Landtagswahl 2014

Negativ-Rekord – aber warum?

3,4 Millionen Stimmberechtigte waren am Sonntag aufgerufen den 6. Sächsischen Landtag zu wählen. Doch nicht einmal jeder Zweite von ihnen gab seine Stimme ab, die Wahlbeteiligung lag bei nur 49,2 Prozent. Woran hat's gelegen? Ein Kommentar.
Wahllokal-Schild
Nur 49,2 Prozent der Stimmberechtigten haben gewählt.

Freie Wahlen – das Fundament der Demokratie. Über die Hälfte der Sachsen hat bei der diesjährigen Landtagswahl der Demokratie den Rücken gekehrt. Die andere Hälfte gab ihre Stimme ab und entschied über die Landesregierung der nächsten fünf Jahre. In Sachsen wie auch in anderen Bundesländern entscheidet also die Minderheit über die Masse. Hat die Masse einfach kein Interesse an der heutigen Politik? Die geringe Wahlbeteiligung ist in parlamentarischen Demokratien aber längst nichts Neues mehr. Ist also das System einfach überholt? In Sachsen kommen sicherlich mehrere Faktoren zusammen. Ein Erklärungsversuch.

Die Kommunal- und Europawahl ist erst wenige Monate her. Jetzt mussten sich die Wähler aber nochmal mit den aussagekräftigen Plakaten der Landtagswahl befassen. Der Wahltermin war außerdem der letzte Tag der Sommerferien in Sachsen. Kaum aus dem Urlaub zurück, schon mussten sich die Wähler in die harte Welt der Tagespolitik stürzen und per Kreuz auch noch aktiv daran teilnehmen. Die oft angeworbene Briefwahl wurde dieses Jahr zwar öfter angenommen – viele Wähler scheinen aber keinen Briefkasten zu haben. Ein Hindernis das viele zum aufgeben zwang. Und dann war auch noch das Wetter schlecht und der kurze Weg zum Wahllokal wurde zur Fahrt mit einer Wildwasserbahn. Dass man diese Torturen nicht an einem Sonntag auf sich nehmen will, ist verständlich. Das erklärt durchaus einige der Nichtwähler. Aber was ist mit denen, die tatsächlich absichtlich nicht wählen gegangen sind. Weil – oh Graus – sie nicht wählen wollen? Und damit sind nicht die typischen Argumente gemeint wie zum Beispiel dem Dauerbrenner: 'Es ändert sich ja eh nichts. Ist doch egal wer regiert.' Nein es geht tatsächlich um die Wähler, die aus Protest nicht wählen, weil die Demokratie in unserem Land zur Farce geworden ist. Das Problem dabei ist dann leider: Viele fragwürdig orientierte Parteien profitieren davon. Um dem Wahlsystem ein wirklich ernsten Knax zu verpassen gibt es aber auch noch die Möglichkeit seinen Wahlzettel ungültig zu machen. So werden die Wähler trotzdem aufgelistet, nur die Stimmen sagen am Ende: Wir finden keine Partei überzeugend. Eine ehrlichere Aussage als schlicht nicht hinzugehen. Denn wie soll sich etwas ändern ohne Anteilnahme? Demokratie funktioniert eben nur mit dem Volk, um Politik für das Volk zu machen.

 

 

Kommentieren

Julia Grünwald
01.09.2014 - 18:53