Restaurierung in Auerbachs Keller

100 Jahre hinterlassen Spuren

Jeden Tag kommen Scharen von Menschen in den Auerbachs Keller in Leipzig. Doch jetzt bröckelt der Putz von den Wänden der sagenumwobenen Gaststätte – gar nicht gut für die Wandgemälde. Restauratoren werden den Schaden darum jetzt beheben.
Schild "Auerbachs Keller" an der Mädler-Passage
Der Auerbachs-Keller in der Mädler-Passage ist weltbekannt.

Jeden Tag strömen unzählige Touristenscharen in die Mädler-Passage. Genauer gesagt in den Auerbachs Keller. An Spitzentagen sind es bis zu 2000 Menschen, die im alten Gewölbekeller speisen. Und auch für Fans von Goethes Faust ist der Auerbachs Keller ein Pilgerort, denn an dieser Stelle haben schon Faust und Mephistopheles höchstpersönlich gefeiert, getrunken und gescherzt – wenn man Goethes Erzählung glauben mag. 

"Ich muß dich nun vor allen Dingen
In lustige Gesellschaft bringen,
Damit du siehst, wie leicht sich's leben läßt.
Dem Volke hier wird jeder Tag ein Fest."

Mephistopheles

in 'Faust I' von Johann Wolfgang von Goethe

Wenn man so in "lustiger Gesellschaft" im Fasskeller sitzt und seine Suppe löffelt, kann man aber nicht nur die Kulisse von Goethes Faust einmal mit eigenen Augen betrachten, sondern auch zahlreiche alte Wandgemälde bestaunen. Die sind teilweise schon über 100 Jahre alt und das Alter macht sich jetzt bemerkbar. Denn so langsam blättert die Farbe von der Wand – und schlimmstenfalls direkt in die Suppen.

Die Mission: restaurieren – das Ziel: konservieren 

Ein Man sitzt auf einem Fass vor einem Wandgemälde.

Damit sich aber auch in 100 Jahren noch Menschen an den Gemälden erfreuen können, haben Restauratoren die Kunstwerke im Fasskeller gerettet: Dr. Arnuf Dähne, Oliver Tietze und Paula Sowa arbeiteten zwei Wochen lang auf Hochtouren, um die Kunstwerke für die Nachwelt zu "konservieren". Laut Diplomrestaurator Arnuf Dähne "entstanden [die größten Schäden] durch Versalzung aufgrund von Wassereinbrüchen, Erschütterungen durch die darüber liegende Mädler-Passage sowie die Verschmutzung mit Nikotin, Dunst und Staub." Daher mussten die Gemälde in der Vergangenheit schon mehrmals restauriert werden.

Jetzt wurden aber erstmal eine Notsicherung der Schäden und eine Bestandsaufnahme durchgeführt, um die zukünftigen Restaurierungsarbeiten zu planen. Anhand ihrer Erkenntnisse soll dann ein Konzept für eine Gesamtrestaurierung entwickelt werden, die in den nächsten ein bis zwei Jahren stattfinden sollen. Um die Gemälde bestmöglich zu schützen, werden zusätzlich auch klimatechnische Messungen durchgeführt.

Fürs Erste sollte also nichts mehr von der Decke rieseln. Und falls doch, sollte man daran denken, dass schon Mephistopheles Faust seinerzeit erklärte:

"Solang´ der Wirt nur weiter borgt,
Sind sie vergnügt und unbesorgt."

Mephistopheles

in 'Faust I' von Johann Wolfgang von Goethe

mephisto 97.6-Redakteur Ludwig Bundscherer hat sich die Wandgemälde im Auerbachs Keller genauer angesehen.
 
 

Kommentieren