Gespräche auf dem Roten Sofa

12 Runden Einsamkeit

Nicht nur ein Boxkampf kann in die zwölfte Runde gehen. In dem Roman "Carambole" nähert sich der Schweizer Buchpreisträger Jens Steiner einem kleinem Dorf und seinen verzweifelnden Bewohnern.
Jens Steiner im Gespräch mit Moderatorin Jessica Brautzsch auf dem Roten Sofa

Einsamkeit und Verzweiflung

Davon sind die Figuren im Roman bestimmt. Jens Steiner wählt nicht einen Protagonisten für sein Roman sondern gleich mehrere. So zeichnet er ein Portrait eines kleinen Dorfes in der Schweiz, aber auch ein Portrait der heutigen Welt. Steiner erzählt von drei Jugendlichen, die sich vor der Langeweile der Ferien fürchten, die zwar immer zusammen rumhängen, aber sich doch nicht richtig zu kennen scheinen. Er lässt eine Familienmutter beschreiben, wie sie das Verständnis für ihre Tocher verliert und ihren Mann immer weniger kennt. Die Troika, drei ältere Männer, die immer Carrom spielen, erzählen von ihrem Leben und dass sie sich nicht mehr als Teil der Gesellschaft sehen. Und dann ist da noch Schorsch, der Außenseiter des Dorfes, der seine Rolle selbst gewählt hat und der am Ende die Frage aufbringt, ob Katzenfutter tödlich ist oder vielleicht doch etwas anderes. Diese und andere Geschichten finden sich in dem Roman, oft sind es nur wenige Stunden in den Leben der Menschen, doch das zeichnet ein faszinierendes Panorama. Natürlich sind diese Themen weder einzigartig, noch neu, auch die Erzählweise ist nicht wirklich neu. Manchmal ist es sogar ein wenig schade, dass die Figuren nicht verknüpfter sind. Allerdings zeigt sich gerade durch diese kurzen Blitzlichter auf die Figuren, die so sehr nebeneinanderher leben, die Einsamkeit des modernen Menschen, die Steiner mit seiner Sprache wunderbar einfängt.

 

Jens Steiner im Gespräch mit Moderatorin Jessica Brautzsch live auf der Leipziger Buchmesse 2014.
Jens Steiner

 

 

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