Gespräche auf dem Roten Sofa

"Was war, endet nicht"

Unsere gesamten Erfahrungen machen uns zu dem Menschen, der wir sind. Doch was macht das aus uns, was wir nicht erlebt haben?
Ulrike Draesner im Gespräch mit Moderatorin Magda Dick auf dem Roten Sofa.

Mit „Sieben Sprünge vom Rand der Welt“ hat Ulrike Draesner einen Familienroman vorgelegt, in dem besonders die Kriegserlebnisse aufgearbeitet werden müssen, die nie erlebt wurden. 

Eustachius Grolmann war ein Kind, als der Zweite Weltkrieg ausbrach. Er ist im bitterkalten Winter 1945 aus Schlesien geflohen. Seine heute 50-jährige Tochter Simone ist es allerdings, die Angst vor Schnee hat. Was sie teilen ist ihr Interesse für Menschenaffen. Die beiden sind Primatenforscher. Doch Nähe und Distanz, das Woher und das Wohin muss Simone Grolmann erst einmal ausloten.

Auf beeindruckende Weise erzählt Ulrike Draesner die Geschichte aus der Perspektive von sieben Figuren aus drei Generationen und zwei Familien, und findet dabei eine Sprache für das, was eben häufig nicht ausgesprochen wird, wenn es um die Aufarbeitung von Kriegserlebnissen geht. 

Daneben ist der Roman verknüpft mit einer umfangreichen Stoffsammlung im Internet. Ihre Rechercheergebnisse wie auch Essays sind online verfügbar. Sie sorgen dafür, dass die Geschichte, die mit Flucht und Vertreibung bei einer Generation beginnt, auch mit der letzten Seite des Romans nicht zu Ende ist – so wie auch unsere Geschichte nicht nach uns auserzählt sein wird. 

Seitdem 1995 Ulrike Draesners erstes Werk, der Gedichtband gedächtnisschleifen, veröffentlicht wurde, schreibt die Autorin äußerst produktiv Lyrik, Prosa und Essays und arbeitet als Übersetzerin. Dafür hat sie schon zahlreiche Preise erhalten. Unter anderem den Droste-Preis, den Preis der Literaturhäuser und zuletzt den Joachim-Ringelnatz-Preis.

 

Autorin Ulrike Draesner im Gespräch mit Moderatorin Magda Dick auf der Leipziger Buchmesse
Ulrike Draesner
 
 

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