzt werden.

Ausblick

Mit Blick auf konjunkturelle Prognosen und die künftige Arbeitsmarktentwicklung sollen weitere Stellen abgebaut werden. Allein in Sachsen ist der Wegfall 600 weiterer Arbeitsplätze geplant. Bis 2020 sollen so die Stellen an den Jobcentern um zehn Prozent verringert werden. 

Redakteur Florian Zinner im Gespräch mit Frank Vollgold
 
 

Kommentieren

Alexander Finger
09.04.2015 - 09:18