Die Kolumne

Seichter Aufstand

Die Kolumne. Immer freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Diesmal: Til Schäbitz. Und zwar ganz ohne Fragen, dafür mit einer ganzen Menge Hass.
Kolumne, Symbolbild, Redaktion
Was ist diese Woche passiert? Unsere Kolumnisten und Kolumnistinnen haben sogar Antworten, wenn sie gar nicht gefragt werden.

 Die Kolumne zum Nachhören:

Seichter Aufstand - Die Kolumne von Til Schäbitz
Seichter Aufstand - Die Kolumne von Til Schäbitz

Ja, also ich bin Til Schäbitz. Ich habe hier jetzt ein Jahr lang meine Meinung angeboten. Ich habe immer begründet, mir Argumente einfallen lassen, ich habe jeden noch so bescheuerten Standpunkt versucht nachzuvollziehen. Aber damit reicht’s jetzt. Alle können immer völlig undifferenziert rumhaten und alles Kacke finden und genau das will ich jetzt auch mal machen. Und alle die das Kacke finden, die find ich auch Kacke.

Ja, was fällt mir noch so ein?

Äh, es ist die Woche verdammt warm gewesen. Das find ich kacke. Und besonders kacke find ich Leute, die sagen wie Kacke sie es finden, dass es viel zu warm ist.

Generell hasse ich Sätze, die man nur sagt, damit es nicht ruhig ist.

Und ich hasse es morgens, um 7 an der Club-Toilette anzustehen, wenn ich wirklich mal muss.

Ich hasse es, wenn Poetry Slammer feststellt, dass alle gerade Angst haben was zu verpassen, aber er nicht und deswegen lieber nur rumliegt und wichst.

Ich hasse es, im Zug nicht am Fenster sitzen zu können.

Unser Kolumnist Til Schäbitz.

Ich hasse es, dass es zu Seenotrettung überhaupt zwei Meinungen gibt.

Ich hasse Busfahrer die sehen, das ein Dunkelhäutiger an der Haltestelle steht und deswegen nur noch vorne die Tür aufmachen. Und. Ähm.

Wars das jetzt?

Ne ne, mir fällt schon noch was ein.

Ich hasse Wasser im Ohr, und dass auf jedem belegten Brötchen Tomaten sind.

Und ich hasse es, wenn jemand unter ein Spiegel-Selfie schreibt: „Mach etwas statt nur Zeit totzuschlagen, sonst schlägt die Zeit dich tot“. So bescheuert.

Ich hasse es, als reaktionärstes Arschloch der Welt dargestellt zu werden, wenn ich sage, dass ich rasierte Beine bei Mädchen schöner finden.

Ich hasse den Satz „aber das kannst du jetzt noch nicht wissen“.

Ich hasse es, wenn ich schon beim Schreiben dran denke, dass es mal gelesen wird.

Und ich hasse diesen Text. Ich hasse, dass ich meine Rebellion siebzehnmal korrekturgelesen habe.

Aber ich bin froh, dass mir die unreflektierte Dummheit nicht so leichtfällt.

 

 

 

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