Lebensmittelsicherheit

Wird zu wenig kontrolliert?

Immer wieder beunruhigen Lebensmittelskandale die Bürger. Doch in Sachsen hätte man keinen Grund zur Sorge, die Lebensmittelsicherheit sei vorbildlich – findet Verbraucherschutzministerin Christine Clauß (CDU). Grüne und Linke sind anderer Meinung.
Fleischregal
Kann eine erhöhte Mehrwertsteuer helfen den Fleischkonsum zu verringern?

‚Mein Essen wiehert mich an’ – der letzte Lebensmittelskandal ist den meisten noch gut in Erinnerung: Pferdefleisch in der Lasagne. Ein Skandal. Bundesweit aufgeregte, besorgte und verärgerte Verbraucher. Nach einigen Monaten war der Trubel dann wieder vorbei, aber das Thema Lebensmittelsicherheit blieb wortwörtlich in aller Munde: 'Wird zu wenig kontrolliert?', 'Muss man sich Sorgen machen, was man isst?' und 'woher kommen die Lebensmittel eigentlich genau?' Fragen über Fragen!

Regierung vs. Opposition

Verbraucherschutzministerin Christine Clauß von der CDU ist jedoch davon überzeugt, dass es keinen Grund zur Sorge gibt. Am Montag stellte sie in Wurzen den Amtlichen Lebens- und Futtermittelüberwachungsbericht vor. Sie hält die Futtermittelkontrollen hierzulande für vorbildlich, den regelmäßigen Kontrollen sei’s gedankt. Für sie haben sich die zuständigen sächsischen Verbraucherschutzbehörden bewährt – auch während des Pferdefleischskandals.

Grüne und Linke teilen ihre Meinung allerdings ganz und gar nicht und zweifeln an der Sicherheit. Sie finden, dass die Kontrollen – vor allem auch in sächsischen Tierhaltungsanlagen – unzureichend sind.

Wer hat recht?

Laut Birgit Brendel, Referentin für Ernährung in der Verbraucherzentrale Leipzig, hat keine der beiden Seiten absolut recht. Die Kontrollen, die durchgeführt werden, seien zwar auf einem hohen qualitativen Standard, aber ob der Umfang der Kontrollen ausreichend ist, wäre immer wieder ein Kritikpunkt. Sie erklärt:

„Unsere Position dazu ist, dass in Problembereichen durchaus häufiger kontrolliert werden könnte. Ich sag mal, eine allumfassende Lebensmittelsicherheit wird es nicht geben. [...] Man hat eine sehr große Anzahl Agrarbetriebe und an der Stelle relativ wenig Kontrollen. Dafür werden aber dann die verarbeitenden Betriebe relativ intensiv kontrolliert.“

Gerade durch Massentierhaltung könnten Probleme entstehen, die gesundheitlich bedenklich für den Verbraucher sein können: Aufgrund der hohen Tierzahl auf einer relativ kleinen Fläche könnten sich multiresistente Keime verbreiten und gesundheitliche Probleme auftreten. Veterinärmedizinisch wäre das aber händelbar. Brendel ist sich außerdem sicher, dass auch große Tierbestände sehr hohen hygienischen Niveaus entsprechen können – wenn sie gut geführt werden.

Und wie kann man sich ale Verbraucher schützen?

Als Verbraucher könne man recht wenig machen, erklärt Birgit Brendel:

„Bei den meisten multiresistenten Keimen ist es so, dass der Esser de facto von der Problematik nicht oder nur sehr wenig betroffen ist. Nach den Angaben des Bundesinstituts für Risikokommunikation liegt das Problem mehr auf der Ebene der Leute, die mit den Tieren umgehen – sprich Landwirte, Veterinäre, die sich dort gesundheitlich schützen müssen“  

Bio-Fleisch

Und schließlich könne ein Verbraucher an dem verpackten Produkt im Supermarkt auch nicht erkennen, aus welcher Haltungsart es kommt – zumindest bei Rind und Schwein nicht. Für Geflügel gibt es gesetzlich vorgegebene Kennzeichnungsregelungen. Und auch Bio-Lebensmittel oder Produkte aus Markenfleischprogrammen sind entsprechend ausgezeichnet.

Ganz sicher gehen kann man also nur, wenn man entweder ganz auf Fleisch verzichtet oder nur noch Bio-Produkte kauft. 
mephisto97.6-Redakteur Florian Zinner im Gespräch mit Birgit Bredel von der Verbraucherzentrale Leipzig.
 
 

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