Leiharbeit

Arbeit auf Abruf?

Mit ihrer Reportage "Ausgeliefert! Leiharbeit bei Amazon" sorgte die ARD vor einiger Zeit für großes Aufsehen. Dort wurden die Zustände der Leiharbeiter in Deutschland aufgezeigt. Doch wie steht es um die Leiharbeiter in Leipzig?
Leih- und Zeitarbeit ist nach wie vor ein wichtiges Thema

In Deutschland sind ungefähr 850.000 Menschen als Leiharbeiter angestellt. Unternehmen sind so in der Lage, auch außerplanmäßige Aufträge aufzunehmen und somit flexibel zu bleiben. Der Bundesverband Zeitarbeit (BZA) sagt, dass der deutsche Arbeitsmarkt seine Stabilität auch der Leih- und Zeitarbeit verdankt. Ohne die Zeitarbeit würden einige Produkte gar nicht mehr hergestellt werden.

Viele Parteien begrüßen die Leih- und Zeitarbeit

Auch einige Parteien, wie CDU, FDP und SPD, stehen der Leih- und Zeitarbeit positiv gegenüber. Daniela Kolbe ist eine Bundestagsabgeordnete der SPD. Sie sagt, die Leiharbeit ermögliche den Unternehmen, flexibel Aufträge anzunehmen und auch kurzfristig die benötigten Arbeitsplätze zu füllen. Dafür war die Leiharbeit auch ursprünglich gedacht. 

Immer öfter Missbrauch der Leiharbeit

Allerdings kommt besonders immer mehr Kritik an Unternehmen auf. Leiharbeiter verdienen deutlich weniger als Festangestellte und müssen nicht über das Unternehmen sozialversichert werden. Das wird von einigen Unternehmen ausgenutzt, zum Beispiel indem sie teilweise mit 100 Prozent Leiharbeit produzieren, Die Löhne können gedrückt werden, sodass das Unternehmen maximal profitiert. Auch Unternehmen mit Sitz in Leipzig, zum Beispiel BMW und Porsche, standen lange Zeit in der Kritik. Mittlerweile, so Daniela Kolbe, gibt es aber bei beiden Firmen eine Betriebsvereinbarung. Diese soll die Leiharbeit beschränken. Teilweise werden Leiharbeiter jetzt über Tarife bezahlt. 

Zukünftig neue Lösungsansätze

Immer noch arbeiten viele Leiharbeiter unter schlechten und unsicheren Bedingungen, da sie oft über Jahre hinweg nicht übernommen werden. Daher ist es wichtig, die Leiharbeit in Zukunft zu reduzieren. Sinnvoll wäre es beispielweise, nur die Urlaubs- und Krankheitsausfälle sowie die Auftragsspitzen mit Leiharbeitern zu besetzen. Der kommende Mindestlohn habe allerdings keine großen Auswirkungen auf die Zeitarbeit, denn der Lohn der tariflich bezahlten Leiharbeiter liegt in Ostdeutschland bereits bei knapp 8 Euro. Daniela Kolbe befürchtet allerdings, dass Unternehmen neue Umgehungsstrategien finden werden, um Personalkosten zu sparen: so weichen Unternehmen mittlerweile mehr auf Werkverträge aus, beauftragen also Selbstständige mit bestimmten Dienstleistungen. De facto ist das aber in vielen Fällen nur eine Scheinselbstständigkeit und das bedeutet Betrug am Arbeitnehmer.

Damit der Missbrauch von Leiharbeit auch in Zukunft verhindert werden kann, soll eine Hotline eingerichtet werden, bei der sich Leiharbeiter anonym melden können.

Ein Beitrag von Manuel Rademacher über Leih- und Zeitarbeit
 
 

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Lisa Peter
26.03.2014 - 15:02

Heute Abend gibt es ein Podiumsgespräch zum Thema Leiharbeit in Leipzig. Dazu lädt die Friedrich-Ebert-Stiftung ein. Unter dem Titel "Wie Fair ist Leiharbeit in Leipzig?" findet die Veranstaltung heute um 18.00 im Landesbüro Sachsen (Burgstraße 25, Leipzig) statt.